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International Libyen befürchtet syrische Zustände

Angesichts der wachsenden Spannungen in Libyen hat der Aussenminister des Landes vor einer Eskalation wie in Syrien gewarnt. Seit Ende August sind hunderte Zivilisten getötet worden.

Ein Kämpfer feuert ein Geschütz auf einem Fahrzeug ab.
Legende: Hunderte tote Zivilisten hat die UNO seit Ausbruch des Bürgerkrieges in Libyen gezählt. Reuters

Die Staatengemeinschaft müsse der libyschen Regierung beim Kampf gegen radikale Islamisten helfen, sagte Aussenminister Mohammed Dairi. Die Extremistengruppe Ansar al-Scharia beteilige sich an Angriffen auf die Ölanlagen. Er äusserte sich zudem besorgt darüber, dass die Probleme in seinem Land auf der Prioritätenliste von US-Präsident Barack Obama nicht weit genug oben stünden.

Ölhäfen nicht mehr unter Kontrolle

Der Politiker vertritt die international anerkannte Regierung im Osten des Landes. In der Hauptstadt Tripolis hat dagegen eine rivalisierende Gruppe die Macht übernommen. Auch die grössten Ölhäfen Es Sider und Ras Lanuf sind nicht mehr unter Kontrolle der anerkannten Regierung.

Dairi
Legende: Aussenminister Dairi: Libyen nicht auf Obamas Prioritätenliste. Keystone

Dairi erklärte weiter, seine Regierung stehe vor einer ernsten Haushaltskrise und könnte internationale Kredite beantragen. Darüber habe er bereits mit der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds gesprochen.

Zudem habe er bei den Vereinten Nationen und der US-Regierung um mehr Hilfe beim Kampf gegen den internationalen Terrorismus gebeten.

Folter und Hinrichtungen

Im libyschen Bürgerkrieg sind gemäss UNO-Angaben seit Ende August hunderte Zivilisten getötet worden. In den Kämpfen zwischen mehreren verfeindeten Gruppen habe es auch Kriegsverbrechen wie Folter und Hinrichtungen gegeben, teilten die Vereinten Nationen in Genf mit.

Der Konflikt zwischen den einstigen Verbündeten im Kampf gegen den früheren Machthaber Muammar Gaddafi habe mindestens 120'000 Menschen aus dem Land getrieben und eine humanitäre Krise ausgelöst. Allein in der Region um die Hafenstadt Benghasi seien seit Oktober mehr als 450 Menschen gestorben. Dort seien sowohl Spitäler beschossen worden als auch ein Rettungsfahrzeug des Roten Halbmondes für einen Selbstmordanschlag genutzt worden.

Eine Sprecherin der UNO sagte, die Verantwortlichen könnten für die Verbrechen vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gestellt werden. Neben Benghasi sei ein weiterer Schwerpunkt der Gefechte das Gebiet um Tripolis gewesen. Dort seien 100 Menschen gestorben und 500 verletzt worden. Weitere 170 Tote seien in den Nafusa-Bergen im Westen gezählt worden.

Recht und Ordnung verloren gegangen

Die Informationen wurden von UNO-Mitarbeitern unter anderem bei Journalisten und Angehörigen der Opfer gesammelt, sagte die UNO-Sprecherin. Die Zahl der Toten wurde in Spitälern ermittelt. Im ganzen Land seien Recht und Ordnung verloren gegangen, die Menschenrechtsverletzungen dauerten an und niemand unternehme etwas, um sie zu stoppen.

Nachdem Gaddafi im Jahr 2011 gestürzt und getötet wurde, bekämpfen sich mehrere Rebellengruppen untereinander. Dabei geht es auch um die Kontrolle der Öl-Industrie, der wichtigsten Einnahmequelle des Landes.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Es heisst ja, dass die Menschen unter dem Diktator Gadhafi ein schreckliches Dasein gehabt hätten. Dann wurde dieser gestürzt. Und nun herrscht Gewalt, Mord, Folter der Superlative. ich würde meinen, schlimmer konnten es die Menschen unter Gadhafi kaum gehabt haben. Wenn nur bald ein hochwirksames "Mittel" gegen diese tödliche Seuche IS geschaffen werden könnte!.
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  • Kommentar von Manuela Maruhn, Düren
    Die Wenigen, die das System verstehen, sind dermaßen an Profiten interessiert oder so abhängig von seinen Vorzügen, daß aus humanistischen Reihen niemals eine konstruktive Kritik hervorgehen wird. Die große Masse der Leute, geistig unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne je Verdacht zu schöpfen, dass das System ihnen feindlich ist. Sie transformieren den Mangel in ihre Herrschaft über die Menschen und Morgen gehört ihr die Welt.
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  • Kommentar von Walter Starnberger, Therwil
    Libyen ist ein gutes Beispiel für die Dummheit der europäischen Aussenpolitik. 2011 von einem autoritären Diktator befreit, ist das Land seither zivilisatorisch in einer Abwärtsspirale. Schulen und Gesundheitswesen gibt's nicht mehr. Strom und Wasser nur gelegentlich. Wer für den Staat arbeitet tut das grösstenteils unentgeltlich und auch nur, weil er sonst nichts Gescheiteres zu tun hat. Wobei der Staat und die Regierung in Libyen eigentlich nichts mehr zu sagen haben. Ausser um Geld zu bitten.
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