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International Neue Luftschläge, blutige Proteste

Im Kampf gegen die IS-Terrormiliz will Ankara keine Bodentruppen nach Syrien entsenden. Die Regierung will aber moderaten Rebellen im Assad-Staat Luftunterstützung gewähren. Auch eine Kurden-Partei könnte in Syrien ihren Platz haben, meint der türkische Premier.

F-16-Bomber im Einsatz
Legende: Neue Angriffe türkischer F-16-Bomber am Abend gegen PKK-Stellungen im Irak. Reuters

Die Türkei hat nach den Worten von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu keine Pläne für den Einsatz von Bodentruppen in Syrien.

Allerdings sollten dort moderate Rebellen, die gegen die Terrormiliz des sogenannten Islamischen Staats IS kämpfen, aus der Luft geschützt werden. Darin sei sich die Türkei mit den USA einig, sagte Davutoglu der heimischen Zeitung «Hürriyet» zufolge.

Platz für Kurdenpartei in Syrien

Er wurde ferner mit den Worten zitiert, die syrische Kurdenpartei PYD könnte einen Platz im «neuen Syrien» haben. Voraussetzung sei allerdings, dass sie sich nicht gegen die Türkei richte, alle Verbindungen zur Verwaltung von Syriens Staatschef Baschar al-Assad kappe und mit Oppositionstruppen zusammenarbeite.

Die Türkei hatte am Wochenende ihre Militäraktionen in den Nachbarstaaten Syrien und Irak ausgedehnt und neben den Extremisten des IS auch Einrichtungen der Kurdischen Arbeiterpartei PKK bombardiert. Am Dienstag soll der Nato-Rat auf Ersuchen der Türkei über die Einsätze beraten.

Legende: Video Schwere Ausschreitungen in der Türkei abspielen. Laufzeit 1:20 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 26.07.2015.

850 Festnahmen

Am Sonntagabend bombardierten türkische Kampfjets erneut Lager der PKK nördlich von Dohuk und Erbil, wie ein Sprecher der Rebellen in Irak bestätigte.

Begleitet wurden die Luftangriffe gegen die PKK von einer Festnahmewelle in der Türkei: Nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu wurden seit Freitag landesweit über 850 Verdächtige wegen Verbindungen zu «Terrororganisationen» festgenommen, darunter neben mutmasslichen Mitgliedern von IS und PKK auch linksextreme Aktivisten, die der PKK nahestehen sollen.

Tote bei Razzien

Bei einer der Razzien wurde eine Aktivistin getötet. Proteste gegen ihren Tod im Istanbuler Stadtteil Gazi wurden von der Polizei gewaltsam niedergeschlagen. Am Sonntag eskalierten die Proteste in Gazi. Trotz des Einsatzes von Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen gelang es der Polizei nicht, sie zu beenden.

Demonstranten wehrten sich mit Steinen und Molotowcocktails; als ein Polizist versuchte, einen Demonstranten festzunehmen, wurde dieser laut Anadolu von einer Kugel tödlich getroffen. Die Proteste dauerten bis in den späten Abend. Auch ein Polizist soll bei den Ausschreitungen ums Leben gekommen sein.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Heute morgen haben TK-Kampfflugzeuge Stellungen der Kurden bei Kobane angegriffen. Ich hoffe sehr, dass es den Kurden gelingt die Türken in einem Guerilliakrieg so zu schwächen, dass die Regierung in Ankara eines Tages einsieht, dass dies der grösste Fehler der Regierung Erdogan war.
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  • Kommentar von D. Schmidel, St. Gallen
    Die Türkei sollte den Weg in Richtung verkrüppelter Islamstaat wieder aufgeben und sich wieder eindeutig zum Laizismus bekennen. Ohne diesen Schritt wird es keinen Frieden mit den Kurden geben. Die Sympatie zu diesem Land hängt mit dieser Frage zusammen.
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    1. Antwort von m.mitulla, wil
      Glauben Sie das wirklich, D.Schmidel? Die Zeichen stehen auf Sturm. Nach eigenen angaben ist die PKK "der grösste Feind" der Türkei, ebenso Assad. Assads anderer grosser Gegner ist der IS. Wenn Assad dereinst weg wäre, würde wahrscheinlich der IS, als stärkste Kraft in Syrien nachrücken. Für die Türkei wäre das allemal besser als Assad, sind es doch "sunnitische Brüder". Für alle gemässigten Länder wäre diese Entwicklung eine Katastrophe.
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