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Mittel in Versorgungskrise Venezuela will mehr Erdöl fördern

Leer so weit das Auge reicht: die Obst- und Gemüseregale in den Supermärkten dienen als Sitzbänke.
Legende: Leer so weit das Auge reicht: die Obst- und Gemüseregale in den Supermärkten dienen als Sitzbänke. Reuters
  • Im Kampf gegen die Hungerkrise und die zunehmenden Plünderungen setzt Venezuela auf seinen wichtigsten Bodenschatz: Das Land will mehr Erdöl gewinnen und exportieren.
  • Misswirtschaft und Inflation haben das Land in eine tiefe Krise gestürzt. Die Menschen leiden Hunger und sehen sich zunehmends zu Plünderungen gezwungen.
  • Staatspräsident Nicolás Maduro tut die Not als «Erfindung» ab.

«Wir sind wieder nah der Förderung von 1,9 Millionen Barrel pro Tag», sagte Ölminister Manuel Quevedo am Sonntag in Caracas. Ziel sei es, die Förderung wieder auf über zwei Millionen Barrel zu steigern. Über 90 Prozent der venezolanischen Exporteinnahmen kommen vom Erdöl.

Quevedo ist auch Chef des staatlichen Ölkonzerns PDVSA – Mit mehr Förderung und der Hoffnung auf steigende Ölpreise soll die tiefste Versorgungskrise in der Geschichte des südamerikanischen Landes gemeistert und die drohende Pleite abgewendet werden. In den ersten Wochen des neuen Jahres wurden über 100 Plünderungen gezählt.

Kampf gegen Hunger läuft aus dem Ruder

Am Wochenende eskalierte die Lage in der Stadt Calabozo im Bundesstaat Guárico, wo Hunderte Menschen dem Portal «El Nacional» zufolge 22 Läden stürmten und mit Reissäcken, Mehl und Toilettenpapier wieder hinausliefen – die Polizei setzte hier massiv Tränengas ein.

Bischof Antonio López Castillo forderte die Regierung zum Handeln auf: «Schluss mit dem Hunger.» Im Internet kursierte am Wochenende auch ein Video von Männern, die auf eine Ranch eindringen und im Kampf gegen Hunger eine Kuh mit Stöcken zu erschlagen versuchen. Anhänger der Sozialisten kommen hingegen in den Genuss subventionierter Lebensmittelpakete.

Staatspräsident Nicolás Maduro bezeichnet eine humanitäre Krise in Venezuela, dem Land mit den grössten Ölreserven der Welt als «Erfindung». Aber neben Misswirtschaft und Inflation machen es offensichtlich auch US-Finanzsanktionen gegen die Regierung schwieriger, im Ausland genug Lebensmittel und Medizin einzukaufen.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Josephk Ernstk (Joseph ernst)
    Ob die vorgesehene erhöhte Oelförderung die erwartete Verbesserung bringen wird, darf bezweifelt werden. Eine grosse verfügb. Oelmenge drückt den Preis und kann unter Umständen die missliche Lage nur noch verschärfen. Wie wird die USA reagieren ? Ihre Oelförderung (Fracking) ist bei billigem Oel unrentabel !
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  • Kommentar von u. Felber (Keule)
    Sozialistische Misswirtschaft in Reinkultur. Bitte liebe SP Wähler, hingucken und lernen!
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Das Resultat war auch für hiesige Linksliberale absehbar. Das Modell kann in keiner Volkswirtschaft funktionieren, die einerseits praktisch auf einen einzigen Rohstoff setzt und andererseits bereits historisch die Basis zur Korruption mitbringt. Wir haben hier andere Voraussetzungen. Unsere Quintessenz sollte sein, die Fehler zu erkennen und nicht nachzumachen, und das gilt für alle. Der Neoliberalismus ist ähnlich angelegt und führt über kurz oder lang zu ähnlichen Feudalverhältnissen.
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    2. Antwort von Marcel Halbeisen (BadTicket)
      Das Land nennt sich Sozialismus, ist aber eigentlich eine Diktatur. Und das wäre dann doch eher wieder die andere Seite.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Natürlich sind nun wieder nur die Amerikaner schuld und allem vorab natürlich Trump. Maduro ist ja so ein begabter Sozialist, der kann's ja nicht sein. - Ob Trump mit der Bezeichnung "Drecksloch" auch an Venezuela gedacht hat, bleibt wohl sein Geheimnis.
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Von Trump hat hier niemand etwas geschrieben; die Finanzsanktionen sind älter als DJT's Amtszeit. Unbestritten dürfte aber der US-Einfluss sein, der einerseits von der einseitig gelagerten Wirtschaftsstärke und andererseits von der seit Jahrzehnten existierenden Paranoia genährt wird. DJT's versuchte Einflussnahme beschränkt sich m.E. bislang auf die Ankündigung, NAFTA (zu dem Venezuela nicht gehört) neu verhandeln zu wollen.
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