Nach Afghanistan-Abzug: Quo vadis, Nato?

Arbeitslos wird die Militärallianz auch nach dem Afghanistan-Engagement nicht. Nicht nur, weil dieses voraussichtlich nicht ganz endet, sondern auch, weil der Kernauftrag bleibt. Es gilt, mit weniger Mitteln die Nato-Mitglieder zu schützen.

Rasmussen hält eine Rede.

Bildlegende: Bereit, aber wofür? Nato-Generalsekretär Rasmussen will mit den Verbündeten offenbar neue Ziele anvisieren. Keystone/Archiv


Was will die Nato nach Afghanistan?

2:02 min, aus HeuteMorgen vom 23.10.2013

Weiter gehen jedenfalls auch die Einsätze in Kosovo und zur Pirateriebekämpfung vor Somalia. In Libyen kommt sogar eine Beratungsmission zum Aufbau moderner Streitkräfte hinzu. Und natürlich bleibt der Kernauftrag: Die Nato-Mitglieder schützen.

Und dennoch: Für die Nato stellt sich die Frage «Wie weiter nach Afghanistan?» Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen: Die künftige Nato sei eine Nato, die bestens vorbereitet sei auf alle Eventualitäten, mit gut ausgebildeten Truppen, gut gerüstet, aufs Engste vernetzt. Das wollen die Nato-Verteidigungsminister gewährleisten mit regelmässigen Grossmanövern zu Wasser, zu Land, in der Luft und nicht zuletzt im Cyberraum.

Weniger Geld zur Verfügung

Doch besonders ambitioniert klingt das mächtigste Verteidigungsbündnis der Welt damit nicht. Es sind bescheidene, unspektakuläre Ziele. Sie machen klar, dass die Nato künftig kleinere Brötchen bäckt. Für neue, heikle Grosseinsätze fehlt der politische Wille. Und angesichts von Budgetkürzungen fehlen zunehmend auch die militärischen Mittel.

Zumal man noch gar nicht weiss, wie die 28 Nato-Länder künftig enger zusammenarbeiten wollen, um aus weniger Geld mehr militärische Potenz herauszuholen. Ein entsprechender deutscher Vorschlag wurde zwar diskutiert, doch entscheiden mag man noch nicht. Was zeigt: Im Bündnis ist man sich weder darüber einig, welche Ziele man nach Afghanistan prioritär anstrebt, noch wie man sie erreichen will.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Computer-Terminals

    Problematische Nato-Doktrin zu Cyberwar

    Aus Echo der Zeit vom 19.10.2013

    Kriege werden längst nicht mehr nur mit Waffen, sondern auch mit Computern geführt. Deshalb hat die Nato ein Handbuch zur Cyber-Abwehr erstellt, das sogenannte "Tallinn-Manual".

    Der Inhalt ist problematisch: Ein Land darf sich auch mit militärischer Gewalt gegen Hackerattacken verteidigen - auch wenn es keine Toten oder physische Schäden gibt.

    Fredy Gsteiger

  • Cyber-Krieg: Die Schweiz will mit der Nato zusammenarbeiten

    Aus Echo der Zeit vom 29.8.2013

    Die Nato hat die Cyber-Verteidigung ganz oben auf ihre Prioritätenliste gesetzt. Nun will auch die Schweiz in Sachen Cyber-Abwehr mit der Militärallianz zusammenarbeiten. Konkrete Gespräche sind bereits für diesen Herbst geplant.

    Fredy Gsteiger

  • Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Treffen der Verteidigungsminister der Nato-Länder, am 5. Juni in Brüssel.

    Ernste Bedrohung: Die Nato im Cyber-Zeitalter

    Aus Echo der Zeit vom 5.6.2013

    Bis jetzt haben Cyber-Angriffe noch keine Menschenleben gefordert, aber in einem Punkt ist man sich an der Nato-Tagung in Brüssel einig: Sie gehören derzeit zu den grössten Bedrohungen weltweit. Dagegen will sich die Militärallianz wappnen - und sieht sich mit vielen offenen Fragen konfrontiert.

    Fredy Gsteiger