Mit der Nato geht das Geld

Ende Jahr beendet die Nato ihren Kampfeinsatz in Afghanistan nach rund 13 Jahren. Wenn die Soldaten gehen, werden auch die Hilfsgelder schwinden, warnen Experten. Für ein Land, das in den letzten Jahren zu zwei Dritteln vom Ausland finanziert wurde, ist das fatal.

Britische Nato-Soldaten holen ihre Flagge in der afghanischen Provinz Helmland ein.

Bildlegende: Am 31. Dezember ziehen sich die Nato-Truppen nach 13 Jahren aus Afghanistan zurück. Keystone

Ende Jahr ziehen die Kampftruppen der Nato aus Afghanistan ab, bald auch die restlichen Kontingente. Das Land wird dann in punkto Sicherheit auf sich allein gestellt sein. Wirtschaftlich will ihm der Westen hingegen weiter beistehen. Das hat die Internationale Gemeinschaft zumindest an der Afghanistan-Konferenz in London versichert. Doch ob den grossen Worten Taten folgen werden, daran gibt es grosse Zweifel.

Ziel der Londoner Konferenz war es, die Partnerschaft zwischen dem Westen und Afghanistan zu bekräftigen, und zwar über den Tag des Nato-Truppenabzugs hinaus. Dafür versprach der neue afghanische Präsident Ashraf Ghani: «Wir sind entschlossen, anders zu handeln.» Er wolle endlich ernsthaft angehen, was sein Vorgänger Hamid Karzai versäumt habe, nämlich die Korruption zu bekämpfen und einen funktionierenden Staat aufzubauen. Allerdings hat Ghani es bisher noch nicht einmal geschafft, eine Regierung zu bilden.

Keine konkreten Zusagen

Die westlichen Staaten sagten Afghanistan, das seit mehr als drei Jahrzehnten unter Kriegen und Terror leidet, ihrerseits zu, weiter an seiner Seite zu stehen. Stellvertretend für viele Grossbritanniens Premier David Cameron: «Unsere Nachricht heute ist einfach: Wir werden euch beistehen bei jedem Schritt auf dem Weg.»

Doch konkrete Zusagen gab es praktisch keine. Das ist dramatisch für ein Land, dessen Haushalt zu zwei Dritteln auf ausländischer Hilfe gründet und dessen Streitkräfte vollumfänglich vom Westen, vor allem von den USA bezahlt werden. Auch die bisher sehr aktiven privaten Hilfswerke klagen bereits, ihre Tätigkeit in Afghanistan werde wegen des Nato-Abzugs immer riskanter und die Spenden flössen spärlicher.

Versiegen der Geldflüsse

Sobald die Nato weg ist, dürfte das Land auch aus den Schlagzeilen verschwinden. Grosse westliche Medien werden ihre Kabuler Büros schliessen. Und China, das sich als neuer Partner andient, hat weniger Hilfe für Afghanistan im Sinn als den Zugriff auf dessen Rohstoffe.

Rund eine Billion Franken Hilfe floss in den vergangenen zehn Jahren ins Land. Das sind gut 30‘000 Franken pro Kopf und damit mehr als für jedes andere Land der Welt. Trotz wortreicher Solidaritätsbeteuerungen in London dürfte dieser Geldfluss nun erheblich schmaler werden. Afghanistan droht, sehr bald schon von der Welt vergessen zu werden.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Der neue afghanische Präsident Ashraf Ghani kurz vor der Amtseinführung in Kabul.

    Erste friedliche Machtübergabe in Afghanistan

    Aus Echo der Zeit vom 29.9.2014

    Präsident Hamid Karzai übergibt in Kabul das Zepter an Ashraf Ghani; dieser soll Afghanistan zusammen mit Abdullah Abdullah in einer Koalition regieren. Ghani hat bereits angekündigt, das Sicherheitsabkommen mit den USA unterzeichnen zu wollen.

    Dies würde die weitere Unterstützung der afghanischen Armee durch internationale Truppen ermöglichen.

    Sandra Petersmann

  • Die Nato zieht Bilanz über ihren Einsatz in Afghanistan.

    Die Nato und Afghanistan

    Aus Echo der Zeit vom 4.9.2014

    Nato-Generalsekretär Rasmussen bekräftigt die Bereitschaft der Nato zu weiterem militärischem Einsatz in Afghanistan. «Auch wenn unser Kampfeinsatz zum Jahresende ausläuft, wird Afghanistan noch weiter Unterstützung brauchen», sagt er.

    Ein Abkommen mit Afghanistan kann allerdings erst vereinbart werden, wenn das Land einen rechtmässigen Präsidenten hat.

    Fredy Gsteiger

  • Drogenland Afghanistan

    Aus 10vor10 vom 26.6.2014

    Zum Weltdrogentag hat die Uno den neuen Weltdrogenbericht veröffentlicht. Er dokumentiert beunruhigende Entwicklungen, etwa aus Afghanistan. Dort hat die Opiumproduktion weiter zugenommen. Mittlerweile kommen 80 Prozent des weltweit angebauten Opiums aus dem armen Land. Und die Droge wird nicht nur exportiert, Afghanistan hat selbst ein gewaltiges Drogenproblem.