Medien zeigen kein Mitleid mit Blatter

Ein Mann hält die Zeitungskommentatoren während Tagen auf Trab: Der Rücktritt von Fifa-Präsident Sepp Blatter wird in der Schweizer Presse als überfällig und überraschend gewertet. Auch die internationale Presse sieht das so.

Collage von mehreren Artikeln über Sepp Blatter

Bildlegende: Fifa und Blatter: Diese zwei Worte füllen seit Tagen die Newsportale und Zeitungen. SRF

Pressestimmen zu Blatters Rücktritts-Ankündigung:

  • «Nordwestschweiz»: «Es ist ein überraschender Abgang, den niemand erwartet hat. Die Einsicht spricht für Blatter. Aber wenn es ihm wirklich um die Fifa und die Fussballwelt gegangen wäre, hätte er sein Amt vor der Wiederwahl niedergelegt. Dann hätte er auf diese letzte One-Man-Show verzichtet.»
  • «NZZ»: «Die Zeit für einen Rücktritt wäre schon zum Ende seiner letzten Amtszeit als Präsident reif gewesen», schreibt auch die «Neue Zürcher Zeitung». Zuletzt sei Blatter «eine Belastung für die Institution» gewesen.
  • «St. Galler Tagblatt»: «Keine Sportorganisation kämpft mit einem derart schlechten Image wie die Fifa. Sepp Blatter, der 18 Jahre Präsident und zuvor ebenso lang Generalsekretär war, trug dafür die Hauptverantwortung.»
  • «Süddostschweiz»: «Den berühmten Tropfen, der das Fass überlaufen liess, war wohl der dringende Verdacht gegen seinen Generalsekretär Jérôme Valcke, Schmiergelder bezahlt zu haben. Blatter selbst muss nun den heissen Atem der Strafverfolgung im Nacken gespürt haben.»
  • «New York Times»: «Die amerikanische Zeitung bringt einen weiteren möglichen Grund für Blatters Rücktritt ins Spiel. «Hatten die grossen Sponsoren am Ende - zwar verspätet - eine Macht, die noch grösser war als jene von Blatter selbst?»
  • «The Times»: «Sepp Blatters Rücktritt war längst überfällig. Es ist gut, dass er geht. Die Beweise der US-Ermittlern scheinen zu bestätigen, dass die Fifa durch und durch verdorben war, und von einem Klüngel in einer Fünf-Sterne-Welt unter der nachsichtigen Aufsicht Blatters geführt wurde. Die Fifa muss nun einen unwahrscheinlich anmutenden Prozess einleiten, um einen ehrlichen Führer zu suchen.»
  • «Le Temps»: Der Fifa-Präsident «wusste, dass diese Affäre seine fünfte Amtszeit vergiften wird», schreibt die Westschweizer Zeitung. Sie wertet den Rücktritt als Schuldbekenntnis. In die gleiche Kerbe schlagen auch die Zeitungen «L'Impartial» und
  • «L'Express»: Blatter «konnte nicht mehr ignorieren, was um ihn herum geschah und war dabei möglicherweise gar eine der Hauptfiguren».
  • «Neue Luzerner Zeitung»: «Ohne massiven Druck von aussen wirkt der Zeitpunkt von Blatters Ankündigung, so kurz nach seiner Wahl, jedenfalls kaum nachvollziehbar.»
  • «Basler Zeitung»: «Blatters Rücktritt ist kein Zeichen der Stärke. Er ist auch nicht mutig, nur feige». «Die noch grösseren Verlierer sind aber die Vertreter jener Kontinentalverbände zwischen Asien, Südamerika und Afrika, die Blatter am Freitag wählten und ihn mit Rosenblättern bewarfen. Sie liefen einem Heuchler hinterher.»
  • «Berner Zeitung»: Blatter habe vielleicht deshalb nicht auf eine Wiederwahl verzichtet, «weil ihm bewusst gewesen ist, dass der einzige verbliebene Gegenkandidat, der blasse Prinz Ali bin-al Hussein aus dem Fussballentwicklungsland Jordanien, nie und nimmer das Format zum FIFA-Präsidenten mitbringen würde. Und schon gar nicht die Kraft hätte, die überfälligen Reformen im Verband durchzusetzen», mutmasst die Zeitung.
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Reaktionen auf Blatters Rücktritt

3:21 min, aus 10vor10 vom 2.6.2015