Der scheidende Papst ernennt neuen Bankenchef

Vor einem Jahr musste der Leiter der skandalumwitterten Vatikanbank IOR seinen Posten verlassen – Knall auf Fall. Offenbar hatte er einen internen Machtkampf verloren. Jetzt hat der Papst einen neuen Präsidenten ernannt, kurz vor seinem Rücktritt.

Der Petersplatz bei Nacht.

Bildlegende: Die Vatikanbank erhält einen neuen Präsidenten. Der abtretende Papst hat ihn ernannt. Keystone

Den Namen des neuen Präsidenten der Vatikanbank gibt das Presseamt des Heiligen Stuhls noch nicht bekannt. Es soll sich aber um einen belgischen Banker handeln. Ein deutsches Headhunter-Unternehmen hatte ihn gesucht. Das ist eine Novität, denn bis anhin rekrutierten die vatikaninternen Bankspezialisten.

 Im Vatikan reibt man sich die Augen. Dass der Papst so kurz vor seinem Abgang die Dreistigkeit hat, einen Nachfolger für die Skandalbank zu ernennen, hätte ihm niemand zugetraut.

Ewige Baustelle

Die IOR-Bank ist eine jahrzehntealte Baustelle. Über sie sind in den 70er Jahren Mafiagelder gewaschen worden. Und die amerikanische CIA hat über sie Gelder fliessen lassen für die Unterstützung der antikommunistischen Gewerkschaft Solidarnosc in Polen. Mit dem Segen des damaligen polnischen Papstes Woytila.

Die Bank wird von aussen nicht kontrolliert. Sie untersteht auch nicht der internationalen Geldwäschereikontrolle. Das alles wollte Benedikt XVI. vor acht Jahren, kaum im Amt, ändern. Dafür setzte er den alten Bankchef ab und ersetzte ihn durch einen Profi, der der Kirche nahestand.

Machtkämpfe

Doch im letzten Jahr musste der von einem Tag auf den andern gehen. Im Bankrat soll ein Machtkampf getobt haben: Ein Kampf zwischen jenen, die möglichst viel Transparenz herstellen wollten und jenen, die wie bisher weiterwursteln wollten.

Auf welcher Seite der Bankpräsident stand? Niemand weiss es wirklich. Der sagte nach seinem erzwungenen Rücktritt lediglich: «Ich habe um mein Leben gefürchtet».

Bücher wurden zum Fall publiziert, aufgrund eines Informationslecks, genannt Vatileaks, gelangen pikante Details an die Öffentlichkeit. Der Wahrheit ist man deswegen nicht näher gekommen. Es zeigt nur: Im Vatikan, genauer in der Kurie, also in der Regierung der katholischen Weltreligion, herrscht ein heftiger Machtkampf.

Zwei Fliegen auf einen Streich

Benedikt der XVI. weiss das. Deshalb hat er, noch kurz vor seinem Abgang, eingegriffen. Mit der Bestellung des neuen Bankpräsidenten, so angesehene Vatikanisten, schlägt er zwei Fliegen auf einen Streich.

Er verhindert, dass sich der künftige Papst die Finger verbrennt. Er, der kaum im Amt und noch wenig vertraut ist mit den Spielchen der Kurie. Ausserdem hat er den Einfluss der Kurienkardinäle bei der Präsidentenfindung eingeschränkt, indem er die Suche an ein externes weltliches Unternehmen gegeben hat.

Jetzt kann man nur hoffen, dass Benedikt XVI. eine glückliche Hand hatte, dass der neue IOR-Präsident ein sehr dickes Fell hat. Denn bei der Führung der Bank reden nicht nur Kardinäle mit. Auch Geheimdienste, sinistere Geschäftemacher und die Mafia werden genau beobachten, was in der Bank geschieht. (basn;luek)