Pjöngjang Underground Nordkorea macht U-Bahn zur Touristenattraktion

Was man sieht und was man sehen soll, ist nicht immer das gleiche in Nordkorea. Diese Regel gilt besonders für Journalisten. Neuerdings gehört die Metro von Pjöngjang zu den Vorzeigeobjekten der abgeschotteten Diktatur.

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U-Bahnfahrt auf nordkoreanisch

5:36 min, vom 10.5.2017

Früher war Pjöngjangs Untergrundbahn eine Art Staatsgeheimnis. Man munkelte, dass die Regierung nicht zeigen wollte, wie tief die Tunnels liegen.

Nicht weil ihre U-Bahntechnik keine Nachahmer finden sollte, sondern weil die Schächte dem Volk von Kim Yong Un möglicherweise als Atombunker dienen. Für den Fall eines Angriffs des Südens und seiner Koalitionspartner. Heute scheint die Flucht in den Untergrund keine logistische Option mehr zu sein.

Silberstreifen der Hoffnung?

Ein Besuch der U-Bahn von Pjöngjang gehört nämlich neuerdings für Touristen zum Pflichtprogramm. Genauso wie das Kriegsmuseum, das Gründungsmonument der Partei, der berühmte Juche-Turm oder die Vorzeige-Primarschule.

SRF-Korrespondent Pascal Nufer ist erstaunt. «Noch vor zwei Jahren hätten wir hier unten in den Schächten nicht so frei filmen dürfen wie heute.» Überhaupt habe sich seit seinem letzten Besuch einiges geändert.

Statt der früheren strengen Überwachung durch einen Staatsagenten, begleiten Nufer auf seiner aktuellen Reise lediglich zwei nordkoreanische Mitarbeiter der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit der Schweiz (Deza). Und statt in einem der zwei für Journalisten und Touristen obligaten Hotels darf der SRF-Korrespondent im Deza-Gästehaus logieren.

Nufers offizielle Mission – nebst der Reportage aus dem Untergrund – ist die Berichterstattung über die Projekte der Schweizerischen Humanitären Hilfe. Dieser unverfängliche Fokus dürfte mit ein Grund für die neu erlangte Bewegungsfreiheit sein.

Ein eigenes Whatsapp

Und noch etwas fällt dem Journalisten aus der Schweiz auf. «Vermehrt sieht man jetzt auch in Nordkorea Menschen, die Smartphones nutzen.» Silberstreifen in einer düsteren Diktatur? Leider kaum. Denn nach wie vor können gewöhnliche Nordkoreaner die Welt ausserhalb ihres Landes werder telefonisch, noch per Mail erreichen.

Das abgeschottete Land unterhält sein eigenes Internet und Telefonnetz. Und auch eine 'kulturbereinigte' Whatsapp-Version steht dem Volk des Führers zur Verfügung. Freiheit geht anders, aber zumindest in der U-Bahn hat sie zugenommen.

Pascal Nufer

SRF-Asien-Korrespondent Pascal Nufer.

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SRF-Asien-Korrespondent Pascal Nufer.