MH17: Weitere sterbliche Überreste in die Niederlande überführt

Nur ein Fünftel der Absturzstelle konnte bisher systematisch nach weiteren Opfern abgesucht werden. Grund dafür sind die immer wieder aufflammenden Gefechte.

Soldaten tragen einen Sarg auf ihren Schultern.

Bildlegende: Der Sarg mit den sterblichen Überresten wurde in Eindhoven von einer Ehrenkompanie in Empfang genommen. Keystone

Angehörige von Opfern der Flugzeugkatastrophe in der Ostukraine haben am Montag die Ankunft weiterer sterblicher Überreste in den Niederlanden begleitet. Etwa 250 Menschen ehrten die Toten auf dem Flugplatz von Eindhoven mit einer Schweigeminute. Auch zwei Minister der Regierung nahmen an der Zeremonie teil.

An Bord des Flugzeugs war allerdings nur noch ein Sarg. Darin hätten sich sterbliche Überreste befunden, die bei der Suche im Absturzgebiet während der letzten drei Tage gefunden worden seien, berichtete der niederländische Fernsehsender NOS.

Bis Ende Juli waren mit vier Flügen insgesamt 227 Särge aus der Ukraine in die Niederlande gebracht worden, wo sie von Tausenden trauernden Menschen empfangen wurden. In den Niederlanden laufen die zentralen Ermittlungen zu dem mutmasslichen Abschuss der malaysischen Boeing am 17. Juli, weil die weitaus meisten der insgesamt 298 Opfer Niederländer waren.

Suche an Absturzstelle erneut eingestellt

Die Ukraine und pro-russischen Rebellen im Osten des Landes werfen sich gegenseitig vor, die Boeing abgeschossen zu haben. Im Absturzgebiet bei Gabrowo suchen internationale Helfer weiterhin nach Leichenteilen sowie persönlichen Gegenständen, sofern die Gefechtslage es zulässt.

Die Separatisten in der Ukraine warfen der Armee vor, eine Waffenruhe am Absturzort des malaysischen Passagierflugzeugs nicht einzuhalten. Wegen Granateneinschlags hätten 124 internationale Experten die Untersuchung des Trümmerfelds bei Grabowo abbrechen müssen, teilten die pro-russischen Aufständischen mit.

Die Rettungskräfte suchen nach Leichenteilen sowie persönlichen Gegenständen der 298 Opfer. Die Helfer gehen von mehrwöchigen Arbeiten aus. Bisher sei erst eine von fünf Zonen im Gebiet abgesucht worden, sagte ein Sprecher.

Deserteure oder verirrte Armeeangehörige?

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Verwirrung um ukrainische Soldaten

1:35 min, aus Tagesschau vom 4.8.2014

Bei schweren Gefechten mit Separatisten gelangten hunderte ukrainische Soldaten auf russisches Gebiet. Die Führung in Kiew sprach von einem «taktischen Manöver», russische Behörden von Fahnenflucht.

Ein Grossteil der 438 Soldaten wolle vorerst in Russland bleiben, sagte Wassili Malajew vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB. Dies wies die Ukraine mit Nachdruck zurück. Die Einheit sei nur ausgewichen, sagte Sprecher Alexej Dmitraschkowski.

Fluchtkorridore für Zivilisten

In den ostukrainischen Gebieten Lugansk und Donezk dauerten die Gefechte der Regierungskräfte mit militanten Gruppen unvermindert an. In Lugansk seien durch Artilleriebeschuss die Wasser- und Stromversorgung sowie das Telefonnetz zusammengebrochen, teilte die Verwaltung der Grossstadt mit.

Grosse Versorgungsprobleme gab es auch in der 150 Kilometer südwestlich gelegenen Grossstadt Donezk. Regierungstruppen legten in der Kampfzone Fluchtkorridore für Zivilisten an. Das Feuer werde dort täglich für mehrere Stunden eingestellt, sagte ein Militärsprecher.

Rebellen immer weiter zurückgedrängt

Unterdessen geht der Krieg auch an der Propagandafront weiter. So soll die ukrainische Armee nach russischen Angaben Kurzstreckenraketen und Raketenwerfer in die Umgebung der Industriestadt Donezk verlegt haben.

Donezk zählt neben Luhansk zu den verbleibenden Hochburgen der Separatisten im Osten der Ukraine. In den vergangenen Tagen gelang es den ukrainischen Streitkräften, die Rebellen immer weiter zurückzudrängen.

Druck auf die Schweiz

Deutschland drängt darauf, dass sich weitere Nicht-EU-Staaten den Sanktionen gegen Russland anschliessen, darunter auch die Schweiz. Der CDU-Vorsitzende Michael Fuchs übte bereits Kritik: «Da die Schweiz in hohem Masse von der EU profitiert, wäre es ein Zeichen der Solidarität, wenn sie sich auch den Sanktionen gegen Russland anschliessen würde.»