Österreichs Monarchisten hoffen auf Wende

In anderthalb Jahren zieht in Wien ein Neuer in die Hofburg. Es wird ein Präsident sein, nicht ein Kaiser. Doch wenn es nach den Monarchisten geht, wird zum letzten Mal ein Bürgerlicher Staatsoberhaupt werden. Denn nach ihren Plänen wird die Republik bald wieder altem Glanz Platz machen.

Mehrere Kutschen und ein Auto vor dem Eingang zur Hofburg in Wien.

Bildlegende: Die Hofburg in Wien: Dort gehen seit 1918 nicht adelige Staatsoberhäupter Österreichs ein und aus. Reuters

«Gott erhalte, Gott beschütze, unsern Kaiser, unser Land», heisst es in der Hymne des Habsburgerreichs. Doch seit dem 12. November 1918 ist Österreich eine Republik, zum Verdruss der Schwarz-Gelben Allianz. Höchste Zeit, dies zu korrigieren. Und so treffen sich die Anhänger dieser erhofften Wende wieder regelmässig im Séparée eines Lokals vis-à-vis des Rathauses von Wien.

Alexander Simec, der Obmann der Monarchisten, erinnert seine Mitstreiter daran, wie sehr Österreich vom Nachlass der Monarchie zehrt, sich aber eigentlich dieses Erbes als unwürdig erweist: «Ich kann nicht sagen, Habsburger böse, Mozartkugeln gut. Das ist sehr verlogen.» Er fragt: «Wo sitzt der Bundespräsident? Er sitzt in den imperialen Räumen, wo die Kaiser gesessen sind. Wo amtiert der Bundeskanzler? Unter dem Bild des Kaisers Franz-Josef.» Das habe etwas zutiefst Unehrliches.

Regierung unter Druck setzen

Hundert Jahre Republik seien genug, meint er. Spätestens bis 2018 soll eine Volksabstimmung über die Wiedererrichtung der Monarchie stattfinden, die dann später – wie einstmals – auch heutige Nachbarstaaten wie Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Slowenien oder Kroatien umfassen soll.

Simec weiss, dass es kaum möglich ist, die nötigen 100'000 Unterschriften für ein Volksbegehren selbst zu sammeln. Aber angesichts der gegenwärtigen Orientierungslosigkeit in Europa und der Wirtschaftskrise glaubt er zu wissen, wie die jetzige Regierung dazu gebracht werden kann, freiwillig ein Referendum abzuhalten: «Durch den Aufbau von öffentlichem Druck. Das wir dann auch in der Position sind, eine solche Volksabstimmung zu forcieren.»

«  Ich kann nicht sagen, Habsburger böse, Mozartkugeln gut. Das ist sehr verlogen. »

Alexander Simec
Obmann der Monarchisten

Österreich und der ganze mitteleuropäische Raum bräuchten einen kompletten Umbau des Staates. Am Tag der Republik im November riefen die Monarchisten nach mehrjähriger Pause wieder zu einer Protestdemonstration auf gegen die aufgezwungene Republik. Für die ersten 20 Teilnehmer gab es eine Doppeladlerfahne zum Nachhause nehmen.

Motivation der Monarchisten

Und so gewinnt man auch neue Mitstreiter, die sich künftig für die Sache engagieren – wenn auch aus unterschiedlichsten Gründen:

  • «Ich habe ein gewisses Mitleid mit dem Schicksal der Familie Habsburg, wie das Ganze abgelaufen ist.»
  • «Weil es eine gute Idee ist, werden wir in Mitteleuropa wieder einen grossen Staat bilden, um einen Kaiser, der auf Augenhöhe mit den grossen Playern die speziellen Interessen der Regionen vertreten würde.»
  • «Weil ich einen überparteilichen Mann an der Staatsspitze haben will, und keinen Parteisoldaten wie heute.»
  • «Ein unabhängiges Oberhaupt, das eingreifen kann: Das wäre auch für die Jugend ein weiterer Weg in die Zukunft.»

Vergleich mit dem Mauerfall

Noch zögert die Jugend, bei den Monarchisten mitzumachen, wie ein Blick auf die Anwesenden zeigt. Aber wer sieht schon die Zukunft voraus, meint Simec hoffnungsfroh: «Man hätte vor 26 Jahren auch nicht geglaubt, dass die Berliner Mauer fällt. Genauso wenig können wir uns heute vorstellen, dass in vier Jahren vielleicht schon alles anders ist.»

Und so malen sich die Monarchisten drinnen im Stammlokal weiter aus, wie die künftige Monarchie gar mit direkt-demokratischen Mitteln nach Schweizer Art ausgebaut, oder die politische Abstinenz der Bürger dank eines Kaisers gestoppt werden könnte. Draussen ist es inzwischen Nacht. Und das Licht, das noch aus dem Lokal scheint, reicht nicht, die Gesichter zu erkennen.

Aber in der Kutsche, die am Rathaus vorbei Richtung Hofburg fährt, man möchte es nicht beschwören, aber dort sass gewiss der Kaiser drin.