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International Lob und Tadel für Jordanien nach Hinrichtungen

IS-Terroristen verbrennen eine jordanische Geisel bei lebendigem Leib. Kurz nach der Todesnachricht richtet Jordanien zwei Dschihadisten hin. Während Deutschland dieses Auge-um-Auge-Prinzip verurteilt, erhält Jordanien Lob aus ungewohnter Ecke.

Legende: Video Jordanien in Aufruhr abspielen. Laufzeit 01:41 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.02.2015.

Jordanien zögerte nicht lange. Nachdem die Terrormiliz Islamischer Staat den jordanischen Kampfpiloten Maas al-Kassasbeh tötete, hat die Regierung zwei inhaftierte Dschihadisten hängen lassen: Der Iraker Siad Karbuli – ein Al-Kaida-Mitglied – und die 44-jährige irakische Dschihadistin Sadschida al-Rischawi. Sie war für IS seit langem eine Symbolfigur.

Al-Rischawi war nach einer Anschlagsserie auf drei Hotels Ende 2005 in der jordanischen Hauptstadt Amman festgenommen worden. Bei den Anschlägen starben 60 Menschen. Im April 2006 wurde sie zum Tod verurteilt und sass seither in der Todeszelle.

Gescheiterte Erpressungsversuche

Die Terrormiliz IS hatte mehrmals versucht, die Irakerin in einem Gefangenenaustausch mit Jordanien freizupressen. Ihre Freilassung wäre für die sie «ein moralischer Sieg» gewesen, sagen Experten.

Die Miliz hatte letzte Woche mit der Tötung des jordanischen Kampfpiloten und des ebenfalls entführten Japaners Kenji Goto gedroht, sollte die Regierung in Amman al-Rischawi nicht freilassen.

Pilot flog für Anti-IS-Allianz

Jordanien hatte als Vorbedingung für eine mögliche Freilassung der Irakerin Al-Rischawi ein Lebenszeichen des Piloten verlangt. Ein Austausch kam nicht zustande. Dann veröffentlichten die Dschihadisten am Samstag ein Video von der Enthauptung des Japaners.

Jordaniens König Abdullah II. deutete daraufhin am Wochenende an, im Austausch für den Piloten könne die Irakerin nun freikommen.

Doch am Dienstagabend tauchte ein Video im Internet auf, das al-Kassasbehs Ermordung zeigte – auf grausamste Weise verbrannten ihn die Dschihadisten bei lebendigem Leib.

Al-Kassasbeh war seit Dezember in der Gewalt der IS-Terroristen. Sein Flugzeug war über Syrien abgestürzt. Der 26-jährige Oberleutnant flog für die von den USA angeführte Anti-IS-Allianz. Laut dem jordanischen Fernsehen war der Pilot bereits vor einem Monat ermordet worden.

Ruf nach Vergeltung ist menschlich

Die Hinrichtung der Dschihadisten in Jordanien hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck warnte vor einem Vorgehen nach dem Auge-um-Auge-Prinzip. Er könne den Ruf nach Vergeltung menschlich verstehen, politisch aber nur ablehnen.

Der israelische Aussen-Minister Avigdor Lieberman hingegen lobte den jordanischen König. Terror könne nicht mit Worten und Erklärungen bekämpft werden – sondern nur mit harten Massnahmen. Terroristen müssten ausgerottet werden.

Jordaniens König bricht Washington-Reise ab

Auch Iran verurteilt den Mord am jordanischen Piloten aufs Schärfste. Aussenminister Aussenamtssprecherin Marsieh Afcham sagte: «Dieser brutale Mord hat weder etwas mit dem Islam noch mit Menschlichkeit zu tun.» Diese Tat mache die Zusammenarbeit aller Staaten im Kampf gegen den IS mehr denn je notwendig, so Afcham.

In Washington verurteilt auch US-Präsident Barack Obama die IS-Terrormiliz. Sie sei eine «bösartige und barbarische Organisation». Die Ermordung des Piloten werde die Bemühungen des Anti-IS-Bündnisses nur verdoppeln, so Obama. Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Mord am Piloten scharf.

Obama wollte am Dienstagabend zusammen mit Vizepräsident Joe Biden den jordanischen König Abdullah II. in Washington empfangen. Der König brach den Besuch vorzeitig ab. Er ist unterdessen nach Jordanien zurückgekehrt.

Frühere Tötungen von Geiseln

Pakistan,
Februar 2002
Dem amerikanischen Journalisten Daniel Pearl wird laut «Washington Post» vor laufender Kamera die Kehle durchgeschnitten.
Irak,
April 2004
Islamisten erschiessen den Italiener Fabrizio Quattrocchi. Ein Film über den Mord wird ins Internet gestellt.

Irak,
Mai 2004
Der US-Unternehmer Nicholas Berg wird enthauptet. Das Video der Tat trägt den Titel «Abu Mussab al-Sarkawi schlachtet einen Amerikaner».

Saudi-Arabien,
Juni 2004
Ein Film zeigt, wie der entführte US-Bürger Paul Johnson durch Al-Kaida-nahe Terroristen enthauptet wird.

Irak,
Oktober 2004
Der britische Ingenieur Kenneth Bigley wird vor laufender Kamera enthauptet.
Irak,
November 2004
Ein Video zeigt, wie die muslimische Britin Margaret Hassan erschossen wird
Pakistan,
Februar 2009
Extremisten filmen die Hinrichtung eines polnischen Ingenieurs.

Syrien,
Juni 2013
Der syrisch-katholische Mönch François Mourad wird von Islamisten enthauptet. Medien berichteten damals, mehrere Menschen seien um das Opfer herum gestanden und hätten die Bluttat mit Handys gefilmt.

Syrien,
November 2013
Die Terrorgruppe IS warnt die Bevölkerung Aleppos vor einer Unterstützung des Assad-Regimes. In einem Film wird der Kopf eines angeblichen Assad-Anhängers durch die Strasse getragen.

Irak,
Juli 2014
IS-Terroristen filmen, wie Dutzende Iraker erschossen werden. Laut «Spiegel» behaupten die Terroristen, die Opfer hätten für Iraks Armee gekämpft.

Syrien (vermutlich),
August 2014
Ein Film zeigt die Hinrichtung des US-Journalisten James Foley. Im Abstand weniger Wochen tötet der selbe Mörder den US-Journalisten Steven Sotloff sowie die britischen Entwicklungshelfer David Haines und Alan Henning.

Syrien,
November 2014
Ein Video der IS-Milizen zeigt den getöteten US-Entwicklungshelfer Peter Kassig.

Syrien,
Januar 2015
Innerhalb einer Woche enthaupten Terroristen die in Syrien entführten japanischen Journalisten Haruna Yukawa und Kenji Goto. Ein IS-Kämpfer kündigt in einem Video weitere Massaker an.

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29 Kommentare

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  • Kommentar von R. Bünzli, Bern
    Am Schlimmsten ist es doch wieder, dass das eigene jordanische Volk; d.h. die extremeren Moslime wieder auf die Barrikaden gegen die eigenen Regierung gehen, obwohl der IS Gräueltaten übelsten Ausmasses am jordanischen Volk ausübt.
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  • Kommentar von T. Steiner, Ennetmoos
    Schlimm ist der Terrortourismus. Viele Gräueltaten werden von sogenannt integrierten in Europa lebenden jungen Männern mindestens unterstützt. Der Hang zu Gewalt hat doch nichts mit Religion zu tun: Schwarzer Block, Fussballhooligans etc. Man(n) ist schnell gewaltbereit.
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  • Kommentar von D. Becker, Gebenstorf
    Herr Kerzenmacher macht es sich sehr einfach mit seiner Sicht des Schiiten-Sunniten-Konflikts. Die USA haben nach Saddam einen korrupten Schiiten an die Macht gebracht, der vorher unter Saddam gedient hatte und nun die Sunniten unterdrückt. Gleichzeitig haben die USA die Armee heimgeschickt, da in ihren Augen nicht vertrauenswürdig. Bewaffnet, aber unbezahlt müssen sie trotzdem ihre Familien durchbringen, wem dienen sie sich wohl an? Wir können fliegen und schwimmen, aber nicht wie Brüder leben!
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