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International «Offenbar will Russland, dass sich in der Ukraine etwas ändert»

Seit Mitternacht ist im Osten der Ukraine eine neue Waffenruhe in Kraft. Diese wird auch von Moskau unterstützt. Das deutet auf einen Richtungswechsel in der Ukraine-Politik des Kremls hin, meint SRF-Korrespondent David Nauer.

Petro Poroshenko schüttelt die Hand von Jean-Marc Ayrault, dahinter Frank-Walter Steinmeier lächelnd
Legende: Hoffnungsschimmer für die Ukraine: Die Aussenminister Deutschlands und Frankreichs mit Präsident Petro Poroschenko (l.). Keystone

SRF News: Im Ukraine-Konflikt wurde eine Waffenruhe vereinbart. War diese Entwicklung abzusehen?

David Nauer: Nein, sie überrascht. Der Konflikt ist in den letzten Monaten regelrecht eskaliert. Es hat zum Teil sehr heftige Kämpfe gegeben, und da war es nicht zu erwarten, dass plötzlich eine Waffenruhe vereinbart wird.

Diese scheint mir wenigstens einigermassen solide zu sein, weil nicht nur die Separatisten und die Ukraine dahinterstehen, sondern auch der Westen und Russland. Das erhöht die Chancen auf eine Beruhigung des Konflikts.

Russland hat ebenfalls Hand geboten für die Waffenruhe. Bedeutet das eine Kehrtwende in der russischen Ukraine-Politik?

Formal hat Russland seine Ukraine-Politik nicht geändert. Seine Position war immer, dass es Gewalt ablehnt. Dennoch scheint mir, dass Russland zumindest gegenwärtig an einer Deeskalation interessiert ist.

Es ist nämlich nicht vorstellbar, dass die Separatisten einer Waffenruhe zustimmen, ohne den Segen aus dem Kreml. Offenbar will Russland, dass sich etwas ändert in der Ukraine. Und zwar in Richtung weniger Gewalt.

Wird diese Waffenruhe nun besser halten als die vorangegangenen?

Das kann man nicht voraussagen. Ich denke, eine gewisse Skepsis ist angebracht. Es ist ja nicht der erste Versuch, die Gewalt in der Ukraine einzudämmen. Bisher ist jede Waffenruhe gebrochen worden – und zwar von beiden Seiten.

Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier hat gestern Abend von einem Hoffnungsschimmer gesprochen. Ich denke, diese Formulierung trifft es ziemlich genau. Die Waffenruhe ist ein Hoffnungsschimmer für die Ukraine. Nicht mehr und nicht weniger.

Das Gespräch führte Susanne Schmugge

David Nauer

David Nauer

David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
    Warum schreiben Sie, Moskau unterstütze die Waffenruhe AUCH? Ist es nicht so, dass die Volksrepubliken Donezk&Lugansk eine einseitige Waffenruhe ausgerufen haben? Waren es nicht die Separatisten, die Kiew aufforderten, der Waffenruhe zu folgen? Von wem werden die Rebellen unterstützt? Sonst heisst es immer, sie stünden unter direktem Einfluss Putins. Es gibt noch einen Hoffnungsschimmer: Dass die Öffentlichkeit endlich begreift, wer hier der Aggressor ist, und wie sie darüber irregeleitet wird.
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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Uns fliegt Ukraine um die Ohren und wir sind Blind um das zu merken. Ukraine ist Pleite. Lohn reicht nicht bei 60% Bürger um Rechnungen zu zahlen und kaum für Nahrung. Sehr bald wir notwendig tief in Tasche zu greifen um Bewölkerung dort überleben zu ermöglichen. Russland wird das nicht mehr machen. Ich erwarte einstieg ukrainische Flüchtlingen nach Europa. Angeblich hat in letzte 2 Jahre Polen 500 000 schon übernommen. Suppe welche Westen gekocht hat, wird schwer zu verdauern.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Diesen Hoffnungsschimmer und die Verhinderung eines grösseren Krieges hat die Welt hauptsächlich dem besonnenen Vorgehen Putins zu verdanken.
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