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International Mittelmeerroute deutlich stärker befahren

Erneut ist vor der Küste Libyens ein Flüchtlingsboot gesunken – Dutzende von Menschen werden vermisst. In den ersten Monaten des Jahres 2016 hat die Zahl von Migranten, die mit Booten über das Mittelmeer nach Europa gelangen, deutlich zugenommen. Vor allem Italien spürt das.

Ein dunkelhäutiger Mann wird mit einer Seilwinde aus einem blauen Ozean in einen Helikopter gehievt. Das Bild wurde aus dem Helikopter geschossen, man sieht nur eine Hand, das Seil und weiter unten ein Mann, der daran hängt und nach oben in die Kamera blickt. Unter ihm das blaue Meer.
Legende: Ein Migrant eines gesunkenen Flüchtlingsbootes wird von der italienischen Küstenwache aus dem Mittelmeer gerettet. Reuters

Ein Boot mit 120 Flüchtlingen an Bord ist vor der libyschen Küste gesunken, teilt die Marine von Libyen mit. 32 Flüchtlinge konnten gerettet werden, Dutzende werden vermisst. Die Küstenwachen mehrerer Länder haben auf dem Mittelmeer zur Zeit wieder alle Hände voll zu tun – denn die Mittelmeer-Routen sind deutlich stärker befahren als vor einem Jahr.

Nach Angaben des UNO-Flüchtlingswerks UNHCR, Link öffnet in einem neuen Fenster hat sich die Zahl in Europa ankommender Flüchtlinge und Migranten via Mittelmeer von Januar bis März mehr als versiebenfacht.

Legende:
Gesamtzahl ankommender Flüchtlinge via Mittelmeer UNHCR

Deutliche Zunahme auch in Italien

Vor allem die italienische Marine ist zur Zeit im Dauereinsatz. Alleine am Mittwoch hat sie laut eigenen Angaben 1361 Migranten aus Booten und Gummibooten gerettet. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres haben mehr als 16'000 Migranten die gefährliche Überfahrt von Afrika nach Italien in Angriff genommen – das sind 6000 mehr als vor einem Jahr und die italienischen Behörden rechnen mit einem weiteren Anstieg im Verlauf der Sommermonate.

Legende:
Ankommende Flüchtlinge via Seeweg in Italien UNHCR

Neue Seerouten syrischer Flüchtlinge

Die ursprüngliche Balkan-Route über Serbien, Slowenien und Österreich ist gesperrt und Mazedonien hat seine Grenze zu Griechenland geschlossen. Mit dem Rahmenabkommen zwischen der EU und der Türkei werden Flüchtlinge, die von der Türkei nach Griechenland reisen, nun wieder zurückgeschafft.

Flüchtlinge aus dem arabischen Raum sehen sich deshalb nach Alternativen um, um nach Westeuropa zu gelangen. Laut Recherchen , Link öffnet in einem neuen Fensterder deutschen Zeitung «Frankfurter Allgemeine» bieten Schlepper vermehrt lange Mittelmeer-Überfahrten nach Italien an – von Athen oder gar von türkischen Orten wie Antalya oder Mersin aus. Die Fahrten werden mit Fischkuttern oder kleinen Handelsschiffen durchgeführt und pro Passagier werden 3000 bis 5000 Euro von den Schleppern verlangt.

Afrikaner nach wie vor in der Mehrzahl

Hauptverantwortlich für die steigende Zahl von ankommenden Migranten via Seeweg in Italien sind aber weiterhin Menschen aus West- und Nordafrika, wie aktuelle Erhebungen des UNHCR, Link öffnet in einem neuen Fenster zeigen. So finden sich unter den Top10 der Herkunftsländer aller ankommenden Migranten in Italien ausschliesslich afrikanische Länder.

Legende:
Top10-Nationalitäten ankommender Flüchtlinge in Italien via Seeweg UNHCR

6 Kommentare

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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    und trotzdem muss man wieder fragen, wo sind die NATO Schiffe, die gegen die Schlepper vorgehen sollten. Haben die sich aus Angst zurückgezogen, weil Erdogan gefordert hat, sie müssten entmilitarisiert werden.? Und Frontex ist gleich mit abgehauen? Also freie Fahrt für Gummiboote.
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  • Kommentar von Werner Christmann (chrischi1)
    Wird noch viel dicker kommen, denn momentan sind vornehmlich unsere afrikanischen Freunde auf dem Marsch. Und in Anbetracht dessen, dass sowohl Frankreich wie auch Österreich keine Lust auf Aufnahme mehr spüren dürfte wohl klar sein wer hier den schwarzen Peter zieht.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Schon wieder. Von rund 120 konnten also rund 90 Menschen ertrunken sein, bzw. sind es wahrscheinlich nun auch. Von wie vielen weiss man gar nicht, dass sie auf dem Meer ertrunken sind. - Superleistung diese Aufnahmepolitik, die Menschen geradewegs ins Verderben führt. Dass diese Leute Schlepper & Schleuser, und auch jene NGO's, die sich für die Asylaufnahme so stark machen, nicht schämen. Man sollte deren Handwerk als kriminell erklären und sie zur Verantwortung ziehen.
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