Nordkorea für über 9 Stunden vom Internet abgehängt

Die Internetverbindungen zwischen der Welt und Nordkorea waren am Montag vollständig zusammengebrochen. Die USA verneinen Spekulationen, wonach sie Nordkorea für dessen Angriff auf Sony Pictures mit einer Cyber-Attacke bestraft haben.

Kim Jong Un zeigt Funktionären etwas auf einem Computer-Bildschirm.

Bildlegende: Nordkoreas Führer Kim Jong Un bestreitet, etwas mit der Hacker-Attacke auf Sony Pictures zu tun zu haben. Keystone

Nordkorea war am Montag während neuneinhalb Stunden vollständig vom weltweiten Internet abgeschnitten. Schon am Sonntagnachmittag (MEZ) sei der Zugang zum Internet in Nordkorea instabil gewesen und Verbindungen immer wieder kurzzeitig ausgefallen. Das schreibt die Analysefirma Dyn Research in den USA, die weltweit die Funktionalität des Internets beobachtet.

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Internet-Blackout in Nordkorea

0:43 min, aus Tagesschau am Mittag vom 23.12.2014

Die südkoreanische Regierung bestätigte, dass das Internet in dem weitgehend isolierten Nachbarland stundenlang unterbrochen war. Es werde überprüft, ob es sich um eine Cyber-Attacke oder einen internen Systemcheck gehandelt habe, hiess es aus Regierungskreisen in Seoul. Keine Probleme habe es aber mit nordkoreanischen Propaganda-Websites wie Uriminzokkiri oder Naenara gegeben, die aber über Server im Ausland erreichbar sind.

Nur ein einziger Internet-Provider

Fachleute nannten als mögliche Erklärung einen sogenannten DDoS-Angriff, eine massive Attacke, die zur Überlastung der Webserver führt und relativ einfach durchzuführen wäre. Wer dahinter stecken könnte, ist unklar.

Die Ursache könnten aber auch technische Probleme in Nordkorea selbst sein. Zudem läuft laut Dyn Research die gesamte Telekommunikation nach Nordkorea über China Netcom, einem Tochterunternehmen von China Unicom. Als einziger Internetprovider Nordkoreas wäre es für China Unicom ein Leichtes, den Zugang zu blockieren.

Die Bürger Nordkoreas werden vom Angriff vermutlich nicht viel mitbekommen haben. Der Grossteil der Bevölkerung hat keinen Internetzugang. Es gibt lediglich ein auf das Land beschränktes, nicht öffentliches Intranet. Nach Angaben nordkoreanischer Flüchtlinge kann dieses nordkoreanische Netz nur von Regierungsbeamten, dem Militär und Universitäten genutzt werden.


«Die Ursache für den Ausfall ist derzeit unklar»

4:20 min, aus SRF 4 News aktuell vom 23.12.2014

Racheakt wegen Sony-Kinofilm?

Über den Ausfall des nordkoreanischen Netzes äusserte sich die US-Regierung nicht. Die US-Regierung hatte am Sonntag Nordkorea für einen Hacker-Angriff auf das Unternehmen Sony Pictures verantwortlich gemacht und am Montag vorgeschlagen, Nordkorea solle dafür Entschädigung zahlen.

Die US-Regierung prüft nach Angaben von Harf eine Reihe von Optionen, um gegen die Internet-Attacke auf Sony Pictures vorzugehen.

Eine halbe Milliarde Schaden

Begonnen haben die Cyber-Attacken im Zusammenhang mit der Hollywood-Produktion «The Interview». Das Filmwerk veräppelt den nordkoreanischen Führer Kim Jong Un auf nicht gerade feinfühlige Weise.

Ein Angriff anonymer Hacker und mysteriöse Anschlagsdrohungen auf US-Kinos hatten Sony bewogen, den für kommenden Donnerstag geplanten Filmstart von «The Interview» abzusagen. Dem Konzern entstand dadurch nach Expertenschätzung ein Schaden von einer halben Milliarde Dollar. Nach Erkenntnissen des FBI steht die Regierung in Pjöngjang hinter dem Angriff. Nordkorea bestreitet aber jede Verantwortung.

Im Zentrum der Affäre steht eine Gruppe mit dem Namen Guardians of Peace (GOP). Sie hat Ende November einen Cyber-Angriff auf Sony gestartet und interne Dokumente und E-Mails veröffentlicht. Vor einigen Tagen sprach die Gruppe wegen der Parodie «The Interview», in der es um ein angebliches Mordkomplott gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un geht, ominöse Drohungen aus und erinnerte an die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA. Daraufhin entschieden mehrere Kinoketten, den Film aus dem Programm zu nehmen.

Washington hatte China um Mithilfe gebeten, um die nordkoreanischen Hacker-Aktivitäten zu stoppen. Beide Länder stehen aber selbst im Streit um Hacker-Angriffe auf US-Unternehmen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Menschenrechtslage in Nordkorea

    Aus Tagesschau vom 23.12.2014

    Der UNO-Sicherheitsrat hat sich an seiner gestrigen Sitzung zum allerersten Mal mit der Menschenrechtslage in Nordkorea befasst. Der Empfehlung der UNO-Vollversammlung, Nordkoreas Menschenrechtsverletzungen an den Internationalen Strafgerichtshof zu bringen, folgte der Sicherheitsrat jedoch nicht. Unabhängig davon, machte Nordkorea wegen eines Ausfalls des Internets weiter Schlagzeilen.

  • Sony-Hack: Nordkorea beschuldigt USA der Verleumdung

    Aus Tagesschau vom 20.12.2014

    US-Präsident Barack Obama hat gegenüber Nordkorea eine «entsprechende Antwort» angekündigt, nachdem es laut FBI zweifelsfrei erwiesen ist, dass das kommunistische Land hinter dem Hackerangriff auf Sony steckt. Nordkorea streitet die Vorwürfe ab und will den Fall zusammen mit den amerikanischen Behörden untersuchen. Sollte sich die US-Regierung dem verweigern, hätte dies «ernste Konsequenzen».

  • Nordkorea schuld an Hackerangriff gegen Sony

    Aus 10vor10 vom 19.12.2014

    Auch das FBI macht jetzt in einer Stellungnahme Nordkorea für den Hackerangriff auf die Firma Sony verantwortlich. Und Präsident Barack Obama kritisiert den Entscheid von Sony, kleinbeizugeben und die Ausstrahlung des Films zu stoppen.