Auto rast in Menschengruppe Motivsuche nach Todesfahrt von Heidelberg

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Es geschah mitten in der Altstadt der Universitätsstadt

0:36 min, aus Tagesschau vom 25.2.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Autofahrer rast durch das Stadtzentrum von Heidelberg und reisst mehrere Passanten mit.
  • Ein 73-jähriger Fussgänger erliegt später im Spital seinen Verletzungen. Zwei weitere Personen wurden leicht verletzt und konnten das Spital wieder verlassen.
  • Der 35-jährige mutmassliche Todesfahrer soll in Untersuchungshaft kommen. Ihm wird Mord, Körperverletzung und versuchter Totschlag vorgeworfen.
  • Das Motiv des 35-jährigen ist unklar. Bislang hat er sich nicht zu den Vorwürfen geäussert.

Nach der Todesfahrt eines 35-jährigen Deutschen reagieren viele Heidelberger betroffen, aber ohne Angst. Stunden nach dem Vorfall wirkt die Szenerie gespenstisch. Das schwarze Auto steht mit offener Fahrertür und Heckklappe – von Scheinwerfern grell angeleuchtet – an einer steinernen Säule vor dem Eingang einer Bäckerei.

Davor dreht sich auf einem Dreibein langsam und geräuschlos ein Laserscanner, der für die Kriminaltechniker eine dreidimensionale Aufnahme des Tatorts macht. Hunderte Passanten warten auf Strassenbahnen und Busse, deren Verkehr zeitweise gestoppt wird. Hin und wieder huschen für den Fasching wild verkleidete junge Frauen und Männer vorbei.

«Heidelberg ist eigentlich friedlich. Es wirkt seltsam.»

Auf dem belebten Bismarckplatz, einem Knoten des öffentlichen Nahverkehrs am Rande der Heidelberger Altstadt, fährt ein 35-Jähriger am Nachmittag mit seinem Wagen auf den Fussweg und fährt drei Menschen um. Ein 73-Jähriger stirbt wenig später im Krankenhaus. Auch der mutmassliche Todesfahrer liegt schwer verletzt im Krankenhaus – Polizisten können den mit einem Messer bewaffneten Mann auf seiner Flucht nur mit einem Schuss stoppen.

Ein Student erlebt die dramatische Festnahme nicht weit vom Bismarckplatz entfernt ganz aus der Nähe mit. Er sei dort gerade in einem Fitnessstudio gewesen, als er den Einsatz unten auf der Strasse hörte. «Heidelberg ist eigentlich friedlich», sagt er dann. «Es wirkt seltsam.» Aber jeden Tag Angst zu haben, sei auch keine gute Lösung, meint er. Zumal die Hintergründe der Todesfahrt überhaupt noch nicht geklärt sind. Die Polizei sagt nach den ersten Ermittlungen, es gebe keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund.

«Man darf sich wegen solcher Ereignisse nicht verstecken»

Der 19 Jahre alte Schüler Elyas Elboazati, der auf dem Platz darauf wartet, dass die Strassenbahnen und Busse ihren Verkehr wieder aufnehmen, sieht das ähnlich. «Es ist ein flaues Gefühl. Aber man darf sich wegen solcher Ereignisse nicht verstecken», sagt er. Man solle überlegen, mit welchen Sicherheitsmassnahmen sich so etwas möglichst verhindern lasse.

Ein Ehepaar aus einem Nachbarort war an diesem sonnigen Samstag gleich mehrfach in unmittelbarer Nähe der Stelle, an der die Menschen angefahren wurden. «Da ist schon Unbehagen dabei», sagt die Frau und ihr Mann stimmt zu. Sie wirken von dem Geschehen berührt.

Haftbefehl erlassen

Der 35-jährige mutmassliche Todesfahrer soll in Untersuchungshaft kommen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Mord, Körperverletzung und versuchten Totschlag vor.

Bei dem Verdächtigen soll es sich um einen Studenten handeln, der in Heidelberg wohnt. Polizeilich sei er bislang nicht in Erscheinung getreten.