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Anschlag vor Londoner Moschee «Medien schüren Misstrauen gegenüber Muslimen»

Auch nach mehreren terroristischen Anschlägen sind die Briten nicht islamfeindlicher geworden. Die Zunahme an Meldungen von Übergriffen auf Muslime sei wahrnehmungsbedingt, sagt SRF-Korrespondent Martin Alioth.

Martin Alioth
Legende: Der Grossbritannien- und Irland-Korrespondent Martin Alioth lebt seit 1984 in Irland. SRF

SRF News: In Grossbritannien kam es nach dem Brexit-Entscheid vermehrt zu Übergriffen auf Ausländer, etwa auf Osteuropäer. Gibt es organisierte Gruppen, die spezifisch islamophob sind und handeln?

Martin Alioth: Am extrem rechten Rand des Spektrums gibt es die. Aber die sind politisch im Abseits, sie stellen eine verschwindende Minderheit dar.

Die fremdenfeindliche Ukip-Partei hat vor zwei Jahren fast vier Millionen Stimmen erhalten. Vor zehn Tagen waren es nur noch knapp 600‘000.

Wie muslimfeindlich ist die Bevölkerung nach den jüngsten Anschlägen?

Das ist schwer zu sagen. Wir blicken zurück auf vier Monate mit insgesamt vier Terroranschlägen, drei islamistischen und einem anti-muslimischen. Gewisse Boulevardblätter und soziale Medien schüren das Misstrauen gegenüber Muslimen schlechthin. Und vergessen wir nicht, dass die fremdenfeindliche Ukip-Partei vor zwei Jahren fast vier Millionen Stimmen erhalten hat. Vor zehn Tagen bei den Neuwahlen waren es nur noch knapp 600‘000. Es gibt Statistiken über Übergriffe oder Beschimpfungen gegen Muslime. Sie verzeichnen nach Anschlägen Zunahmen. Aber ich persönlich bin sehr skeptisch gegenüber diesen Zahlen. Es sind derartig viele Wahrnehmungsfilter eingebaut, dass wegen zusätzlicher Berichterstattung fast zwangsläufig eine Zunahme festgestellt wird.

Oppositionspolitiker Jeremy Corbyn möchte in der vom jüngsten Anschlag betroffenen Moschee beten gehen, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Was macht Theresa May?

Fairerweise muss man sagen, dass Corbyn an derselben Strasse wohnt, an der das muslimische Gemeindezentrum, das attackiert wurde, liegt. Er kennt die Beteiligten persönlich. Er ist der Unterhausabgeordnete dieses Wahlkreises und hat deshalb einen grossen Teil der Nacht dort am Schauplatz verbracht. Theresa May leitet hingegen eine Sitzung des Krisenstabs Cobra. Aber wir wissen, sie ist nicht die natürlichste Person für spontane und teilnahmsvolle Begegnungen. Wir haben es letzte Woche bei dem verheerenden Brand in Kensington gesehen.

Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Grossrieder (View)
    Mich wuerde eigentlich auch die Statistik von Uebergriffen und Beschimpfungen von Muslimen gegen anders Gläubige (auch Ungläubige genannt), interessieren. Ich kann mich nicht erinnern je solche nach einem IS Anschlag gelesen zu haben. Ich darf annehmen, dass solche Statistiken auch genommen werden, allein zum Vergleich; aber auch aus Fairness Gruenden.
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    1. Antwort von Niklaus Bächler (quod erat demonstrandum)
      Leider bezeichnen Christen andere auch als Ungläubige! Man sollte immer zuerst vor der eigenen Türe wischen. Übrigens ist das alte Testament voll von Gewalt und Anleitungen dazu! Darin steht die Bibel dem Koran in nichts nach! Haben sie sich einmal gefragt wie viele Menschen ihr Leben lassen mussten weil Christen gewaltsam ganze Völker unterjocht haben? Wer spricht darüber?Fazit: Hören wir endlich damit auf, andere der Untaten zu bezichtigen und beginnen das gegenseitige Verständnis zu schulen!
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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Unschuldige Menschen umzubringen ist immer ein Verbrechen, sei es durch Muslime, sei es durch Christen, sei es durch Religionslose.
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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Hätten die Briten beizeiten Grenzen gesetzt, bräuchten sie sich nicht vor der realen Terror-Gefahr zu fürchten. Wenn sogar der Erzbischof von Canterbury der Scharia für Muslime zustimmt, stimmt doch die Ausländerpolitik in diesem Land nicht. Die Zeiten sind vorbei, in denen Leute aus den ehemaligen Kolonien der Bildung und Kultur wegen nach England gekommen sind. Heute ist es umgekehrt. Von den Briten wird erwartet, dass sie sich der Kultur der Einwanderer anpassen.
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