Zum Inhalt springen

Parlamentswahlen in Irak Über Euphrat und Tigris kreisen die Pleitegeier

Legende: Audio Die heutigen Wahlen finden in einem ökonomisch siechen Land statt. abspielen. Laufzeit 2:07 Minuten.
2:07 min, aus HeuteMorgen vom 12.05.2018.
  • Egal welche Partei die heutige Parlamentswahl im Irak gewinnt – auf die Sieger warten riesige wirtschaftliche Baustellen.
  • Wäre die Wirtschaft dieses Landes eine kranke Person, sie läge auf der Intensivstation.
  • Es gäbe pragmatische Politiker, die die Probleme lösen könnten, meint ein Wirtschaftsexperte. Sie müssten aber an die Schalthebel der Macht gewählt werden.

Könnte man Herz und Lungen eines Landes mit einem Stethoskop abhören, würde es im Fall des Patienten Irak gar nicht gut tönen. Entsprechend schlecht ist denn auch die Diagnose, die der Ökonom Amaral Asas dem Land ausstellt.

Chronisches Leiden

Der Irak leidet nach fast vierzig Jahren Krieg unter einer chronischen Krankheit. Richtig schlimm wurde dieses Leiden zur Zeit der US-Wirtschaftssanktionen in den 1990er Jahren.

Diese schwächten Herz und Lungen der irakischen Wirtschaft: «Mangel an Ersatzteilen würgten die Industrie ab. Auch die Durchblutung des Gehirns wurde immer schlechter. Es fehlte Geld für Schulen und Universitäten. Die Fachkräfte, die der Staat teuer ausgebildet hatte, wanderten aus», bilanziert Asas.

Aus krank wurde sterbenskrank

Die Wirtschaftssanktionen breiteten sich wie eine Infektion im ganzen Körper aus. Die Gesellschaft zerfiel, erklärt Asas: «Weil die Leute Hunger hatten, schauten sie zuerst für sich und nicht mehr für andere.»

Die US-Invasion 2003 machte aus dem kranken Patienten dann definitiv einen Fall für die Intensivstation. Tausende Regierungsbeamte wurden entlassen, weil sie Mitglieder in Saddam Husseins Baath-Partei waren. Fachwissen in der Regierung ging verloren, die Entlassenen fanden keine Arbeit in der Privatwirtschaft.

Der Teufelskreis

Viele der Betroffenen radikalisierten sich und terrorisierten den Staat. Je mehr Gewalt, desto weniger Investitionen – ein Teufelskreis aus dem der Irak auch nach der Vertreibung des IS nicht so schnell herauskommt, meint der Wirtschaftsprofessor: «Wer will schon in einem Land investieren, das zu den korruptesten der Welt gehört.»

Diagnose also: Unheilbar krank? Nicht ganz unheilbar, meint Amaral Asas. Der Experte sieht trotz allem einen Funken Hoffnung. Der Irak habe dank Öleinnahmen genug Geld, um seine Probleme zu lösen. Pragmatische Politiker müssten ran. Solche gebe es – sie müssten jetzt nur noch gewählt werden.

Zahlen und Fakten zum Irak

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Edwin Schaltegger (Edwin Schaltegger)
    Hier hätten die USA beweisen können, dass durch IRAK Kriegseinsat mit der Eliminierung von Sadam Hussein eine vernünftige wirtschaftliche und politische Entwicklung dieses Landes stattfindet. Die USA hat in dieser Beziehung kläglich versagt den IRAK politisch und wirtschaftlich zu stabilisieren. Der ehemalige US-Verwalter Bremer, Minister of Defence Rumsfeld und Präsident Bush haben krass versagt. Als Resultat der letzen Wahlen ist heute der Irak eine Filiale des US-Erzfeindes Iran!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von S. Petrovic (S.Petrovic)
    Eigentlich sollen Agressoren für den Wiederaufbau vom Irak zahlen. Die haben Krieg und elend gebracht und das unter falschem Vorwand und ohne UNO Resolution.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rudolf Baumberger (R.Baumberger)
    Ist ja kaum zu glauben immer noch mehr als 500 Zeichen inklusive Leerschlag in einem Bericht.Das muss die Präzision auf dem Gebiet des Quellinformations-zeitalter sein Netzwerkstruktur=Netzwerkdiktatur.Ein Bürde allerdings das wieder mal ein weiterführender Quellenbezugshinweis dabei ist der nicht aus dem 'eigenen' Most gewachsen ist.Es ist wirklich nicht nötig sich weitere Datensheets zuzumuten. Hier ist alles belegt non konform Konsumgerecht.Kaum zu toppen diese neue 5 Minuten Terrine. bravo
    Ablehnen den Kommentar ablehnen