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International Nigeria lehnt Dialog mit Boko Haram ab – US-Flugzeuge im Einsatz

Die nigerianische Regierung hat Verhandlungen mit der Terrorgruppe Boko Haram über die Freilassung von über 200 entführten Schülerinnen abgelehnt. Stattdessen wollen die Verantwortlichen militärisch vorgehen.

Nach einem Treffen mit seinen Sicherheitschefs schloss der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan einen Austausch inhaftierter Dschihadisten gegen die Mädchen aus.

Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau hatte am Montag in einem neuen Video die Freilassung aller seiner Kämpfer gefordert. Als Gegenleistung werde er die Mädchen gehen lassen. Mehrere Hundert Boko-Haram-Mitglieder sitzen im westafrikanischen Land in Haft. Einige wurden bereits wegen Terrorismus zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.

Als Sklavinnen verkaufen

«Wir arbeiten mit dem Militär und Geheimdienstexperten zusammen, die bereits den Nordosten des Landes observieren», sagte ein Sprecher der Regierung. «Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden Optionen abwägen, um die Mädchen da rauszuholen, aber wir werden nicht mit der Gruppe verhandeln.»

Die überwiegend christlichen Schülerinnen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren waren vor einem Monat aus einer Schule in dem Ort Chibok im Bundesstaat Borno verschleppt worden. In einem in der vergangenen Woche veröffentlichten Video hatte Shekau gedroht, er werde seine Geiseln als Sklavinnen verkaufen.

Auf ausländische Hilfe angewiesen

Mittlerweile helfen unter anderem die USA und Grossbritannien bei der Suche. Wie der TV-Sender CNN unter Berufung auf Regierungsbeamte berichtete, überfliegen derzeit bemannte amerikanische Aufklärungsflugzeuge das westafrikanische Land.

Der Militärsprecher gibt den Journalisten Auskunft.
Legende: Der Militärsprecher gibt den Journalisten Auskunft. Keystone

Ausserdem versorgen die USA die nigerianischen Behörden mit Satellitenbildern. Washington hatte vor wenigen Tagen ein Team von Experten nach Nigeria geschickt. Es gebe aber keine Pläne, US-Kampftruppen zu beteiligen, hiess es in Washington.

Derweil gibt es nach Angaben des Gouverneurs von Borno, Kashim Shettima, erstmals Hinweise auf den Aufenthaltsort der Geiseln. Nach einem Bericht der nigerianischen Zeitung «Punch» seien die Informationen an das Militär weitergeleitet worden, die diese nun verifizieren sollen.

Prominente demonstrieren in Paris

Mit einer Demonstration vor dem Eiffelturm haben sich prominente Pariserinnen mit den entführten Schülerinnen solidarisiert. Zu den Unterstützerinnen zählten am Dienstag die Sängerin Carla Bruni, Frau von Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, die Journalistin Valérie Trierweiler, frühere Lebensgefährtin von Staatschef François Hollande, die Sängerin und Schauspielerin Sandrine Kiberlain und die Schauspielerin Alexandra Lamy.

Auf einem Transparent forderten die Frauen die Verantwortlichen auf, die Kinder zurückzubringen. Sie griffen damit die seit Tagen im Internet auch von Prominenten getragene Foto-Kampagne #BringBackOurGirls, Link öffnet in einem neuen Fenster auf. Daran hatten sich unter anderem US-Präsidentengattin Michelle Obama und Frankreichs Justizministerin Christiane Taubira beteiligt.

Mit der Entführung wird nach Ansicht der Unesco auch das universelle Recht auf Bildung verletzt. Für die Bildungsorganisation der Vereinten Nationen ist die Antwort nach Angaben vom Dienstag in Paris klar: «Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln, um jedem Mädchen und Jungen qualitativ hochwertige Bildung zu garantieren», sagte Unesco-Chefin Irina Bokowa.

Boko Haram

Die radikalislamische Gruppe Boko Haram will im Norden Nigerias einen Gottesstaat einrichten und verübt seit 2009 immer wieder schwere Anschläge mit bisher Tausenden Toten.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Die Boko Haram wird es wenig interessieren, ob sich die US-Präsidentengattin oder sonst wer betroffen und empört über dieses Drama zeigt. Diese Schlächter sind ebenso wenig beeindruckt von den nationalen und internationalen Betroffenheitsritualen. Man wird mit diesen Menschenhassern erst Ruhe haben, wenn sie tot im Staub afrikanischer Erde liegen. Hier hilft nur eine internationale militärische Aktion von Spezialkräften. Sondereinheiten dazu gibt es genug, man muss nur wollen.
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  • Kommentar von Ch. Gerber, Basel
    Die Islamisten, Moslems, Christen, etc. können da bleiben wo sie herkommen, ist mir egal. Ich kann mit Religion nichts anfangen insbesondere wenn Kinder Missbraucht werden und dies von der Religion oder vom Glauben akzeptiert wird.
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  • Kommentar von Simon W., Basel
    "die überwiegend christlichen Schülerinnen ... " Weshalb wird diese Information erst jetzt öffentlich? 10vor10 sagt in ihrer Sendung vom 12.05.14, dass rund 130 Mädchen auf dem Video zu sehen sind, die, nun zum Islam konvertiert, aus den ersten Suren rezitieren. Wo sind die übrigen Mädchen? Dass nur ein Teil der entführten Mädchen gezeigt wird, bleibt für mich ein Rätsel. Ich hoffe sehr, dass sich meine Befürchtungen nicht bewahrheiten (!!)
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