Nordkorea weist Südkoreaner aus Industriekomplex Kaesong

Nordkorea hat alle Südkoreaner zum umgehenden Verlassen des gemeinsam betriebenen Industriekomplexes Kaesong aufgefordert. Alle südkoreanischen Arbeiter müssen das Gebiet sofort verlassen und dürfen nur ihre persönlichen Gegenstände mitnehmen.

Soldaten an Toreinfahrt

Bildlegende: Südkoreanische Soldaten leiten den Verkehr vor dem Industriekomplex Kaesong um. Reuters

Nordkorea hat verärgert reagiert, auf die Ankündigung des Südens, sich aus dem gemeinsamen Industriepark Kaesong zurückzuziehen. Pjöngjang hat alle Südkoreaner zum umgehenden Verlassen des gemeinsam betriebenen Industriekomplexes Kaesong aufgefordert. Diese müssen das Gebiet sofort verlassen und dürfen nur ihre persönlichen Gegenstände mitnehmen.

Vermögen und Bestände südkoreanischer Firmen und Organisationen würden beschlagnahmt, darunter «Maschinen, Rohstoffe und Güter», zitierte die amtliche Nachrichtenagentur KCNA das Komitee für die Friedliche Wiedervereinigung von Korea.

«Schmerzhafter Preis» zu zahlen

Südkorea hatte am Mittwoch erklärt, dass es seine Aktivitäten in Kaesong einstelle – Seoul reagierte damit auf den jüngsten Raketentest des stalinistischen Nordens. Nordkorea erklärte nun, der Süden werde einen «schmerzhaften Preis» dafür zahlen. Kaesong werde geschlossen und zur militärischen Zone erklärt. Ausserdem werde die militärische Kommunikation nach Seoul gekappt – für wie lange, blieb aber zunächst unklar.

Am Donnerstag wurden nach Angaben des südkoreanischen Vereinigungsministeriums die ersten Mitarbeiter von Kaesong abgezogen.

Wichtige Devisenquelle

Seoul will das nordkoreanische Regime von einer wichtigen Devisenquelle abschneiden. Der 2004 geöffnete Fabrikpark befindet sich in einer Sonderzone der grenznahen nordkoreanischen Stadt Kaesong. Dort arbeiten Tausende Nordkoreaner für 124 südkoreanische Unternehmen.

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Nordkoreas Propagandavideo zum Raketentest

0:29 min, vom 11.2.2016

Pjöngjang hatte am Sonntag einen Satellitenstart zu friedlichen Zwecken verkündet und damit die internationale Gemeinschaft brüskiert, die vom verdeckten Test einer militärischen Langstreckenrakete ausgeht.

Als Reaktion verschärfte der US-Senat am Mittwochabend (Ortszeit) einstimmig bestehende Sanktionen gegen Nordkorea. Das Repräsentantenhaus muss noch seine Zustimmung geben. Unter anderem sollen Sanktionen nun auch im Falle von Cyberattacken und Menschenrechtsverletzungen greifen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Nordkorea testet Langstreckenrakete

    Aus Tagesschau vom 7.2.2016

    Nordkorea fordert erneut die Staatengemeinschaft heraus. Laut Staatsmedien hat das Land eine Weltraumrakete gestartet und erfolgreich einen Satelliten in seine Umlaufbahn gebracht. Die internationale Gemeinschaft wittert hinter der Aktion einen versteckten Langstrecken-Raketentest. Einschätzungen von Japan-Korrespondent Thomas Stalder.

  • Empörung nach Raketentest in Nordkorea

    Aus Echo der Zeit vom 7.2.2016

    Nordkoreas Regime provoziert erneut: Einen Monat nach dem jüngsten Atomtest liess Diktator Kim Jong-Un eine Langstreckenrakete abfeuern. Der Uno-Sicherheitsrat ist zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengetreten. Doch viel Handlungsspielraum hat die Weltgemeinschaft nicht.

    Fredy Gsteiger und Simone Fatzer im Gespräch mit Martin Aldrovandi