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International Manning vom schwersten Anklagepunkt freigesprochen

Der Wikileaks-Informant Bradley Manning ist von einem US-Militärgericht in 19 von 21 Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Freigesprochen wurde der Obergefreite von der Richterin jedoch vom Vorwurf der «Unterstützung des Feindes» – dem schwersten Anklagepunkt.

Legende: Video Manning ist schuldig, teilweise abspielen. Laufzeit 1:28 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 30.07.2013.

Ein US-Militärgericht in Fort Meade bei Washington urteilte, der 25-jährige Soldat sei nicht der «Unterstützung des Feindes» schuldig. Eine Verurteilung in diesem Punkt hätte eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne Bewährung zur Folge gehabt. Manning war in 21 Punkten angeklagt und hatte sich in einigen weniger schweren Punkten schuldig bekannt. Er hat gestanden, als im Irak stationierter Soldat im Jahr 2010, Hunderttausende geheime Dokumente aus Armeedatenbanken an Wikileaks weitergereicht zu haben. Er habe dabei aber keine bösen Absichten gehabt.

Bin Laden besass Wiki-Daten

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ist Manning ein Verräter, der den USA durch seine Enthüllungen Schaden zufügen wollte. Er habe auch um den Wert der an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergereichten Dokumente für den Feind gewusst, heisst es. Unter anderem seien die von Manning weitergegebenen Dokumente auf dem Computer des getöteten Terrorchefs Osama bin Laden gefunden worden.

Zudem soll Manning aus Eigennutz gehandelt haben, um die Gunst von Wikileaks und dessen Chef Julian Assange zu gewinnen, hatte Staatsanwalt Ashden Fein in seinem Schlussplädoyer argumentiert.

«Idealist und Held»

Verteidiger David Coombs porträtierte den Angeklagten dagegen als naiven Idealisten, der die Öffentlichkeit über den Krieg und Kriegsgräuel informieren wollte, um Menschenleben zu retten.

Die Verteidiger hatten im Militärprozess immer wieder versucht, das drohende Strafmass für den Obergefreiten zu verringern. Dieser hatte sich in den minder schweren Anklagepunkten für schuldig bekannt und damit bereits in Kauf genommen, dass er bei einer Verurteilung hinter Gitter kommt. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten vergangene Woche stundenlange Schlussplädoyers gehalten.

Wikileaks-Chef Assange sagte dem TV-Sender CNN in einem Interview: «Bradley Manning ist ein Held.» Sein Handeln habe niemandem geschadet. Der Prozess sei Teil «des Krieges gegen investigativen Journalismus», den die USA führe.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Susanne Lüscher, 9200 Gossau
    Das Traurige an der Geschichte ist, dass die Soldaten, welche auf einem der veröffentlichten Videos zu sehen sind, wie Sie Zivilisten ermorden frei und unbescholten davon kommen. Dieser Fall hier wie auch Snowden's lassen eine erschreckende Tendenz erkennen. Die höchsten Politiker sind nicht bereit Fehler zu korrigieren und wissen scheinbar nicht mehr, dass vor einem Urteil die Unschuldsvermutung gilt - Obama betitelte Manning und Snowden als Verräter.
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  • Kommentar von Adrian Flükiger, Bern
    Wenn er nicht doch noch zu 1'000 Jahren Knast verurteilt wird (seit letzter Woche weiss man ja was bei den Amis alles möglich ist), besteht in 20 bis 30 Jahren eventuell doch noch die Möglichkeit die Story etwas zu versilbern - um etwas Anderes ist es ihm und dem Hausknasti in London ja auch nicht gegangen.
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  • Kommentar von K.raymond, Muri
    Wer Skandale aufdeckt wird bestraft. Dies auch in der Schweiz. Wir haben es weit gebracht. Eine Schande für die Ehrlichkeit.
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