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International Linke in Griechenland feiern «historischen Sieg»

Die Menschen haben genug: Der Frust über das Sparprogramm hat der radikalen Linken in Griechenland einen klaren Erfolg beschert. Doch für die absolute Mehrheit reicht es dem Parteienbündnis Syriza nicht.

Griechenland steht vor einem historischen Regierungswechsel: Das Linksbündnis Syriza hat bei der Parlamentswahl am Sonntag einen überwältigenden Sieg erzielt.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes ist die Linke stärkste Kraft. Die Partei von Alexis Tsipras kam nach Auszählung von mehr als 99 Prozent der Stimmen auf 36,4 Prozent und holt damit 149 Sitze.

Im Wahlkampf versprach sie vor allem ein Ende der Sparmassnahmen in dem hoch verschuldeten Euro-Krisenland. In der Wahlnacht signalisierte Tsipras den europäischen Partnern Gesprächsbereitschaft für eine «gerechte und praktikable Lösung».

Absolutes Mehr verfehlt

Die absolute Mehrheit von 151 der 300 Sitze im Parlament lag für die Linkspartei am Abend zwar in greifbarer Nähe. Diese wurde jedoch knapp verfehlt. Parteichef Alexis Tsipras wird sich am Montagmorgen mit den Kleinparteien der Unabhängigen Griechen (AE) und To Potami zu Koalitionsgesprächen treffen.

Legende:
Neue Sitzverteilung im griechischen Parlament Griechisches Innenministerium

Abgestraft wurden die bislang regierenden Konservativen von Regierungschef Antonis Samaras. Sie lagen demnach bei rund 28 Prozent und 76 Sitzen.

Die Wahl war weltweit mit Spannung erwartet worden. Griechenland braucht dringend eine handlungsfähige Regierung. Das Hilfsprogramm der internationalen Geldgeber läuft Ende Februar aus. Sollte es keine neue Einigung geben, könnte das Land schon bald zahlungsunfähig sein.

Tsipras: «Kein Streit mit Geldgebern»

Tsipras sagte, seine künftige Regierung wolle mit den Partnern in der EU über den Schuldenberg des Landes verhandeln. Es werde keinen katastrophalen Streit geben - doch Griechenland werde sich auch nicht länger dem Diktat der internationalen Geldgeber unterwerfen.

Die Konservativen im Europaparlament forderten nach dem Wahlsieg des Linksbündnisses die Erfüllung der Spar- und Reformzusagen des Landes.
Der scheidende griechische Regierungschef Antonis Samaras gestand noch am Abend im griechischen Fernsehen seine Niederlage ein.

Spannung im Rennen um Platz Drei

Spannend war das Rennen um den dritten Platz. Die Rechtsextremisten der Goldenen Morgenröte lagen dabei bei 6,3 Prozent und 17 Sitzen. Dicht dahinter folgte die erst Anfang 2014 gegründete neue proeuropäische Partei der politischen Mitte, To Potami (Der Fluss), mit rund 6 Prozent und 17 Sitzen.

Den Einzug ins neue Parlament schafften demnach auch die Kommunisten mit 5,5 Prozent und 15 Mandaten und die bislang mitregierenden Sozialisten mit 4,7 Prozent und 13 Mandaten. Analysen zufolge wandten sich zahlreiche enttäuschte Stammwähler der sozialistischen Pasok nun Syriza zu. Die frühere Volkspartei steht damit vor dem Niedergang.

Die Rechtspopulisten der Unabhängigen Griechen schafften ebenfalls den Sprung über die Drei-Prozent-Hürde. Sie lagen bei 4,7 Prozent der Stimmen und 13 Mandaten. Parteichef Panos Kammenos signalisierte Tsipras Bereitschaft zur Zusammenarbeit, sollte Syriza die absolute Mehrheit verfehlen. Auch Potami-Chef Stavros Theodorakis zeigte sich kooperationsbereit. Die Partei des ehemaligen griechischen sozialistischen Regierungschefs Giorgos Papandreou lag abgeschlagen bei 2,4 Prozent.

Treffen der Finanzminister am Montag

Die Euro-Finanzminister wollen bereits an diesem Montag über den weiteren Weg des Krisenlandes sprechen – auch wenn konkrete Beschlüsse noch nicht geplant sind. Belgiens Finanzminister Johan Van Overtveldt reagierte kühl auf den Wahlausgang. «Den Neuaufbau in Griechenland beenden und gleichzeitig in der Eurogruppe bleiben zu wollen, das ist unvereinbar», sagte er.

So verlief die Wahl

Symbolbild
Legende: srf

Das Linksbündnis Syriza hat bei der Parlamentswahl einen historischen Wahlsieg errungen. So verlief die spannende Wahl.

Die Parteien

Die Parteien

Zu den Parlamentswahlen in Griechenland traten insgesamt 22 Parteien an. Ein Überblick über die wichtigsten Player.

Eurokurs bleibt stabil

Syrizas Sieg wird am Devisenmarkt zunächst gelassen aufgenommen. Der Kurs des Euro war zwar in den ersten Handelsstunden für wenige Sekunden unter 1,11 Dollar gefallen – den tiefsten Stand seit 2003. Der Kurs erholte sich aber schnell wieder und bleibt stabil. Wohl auch, weil Experten nicht erwarten, dass Griechenland die Währungsunion verlässt.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Berger, Bern
    Irgendwie erinnert mich das an unsere Linke. Vom Staat leben und nehmen aber nichts geben. Ich denke da vorallem an ewige Studenten!!!!
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  • Kommentar von A. Lüthi, Bern
    Dank diesen Linken wird der EUR weiterhin seine Talfahrt fortsetzen.
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Die Griechen wurden offensichtlich zu sehr in die Zange genommen - und sie haben gesehen was die Troika - welche nicht einmal demokratisch legitimiert ist - zusammen mit Frau Merkel in Zypern angerichtet haben. Niemand soll sich wundern über das Abstimmungsergebnis. Alle Beteiligten, auch diejenigen aus EU und der Troika, können sich nun überlegen, wie aus der Krise zu finden sei. Sollte Griechenland ausgestossen werden, hätte D einen hohen Preis zu bezahlen.
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    1. Antwort von M. Pestalozzi, Zürich
      Ein Land ist kein Tennisclub, bei dem man den Kassenwart auswechselt, weil viele den Mitgliederbeitrag nicht bezahlen und der Verein hoch verschuldet ist. Doch so kommt mir die Sicht vieler Griechen auf ihren Staat vor. Frappant ist, dass man die Verantwortung für die Zahlungsunfähigkeit einfach weit von sich weist und die Schuld konstant bei den anderen sucht. Wer will einem solchen Land Vertrauen schenken?
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    2. Antwort von m.mitulla, wil
      @M.Pestalozzi. Die Wahl der Griechen ist wohl eine Verzweiflungstat. Heute gibt es viel Armut und sogar Hunger in GR. Der Sparkurs war ganz offensichtlich zu radikal; daneben gibt es aber immer noch eine finanzstarke Oberschicht im Land. Ich nehme an, auch Sie hätten in einer vergleichbaren Situation ähnlich gewählt. Die verhasste Troika ist möglicherweise einen, oder mehrere Schritte zu weit gegeangen.
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    3. Antwort von Gerhard Himmelhan, 3904 Naters
      Hr. Mitulla, nicht erst seit heute, nein schon vor dem EU-Beitritt gab es Hunger und Not in Gr. In D. gibt es Familien die am Essen und an der Heizung sparen müssen. In der CH gibt es eine Einrichtung welche Datum-abgelaufene Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Wenigstens das. ~10 % an der Armutsgrenze! Ohne Korruption, Oligarchentum u.ä wäre schon ein solider Anfang gemacht! Gr. kam nur durch Bilanzfälschung in die EU! Würde es ohne Gr. den nördl. EU-Staaten schlechter gehen, wohl kaum.
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