Neue Terror-Drohung gegen Paris

Frankreich sieht sich neuen Terror-Drohungen ausgesetzt. Ein Ableger des Al-Kaida-Netzwerks hat dem Land mit weiteren Anschlägen gedroht. Am Solidaritätsmarsch für die Opfer der jüngsten Attentate nimmt am Sonntag auch Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga in Paris teil.

Polizisten in Paris mit Maschinengewehren

Bildlegende: Frankreichs Sicherheitskräfte bleiben in Alarmbereitschaft - auch nach den jüngsten Anschlägen. Reuters

Nach dem blutigen Ende der Jagd auf drei Terroristen in Frankreich ist am Freitag eine Rede eines angeblichen Vertreters der Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) aufgetaucht.

Dieser droht Frankreich mit weiteren Anschlägen. «Ihr werdet nicht mit Sicherheit gesegnet sein, so lange ihr Allah, seinen Verkünder und die Gläubigen bekämpft», zitierte die Dschihad-Beobachtungsplattform SITE den ranghohen AQAP-Vertreter.

Video «Doppelschlag gegen Terror in Paris» abspielen

Doppelschlag gegen Terror in Paris

4:34 min, aus Tagesschau Nacht vom 9.1.2015

Die Plattform aus den USA berief sich auf eine per Video verbreitete Rede von Harith bin Ghasi al-Nadhari. Dieser soll einer der wichtigsten Glaubenshüter der Gruppe sein.

«Respektlos gegenüber Allahs Propheten»

Das gut fünf Minuten lange Video wurde laut SITE am Freitag ins Internet gestellt - wenige Stunden, nachdem Chérif und Said Kouachi von der Polizei getötet worden waren.

Mit dem Angriff auf «Charlie Hebdo» in Paris wollten die Brüder sich für Karikaturen des muslimischen Propheten Mohammed in der Satire-Zeitung rächen. Darauf wird auch in der Botschaft Bezug genommen. Das Attentat wird als Reaktion auf Beleidigungen bezeichnet. «Einige der Söhne Frankreichs waren respektlos gegenüber Allahs Propheten», daher sei eine Gruppe von «gläubigen Soldaten Allahs» gegen sie vorgegangen und habe ihnen Respekt beigebracht.

Die Verantwortung für den Anschlag, bei dem am Mittwoch zwölf Menschen getötet wurden, wurde in der Botschaft allerdings nicht übernommen. Die Echtheit der Botschaft war zunächst nicht überprüfbar.

Jemen als Rückzugsgebiet

Chérif Kouachi hatte dem französischen Sender BFMTV gesagt, er sei von AQAP beauftragt und finanziert worden. US-Medien berichteten zudem unter Berufung auf Quellen in der US-Regierung, dass einer der beiden Brüder vor mehreren Jahren im Jemen ein Terror-Training absolvierte.

AQAP nutzt den instabilen Jemen als Rückzugsgebiet. Der dritte getötete Islamist, der in einem jüdischen Supermarkt Geiseln festhielt, sprach seinerseits von einer Verbindung zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Sicherheitshinweis an US-Bürger

Die US-Regierung hat ihre Bürger in aller Welt in der Nacht nach den Anschlägen in Frankreich zu erhöhter Vorsicht aufgerufen. «Jüngste Terrorattacken sind eine Erinnerung daran, dass US-Bürger ein hohes Mass an Wachsamkeit aufrechterhalten müssen», hiess es in einer Mitteilung des US-Aussenministeriums. Die Attacken könnten in Verbindung mit Terrororganisationen, von Nachahmern oder Einzeltätern ausgehen.

Amerikaner im In- und Ausland müssten «angemessene Schritte unternehmen, um ihr Sicherheitsbewusstsein zu erhöhen». Bei mehreren Attacken waren in Frankreich in den vergangenen Tagen mindestens 17 Menschen getötet worden.

In einem Karton versteckt

Bei dem Überfall der beiden mutmasslichen «Charlie-Hebdo»-Attentäter auf eine Druckerei nordöstlich von Paris konnte sich ein Mann in einem Karton verstecken und per Telefon die Fahnder informieren, wie jetzt bekannt wurde.

Die beiden Terroristen, die sich in einem anderen Teil des Industriegebäudes aufhielten, hätten den Mann nicht entdeckt, der inzwischen als Held gefeiert werde, berichtete der TV-Sender BFMTV am Freitagabend. Der Mann habe die Polizei detailreich über die Örtlichkeit informiert. Die beiden Terroristen rannten später aus dem Gebäude und wurden von der Polizei erschossen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Massnahmen gegen den Dschihad

    Aus 10vor10 vom 9.1.2015

    Die Überwachung von potentiellen Terroristen und deren Reisen ist zentral bei der Terror-Bekämpfung. Nicht nur Frankreich hat deshalb seine Anti-Terror-Massnahmen verschärft – ganz Europa versucht die Situation mit neuen Gesetzen in den Griff zu bekommen. «10vor10» zeigt, wie die Schweiz und andere Länder vorgehen.

  • Pariser Muslime verunsichert

    Aus 10vor10 vom 9.1.2015

    Das Blutbad von Paris hat die Moslems tief verunsichert. So etwa in der Banlieu Drancy. Der Imam der dortigen Moschee wird selber von Extremisten bedroht, wie die Reportage von Fritz Muri zeigt.

  • Schweizer Muslime distanzieren sich

    Aus 10vor10 vom 8.1.2015

    «Wer einen Menschen tötet, handelt als hätte er die Menschheit getötet», zitieren die islamischen Organisationen der Schweiz den Koran und distanzieren sich in aller Form vom Anschlag in Paris. Am Abend gingen in mehreren Schweizer Städten Muslime zusammen mit Journalisten auf die Strasse.

  • Nach dem Schock die Trauer: Am Tag nach dem Attentat auf «Charlie Hebdo» wehen französische Fahnen auf Halbmast; hier beim Elysée-Palast in Paris.

    Frankreich ist Charlie

    Aus Echo der Zeit vom 8.1.2015

    Noch immer wird in Frankreich fieberhaft nach zwei Männern gefahndet, die den Anschlag auf die Charlie-Hebdo-Redaktion verübt haben. Der Solidaritäts-Slogan «Je suis Charlie» war allgegenwärtig - in Frankreich und weltweit. Reaktionen aus Frankreich.

    Charles Liebherr

  • «Frankreich muss seine Haltung zu den Moslems überdenken»

    Aus SRF 4 News aktuell vom 8.1.2015

    Heute ist in Frankreich ein nationaler Tag der Trauer. Präsident Hollande appellierte an seine Landsleute, sich durch das Attentat nicht spalten zu lassen.

    Über die politischen Auswirkungen des Anschlags in Frankreich haben wir mit Daniela Schwarzer gesprochen, sie ist ehemalige Frankreich-Korrespondentin der Financial Times Deutschland und heute Leiterin des Europa-Programms beim German Marshall Fund in Berlin.

    Erste Frage: Wie stark ist der nationale Zusammenhalt in Frankreich nach dem Anschlag vom Mittwoch?

    Miriam Knecht