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Wahl in Frankreich Marine Le Pen – Ikone der Frauenbewegung?

Die FN-Chefin will erste Präsidentin Frankreichs werden. Die Begeisterung unter Feministinnen hält sich in Grenzen.

Legende: Audio Marine le Pen und die Feministinnen abspielen. Laufzeit 5:17 Minuten.
5:17 min, aus Echo der Zeit vom 27.02.2017.

Glaubt man den Umfragen, hat Marine Le Pen reelle Chancen, Frankreichs erste Präsidentin zu werden. Dass die Rechtspopulistin zur Galionsfigur der feministischen Bewegung wird, ist jedoch unwahrscheinlich: Am vergangenen Donnerstag sprengte eine Femen-Aktivistin eine Wahlkampfveranstaltung von Le Pen, und bezeichnete die Front-National-Chefin lautstark als «fiktive Feministin».

Die Journalistin Tanja Kuchenbecker lebt seit 26 Jahren in Paris, vor kurzem hat sie eine Biographie über Marine Le Pen veröffentlicht. Dem Urteil der Femen-Aktivistin schliesst auch sie sich an. Nichtsdestotrotz: Marine Le Pen pflegt ihr Image als moderne, selbstbestimmte Frau.

Legende: Video «Femen» macht mobil gegen Le Pen abspielen. Laufzeit 0:15 Minuten.
Aus News-Clip vom 27.02.2017.

Le Pen ist Chefin einer äusserst erfolgreichen Partei, die sie aus der rechten Schmuddelecke führen will; die alte Garde des Front National – weisse Männer mit «klaren Positionen» in Migrationsfragen – hat sie erfolgreich verdrängt; ihre Kinder hat Le Pen alleine grossgezogen und auch finanziell ist sie autonom.

«Marine Le Pen entspricht mit ihrem Werdegang tatsächlich dem Bild einer typischen, starken Französin», sagt Kuchenbecker. Bei näherer Betrachtung erhält das Bild aber Risse.

  • Die Self-Made-Woman

So ortet die Frankreich-Kennerin Widersprüche – allem voran zwischen Le Pens Vita und der Parteidoktrin: «In der Parteiideologie kann sie das Bild einer [Vorkämpferin für Frauenrechte] nicht unterbringen.» Strategisch gehe sie aber durchaus versiert vor: «Le Pen schafft es besser als ihr Vater, ihre konservativen Ideen zu verpacken.» Offiziell werbe sie etwa dafür, dass beide Elternteile frei zwischen Beruf und Familie wählen dürfen. Wie weit es damit her ist, sei aber fraglich, findet Kuchenbecker: «In vielen Interviews empfiehlt Le Pen den Müttern doch wieder, zuhause zu bleiben.»

Marine Le Pen
Legende: In Frankreich ist Politik eine Männerdomäne. Dass ausgerechnet Le Pen den Betrieb aufmischt, gefällt nicht allen Frauen. Reuters
  • Vorkämpferin gegen Frauengewalt

Nach der Kölner Silvesternacht verurteilte Marine Le Pen die Übergriffe auf Frauen scharf. So weit, so erwartbar. Überraschender war indes, in welches Kleid sie ihre Kritik hüllte: Le Pen zitierte die berühmte französische Schriftstellerin und Philosophin Simone de Beauvoir: «Vergesst nie, dass eine politische, wirtschaftliche oder religiöse Krise genügt, um die Rechte der Frauen infrage zu stellen.» Die geistige Verschwesterung mit der verstorbenen Feministin erzürnte Frankreichs Frauenrechtlerinnen, berichtet Kuchenbecker: Denn damit habe Le Pen die Ikone Frauenbewegung für die migrationskritische Botschaft des FN missbraucht.

«Masseneinwanderung wirft Frauen Jahrhunderte zurück»

  • Kopftuch – Nein danke!

Für einen medienwirksamen Eklat sorgte Marine Le Pen letzte Woche bei ihrem Besuch im Libanon. Dort reichte ihr ein Mitarbeiter des sunnitischen Grossmuftis ein Kopftuch. Le Pen lehnte dankend ab: «Ich werde mich nicht verschleiern». Das Treffen mit dem führenden muslimischen Geistlichen platzte. Die Mobilmachung gegen die «Islamisierung des Abendlandes» gehört zur DNA des Front National. Entsprechend blieb auch diesmal der Applaus der Frauenrechtlerinnen aus: «Von ihrer eigenen Partei wurde sie aber als Feministin gelobt», sagt Kuchenbecker. Andere politische Kreise hätten die Geste aber eher als islamophoben Akt gewertet.

Le Pen in Beirut, vor ihr hält ein Mann ein Kopftuch in die Höhe.
Legende: Wie Alice Schwarzer? Auch die deutsche Feministin lehnt das Kopftuch ab. Le Pens Motive dürften «komplexer» sein. Keystone

Zweifel an der feministischen Integrität

Kuchenbecker sieht in der Präsidentschaftskandidatin denn auch keine Bilderbuch-Feministin. Denn ein anderer Schleier fällt bereits mit Blick auf das Parteiprogramm des Front National: «Es enthält nichts, was in Richtung Feminismus geht.» Der Front National erwähne mit keiner Silbe Anliegen wie Emanzipation oder Frauenquoten: «Das Parteiprogramm ist viel eher dazu abgerichtet, die Geburtenrate in Frankreich zu erhöhen.»

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30 Kommentare

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  • Kommentar von D. Schmidel (D. Schmidel)
    Le Pen hat meine volle Unterstützung und das hat nichts mit den rechtsextremen verdummten Glatzköpfen zu tun. Auch ich bin für stabile demokratische Nationalstaaten in Europa. Sie sind Garant für Stabilität und Frieden in Europa.
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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Die Ablehnung von Le Pen ist mE richtig und das Zitat von de Beauvoir noch immer aktuell, zumal seit Menschengedenken fast in allen Kulturen der Mann über die Frau bestimmt. Gerade deshalb sollten wir auch hier keine Rückschritte mehr dulden! Vorab optische Abgrenzungsdemos, deren Botschaft für Unverhüllte - ob gezielt od.gedankenlos - ganz einfach herabwürdigend ist. Wir Frauen haben uns doch nicht in Jh religiöse Zwangsjacken vom Hals geschafft, um die nun wieder gesellschaftsfähig zu machen!
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  • Kommentar von Urs Heim (Ursus)
    Eine Frau an der Spitze Frankreichs wäre an sich auch für die Grande Nation wünschenswert, aber nicht um den Preis das der FN an die Macht kommt. Eine Abspaltung Frankreichs von der europäischen Union käme einer Zerstörung des Staatenbundes gleich und kann in Anbetracht der aktuellen US-Regierung als Gefahr für den Frieden gesehen werden.
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    1. Antwort von Markus Guggisberg (gugmar)
      @Urs Heim: Die EU ist keine Staatenbund. Die EU ist Hegemon und nichts anderes als verklausulierte Diktatur unter der Fuchtel von D. Die EU ist die Ursache der Kriege in Europa. Also, was wollen Sie ? Nationaler Frieden und Eintracht oder zentralistische Diktatur ? Ist doch klar oder ?
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Haben denn alle die sozialistischen Regierungen in Frankreich in allen den vergangenen Jahren das Land vorwärts gebracht? Und bester Beweis, dass so riesige "Staatenbündnisse" mit einer Machtzentrale schon früher von Napoleon, noch früher durch die Römer angestrebt, auf Dauer noch nie funktioniert haben. Leidtragende/Verlierer immer das gemeine Volk war. Deshalb dann auch die Revolution in Frankreich. Mit Le Pen & Co. wird jetzt einfach durch Worte Revolution dagegen gemacht.
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