Palästinenserchef Abbas verurteilt Entführung von Jugendlichen

Die Suche nach den drei verschleppten israelischen Teenagern im Westjordanland geht weiter. Inzwischen hat Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas im Gespräch mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Entführung verurteilt.

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Entführte Jugendliche: Israel nimmt Palästinenser fest

0:43 min, aus Tagesschau am Mittag vom 16.6.2014

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sind wegen der drei verschleppten israelischen Schüler im Gespräch.

Das Telefonat am Montag war die erste Konversation zwischen den beiden Staatsmännern seit April. Damals hatte Abbas einen gemeinsamen Vertrag mit der radikal-islamistischen Hamas unterzeichnet, worauf Netanjahu die Friedensgespräche unterbrach.

Am vergangenen Sonntag waren drei israelische Schüler im Westjordanland verschleppt worden. In der Nacht auf Sonntag nahmen israelische Sicherheitskräfte rund 100 Palästinenser fest. Darunter waren mindestens sieben Parlamentsabgeordnete der Hamas sowie mehrere Ex-Gefangene, die Israel erst kürzlich freigelassen hatte.

Portrait von Palästinenserchef Mahmoud Abbas

Bildlegende: Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas verurteilte die Verschleppung dreier israelischer Schüler im Westjordanland. reu

Abbas' Sicherheitskräfte suchen mit

Netanjahu hatte die Hamas für die Entführung verantwortlich gemacht. Nun hat Palästinenserpräsident Abbas die Verschleppung der Jugendlichen offiziell verurteilt.

Der israelische Ministerpräsident sagte im Telefongespräch, er erwarte, dass Abbas Hilfe bei der Suche nach den Teenagern und der Verhaftung der Verantwortlichen leiste.

Zuvor hatte ein Minister in Netanjahus Sicherheitskabinett dem israelischen Fernsehen gesagt, dass die Sicherheitskräfte unter Abbas sich «bereitwillig» an der Suche nach den drei Teenagern beteiligten.

Noch bekennt sich niemand dazu

Offiziell hat sich bislang niemand zum Vorfall bekannt. Die Palästinensische Autonomiebehörde hat die Festnahmewelle und Luftangriffe im Gazastreifen als kollektive Bestrafung verurteilt.

In einem Flüchtlingslager in der Nähe von Ramallah wurde ein 20-Jähriger von Soldaten der israelischen Armee im Zuge eines Aufeinandertreffens mit palästinensischen Steinewerfern getötet. Im Gazastreifen wurden laut Berichten vier Palästinenser leicht verletzt, darunter ein Kleinkind.

Seit Donnerstagabend werden zwei 16-Jährige und ein 19-Jähriger vermisst. Zum Zeitpunkt der Entführung hielten sie sich im Westjordanland auf und waren auf dem Heimweg von der Schule. Sie waren Talmudschüler in einer jüdischen Siedlung. Einer der Teenager besitzt auch die US-Staatsbürgerschaft.

Drohungen der Hamas

Palästinensische Extremisten haben in der Vergangenheit gedroht, Israelis zu entführen, um die israelische Regierung zu Zugeständnissen zu zwingen. 2011 wurden über 1000 palästinensische Gefangene im Austausch gegen den israelischen Soldaten Gilad Schalit freigelassen, der im nahe gelegenen Gazastreifen mehr als fünf Jahre gefangen gehalten wurde.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Israel vermisst drei Schüler

    Aus Tagesschau vom 15.6.2014

    In Israel macht Premier Netanjahu die radikalislamische Hamas für die Entführung von drei israelischen Jugendlichen im Westjordanland verantwortlich. Die Schüler werden seit Donnerstagabend vermisst.