Nicht mal Regen würde die Brände in Indonesien löschen

In Indonesien brennt vielerorts der Dschungel. Waldbrände kommen in dieser Gegend zwar häufig vor. Doch so schlimm wie dieses Jahr war es seit Jahrzehnten nicht mehr. Das Wetterphänomen El Niño verschärft die Lage zusätzlich, wie SRF-Korrespondent Urs Morf sagt.

Waldbrand in Indonesien

Bildlegende: Der Wald brennt in Indonesien. Aber nicht nur der Wald, sondern auch der Torfboden. Und das ist noch viel gefährlicher. Keystone

SRF News: Welche Gebiete sind betroffen?

Urs Morf: Es brennt in einer riesigen Weltgegend. Es brennt auf der ganzen Insel Sumatra, dann auch auf grossen Teilen der Insel Borneo. Stark betroffen ist auch der Stadtstaat Singapur sowie grosse Teile von Malaysia, bis und mit der Hauptstadt Kuala Lumpur. Dort berichten Bewohner, dass sie ihre Kinder gar nicht mehr aus dem Haus lassen und die Schulen schon seit Wochen geschlossen sind. Für Leute mit Atemwegserkrankungen, ist die Lage so schlimm, dass sie die Atemschutzmasken sogar zu Hause tragen müssen. Dieser Rauchteppich dringt manchmal bis zur thailändischen Ferieninsel Phuket vor. Mehrmals wurde dort bereits der Flugplatz geschlossen, weil die Sichtverhältnisse keine Starts und keine Landungen mehr zuliessen.

Die Regierung Indonesiens gab sich noch im September gelassen. Man habe die Lage unter Kontrolle und die Nachbarstaaten möchten sich bitte nicht wegen etwas Rauch beklagen. Wie ist die Lage derzeit?

Es sind mittlerweile 22‘000 Soldaten bei der Brandbekämpfung im Einsatz, ebenfalls über 30 Flugzeuge, viele davon aus Malaysia, Singapur und Australien. Man hat endlich die ausländische Hilfe angenommen. Das grosse Problem ist, dass das alles nichts nützt. Das, was jetzt auf Sumatra vor allem brennt, das sind längst nicht mehr die Bäume an der Oberfläche, sondern es ist der Torf. Es sind ganz dicke Torfschichten, die ganz tief in die Erde hineinreichen. Das kann man von Menschenhand gar nicht mehr löschen.

In Indonesien hofft man deshalb jetzt auf die Regenzeit, die im November beginnt. Beeinflusst das Wetterphänomen El Niño auch den Regen?

Das El Niño-Phänomen tritt alle paar Jahre auf. Es ist dann tatsächlich so, dass die Regenfälle in Indonesien ausbleiben. Experten halten es für möglich, dass es bis nächsten März offen weiterbrennt. Das Problem ist ohnehin nicht gelöst, selbst wenn die Regenfälle noch kommen. Denn unter der Oberfläche motten die Brände weiter. Sobald die nächste Dürreperiode kommt, das wird im nächsten Sommer sein, reicht ein Windstoss, um das Feuer wieder zum Aufloderen zu bringen.

«  Unter der Oberfläche schwelen die Brände weiter. »

Nun beginnt die Hauptreisezeit für Thailand und überhaupt für Südostasien. Ist es unter diesen Umständen überhaupt ratsam, in diese Gegend zu reisen?

Es kommt drauf an, wohin man reisen will. In Phuket gibt es keine Probleme. Wenn die Regenzeit kommt – auch falls es wegen El Niño gar nicht regnen sollte – , die Windrichtung dreht trotzdem. Der Wind kommt vom asiatischen Festland her und pustet die Rauchschwaden von Phuket weg. Bali zum Beispiel, die beliebte indonesische Ferieninsel, ist überhaupt nicht betroffen. Sie liegt so, dass die Rauchmassen nicht bis dahin vordringen. Auf Sumatra könnte es allenfalls problematisch sein.

Urs Morf

Porträt Urs Morf

Urs Morf war von 2008 bis 2015 vollamtlicher SRF-Korrespondent für Ostasien. Davor war er lange Jahre für die «Neue Zürcher Zeitung» tätig und berichtete anfangs aus China und später aus der gesamten Region Ostasien. Morf lebt in Bangkok.