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International Papst auf Lampedusa: «Warnschuss für die italienische Politik»

Lampedusa heisst das erste Ziel von Papst Franziskus ausserhalb Roms. Viele afrikanische Flüchtlinge landen auf ihrer Flucht aus Afrika auf der Insel. Der Papst hält mit seinem Besuch der italienischen Politik die Fehler vor Augen, sagt SRF-Korrespondent Philipp Zahn.

Papst Franziskus verlässt erstmals Rom. Seine erste Reise führt ihn nach Lampedusa. Mit dem Besuch wolle der Pontifex seine Solidarität mit den Flüchtlingen demonstrieren, heisst es aus dem Vatikan. Deren Schicksal würde ihn tief bewegen. Mit einem Blumengebinde wolle er der Opfer gedenken, die auf dem Seeweg nach Europa ertrunken seien.

Legende: Video Papst Franziskus besucht Lampedusa abspielen. Laufzeit 0:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 08.07.2013.

Auch bei der Inselbevölkerung kommt dieser Besuch gut an. Aus ihrer Sicht müssen sie ausbaden, der Vorposten Europas in Afrika zu sein, sagt SRF-Korrespondent Philipp Zahn gegenüber «SRF News Online». Abgewrackte Schiffe mit Flüchtlingen an Bord, die mitten in der sommerlichen Hochsaison an den Stränden landen, seien für die Insel nicht gerade imagefördernd.

Druck auf die italienische Politik

Jetzt, wo das Wetter wieder besser wird, ist die kleine Insel verstärkt Anlaufpunkt für die Flüchtlinge aus Afrika. Sie kommen mit Schiffen über den Kanal von Sizilien. Der Papstbesuch in dieser Zeit setze in dieser Zeit des Jahres deshalb auch ein politisches Zeichen, sagt SRF-Korrespondent Philipp Zahn. «Für die Politiker in Italien ist das ein Warnschuss, weil ihnen damit schon klar wird, dass das Thema Flüchtlingspolitik zur Chefsache im Vatikan wird.» Politisch werde das Thema bislang in Italien völlig vernachlässigt. Von der neuen Regierung sei noch niemand auf Lampedusa gewesen, sagt er.

«Es scheint, als wenn der Papst sein Pontifikat auf diese notleidenden Menschen ausrichten möchte.» Für den Italien-Kenner ist die Visite des Papstes auf der kleinen Insel ein einzigartiger Besuch mit Symbolcharakter. «Durch den Papstbesuch wird aber auch international der Druck auf Italien erhöht werden. Denn die italienischen Flüchtlingsgesetze werden international wegen Menschenrechtsverstössen fast schon geächtet.»

Vom Auffanglager auf Lampedusa werden die Flüchtlinge auf ganz Italien verteilt. Das Problem sei, dass die italienischen Behörden die Flüchtlinge dann häufig aus den Augen verlieren würden, erklärt Philipp Zahn. «Oft erhalten die Flüchtlinge auch eine Ausweisung, das Land innerhalb von zehn Tagen verlassen zu müssen. Aber wohin, das ist den Behörden meist egal.» Viele von diesen Flüchtlingen würden dann in der Schweiz, Frankreich oder Deutschland auftauchen.

Keine Opposition in der Kirche

Flüchtlingshilfe sei natürlich ein ureigenes Thema der Kirche, insofern werde Papst Franziskus diesbezüglich keine Gegner im Vatikan haben. Auch von den konservativen Kräften der italienischen Politik, wie der Berlusconi-Partei Popolo della Libertà (PDL), sei keine Kritik am Papst zu erwarten, erklärt Zahn. «Papst Franziskus schwimmt auf einer Woge der Popularität. Da traut sich keiner in Italien, das in Frage zu stellen.»

Papst auf Lampedusa

Der Pontifex will den Bewohnern Mut machen und Solidarität mit den Flüchtlingen zeigen. Mehr.

12 Kommentare

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  • Kommentar von franz schleiniger, montecatini/italien
    Das Problem ist ein EU Problem, die EU hofft einfach, dass die Italiener das Problem irgendwie lösen, was natürlich nicht geht. Anstelle von Gurken- und Präservativnormierung, würde die EU gut daran tun, solche Probleme anzugehen.
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    1. Antwort von Hansi Dragoner, Drachenstein
      Gemäß EU-Verträgen hat Italien als Ankunftsland mit diesem Problem selbst umzugehen. Gäbe es die EU nicht, stünde Italien ebenfalls selbst in der Verantwortung. Tut aber so gut wie gar nichts wie man an den inhumanen Behausungen dieser Flüchtlinge sehen kann. Das einzige was ihnen einfällt ist ihnen 500 € für die Weiterfahrt nach Norden in die Hand drücken. Die billigste Polemik aus der Schweiz ist ja unisono für alles was nicht rund ist die EU als Gurkentruppe zu beschimpfen.
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  • Kommentar von Adrian Flükiger, Bern
    Der neue Papst hat wenigstens den Mumm in den Knochen die Italiener vor Ort auf ihre unsägliche Alltagspraxis hinzuweisen. Es ist aber schon so, dass er den Flieger mit dem er anreiste für den Rückflug besser bis auf den letzten Platz gefüllt hätte und damit ein paar Dutzend Asyl innerhalb der Vatikanmauern anbieten würde. Diese könnte man gleich als Gardisten verpflichten, was wiederum unsere Bundeskasse entlasten würde. Ausser viel Schall und Rauch, bleibt nur der Wille, der zählt!
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  • Kommentar von A. Guant, Sunnybeach
    Afrika ein unberührter Markt direkt vor der Nase Europas.Anstatt die Bildungs- u. Wirtschaftsstrukturen in diesen Ländern nachhaltig mit zu gestalten,machen die Europäer auf Jammertante u.Passivität.Bereits vor 30 Jahren wussten wir in Europa,dass die anstehenden Herausforderungen der Zukunft nicht die Ost-West-Problematik sein würden,sondern vielmehr die Völkerwanderungen aus dem Süden nach Norden zu uns nach Europa.Und wenn die Europäer nicht aufgestanden sind,dann schlafen sie noch heute.
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    1. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      Auf den PUNKT gebracht... bin ausnahmsweise mal Ihrer Meinung!
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