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International Pjöngjang tritt in den Kriegszustand: Südkorea bleibt gelassen

Nordkorea ruft den Kriegszustand aus. «Keine wirklich neue Drohung», heisst es gelassen aus Südkorea – die beiden Länder befinden sich formal ohnehin noch im Krieg. Die USA nehmen die Ankündigung trotzdem «ernst».

Legende: Video Nordkorea ruft den Kriegszustand aus abspielen. Laufzeit 03:15 Minuten.
Aus News-Clip vom 30.03.2013.

Nordkorea hat seine Drohungen abermals verschärft und den «Kriegszustand» mit Südkorea verkündet. Alle Angelegenheiten zwischen beiden Staaten würden von nun an entsprechend behandelt, hiess es in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung.

«Das ist keine wirklich neue Drohung», erklärte das südkoreanische Vereinigungsministerium. Die Ankündigung sei vielmehr Teil einer «Reihe provokativer Drohungen». Das Verteidigungsministerium in Seoul erklärte, bislang sei entlang der gemeinsamen Grenze keine entscheidende Truppenbewegung beobachtet worden.

Südkoreas Drohungen haben Geschichte

Ähnlich sieht es auch SRF-Asien-Experte Martin Fritz. Er würde das Ganze als Bluff abhaken. «In Wirklichkeit handelt es sich um ein langwieriges, strategisches Machtspiel mit den USA», so Fritz. Kim gehe es darum, dass die USA sich mit ihm an einen Tisch setzen und dass man auf Augenhöhe gleichberechtigt verhandelt, um einen Schlussstrich unter den Koreakrieg zu ziehen.

Doch bisher negieren die USA das Säbelrasseln aus Pjöngjang. Die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats verweist lediglich darauf, dass Nordkorea eine «lange Geschichte der Kriegsrhetorik und Drohungen» habe. «Die heutige Ankündigung folgt diesem bekannten Muster.»

Am Freitag hatte die kommunistische Führung in Pjöngjang Raketeneinheiten für einen Angriff auf US-Stützpunkte in Bereitschaft versetzt. Damit reagiert Nordkorea nach eigener Ansicht auf ein gemeinsames Manöver der USA und Südkoreas, in dessen Rahmen zwei US-Tarnkappenbomber über den südlichen Teil der koreanischen Halbinsel flogen.

Kriegsrhetorik ist nichts Neues

Nord- und Südkorea befinden sich seit dem Ende des von 1950 bis 1953 dauernden Korea-Krieges formal im Kriegszustand, da sie keinen Friedensvertrag geschlossen haben. Unlängst hatte die Regierung in Pjöngjang erklärt, der Waffenstillstand habe keine Gültigkeit mehr.

«Wenn Nordkorea sagt, man befindet sich im Kriegszustand, dann hört sich das zwar schlimm an, aber de facto herrscht seit dem Ende des Koreakrieges seit 1953 weiter Kriegszustand», bestätigt auch Martin Fritz. Deswegen habe Südkorea auch relativ gelassen reagiert, da es keine besonders neue Drohung sei, so der Asien-Experte.

Moskau mahnt Pjöngjang

Russland hat alle Konfliktparteien zur «Zurückhaltung» aufgerufen. «Natürlich können uns die Spannungen an unserer östlichen Grenze nicht kaltlassen», sagte der Sondergesandte des Aussenministeriums, Grigori Logwinow, der Agentur Interfax. Das Aussenamt in Moskau schätze die Lage als «sehr angespannt und gefährlich» ein.

Weitere Drohung ausgesprochen

Nordkorea hat derweil auch die Schliessung des gemeinsam mit Südkorea betriebenen Industrieparks in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong angedroht.

Südkorea würde behaupten, dass Nordkorea die Einrichtung nur betreibe, weil diese eine Devisenquelle für das Land sei, sagte ein Sprecher von den Staatsmedien.

Propaganda auf youtube

Das Regime in Nordkorea nutzt für seine Propaganda gegen die USA und seinen südlichen Nachbarn nun verstärkt das Internet. Vor allem YouTube spielt in den Machtzirkeln Pjöngjangs eine immer wichtigere Rolle. http://youtube.com/uriminzokkiri .

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21 Kommentare

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  • Kommentar von T.Hofer, Rosshäusern
    Die Sowjetunion zeigte auf, wie Kommunismus am wirtschaftlichen Niedergang zugrunde geht. In China können wir beobachten, wie er sich Schrittweise selber abschafft, um einen solchen Zusammenbruch zu vermeiden. An Nordkorea sehen wir nun, wo Kommunismus hinführt, wenn der wirtschaftliche Untergang durch Hilfsgüter von ausserhalb ausgeglichen wird.
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      @P. Christ: Ich war wohl noch nie in Korea, aber ich habe mich mit diesem Land und auch mit China, Japan und Vietnam viele Jahre lang intensiv beschäftigt, und zudem habe ich hier um mehrere Ecken herum Kontakte. Sie können hier nicht erzählen, dass in Südkorea überhaupt kein Hass mehr herrscht, weil fast jede Familie im Krieg ein Mitglied verloren hat, schliesslich fand der Krieg vor allem im Süden statt. Natürlich will auch dort niemand Krieg, aber der Hass ist z.T. immer noch da.
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    2. Antwort von Juha Stump, Zürich
      @P. Christ, 2. Teil: Gerade dieser z.T. immer noch vorhandene Hass - nach meinem Wissen haben die Koreaner dafür ein noch längeres "Gedächtnis" als z.B. die Japaner oder Chinesen - trägt aber entscheidend dazu bei, dass die Kampfmoral in der südkoreanischen Armee auch heute noch sehr hoch ist. Das wissen auch die Generäle nördlich der Grenze, die deshalb gut beraten wären, den Jüngling auf dem Thron davon zu überzeugen, dass es besser wäre, mit dem rhetorischen Krieg aufzuhören.
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  • Kommentar von Hans Berger, Bern
    Diese Fahne macht mir mehr Angst als die von Freysinger!!!
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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Hier habe ich noch eine Info für alle, die sich ein wenig in diesen koreanischen Konflikt eindenken wollen und das vielleicht noch nicht wissen - mit der Hoffnung, dass Madame Netiquette sie durchlässt: Der im Jahr 2004 hergestellte südkoreanische Spielfilm "Tae Guk Gi", der im YouTube auch unter "War Brotherhood" angeklickt werden kann und mehr als zwei Stunden dauert, zeigt deutlich genug, warum der gegenseitige Hass noch heute ziemlich stark ist, aber im Süden noch mehr.
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Dieser Konflikt da birgt sehr erhebliche geopolitische und globale Risiken in sich. Das da, was mal als Polizeiaktion genannt wurde ist eben ein typischer "kalter Krieg, der auch sehr heiss werden kann". Dohungen sind ernst zu nehmen. Ob der "Schnuderi" wirklich nicht mehr die Unterstützung der Chinesen hat, zeigt sich effektiv erst wirklich, wenn's darauf an kommt. Mit Ueberraschungen ist zu rechnen.
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    2. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Tatsächlich wurde im Sommer 1950 das Eingreifen der UNO-Truppen unter der Führung der Amis zuerst als eine Art Polizeiaktion angesehen. Ohne das Eingreifen der Chinesen, denen auch ich nicht ganz traue, wäre dieser Krieg schon im Herbst des gleichen Jahres beendet und Korea wiedervereinigt worden, weil Nordkorea militärisch bald unterlegen war. Gerade damals ist aber auch diese enge "Blutsbruderschaft" zwischen den Amis und Südkoreanern geschlossen worden, die noch heute besteht.
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    3. Antwort von Pascal Christ, Schönenwerd
      Ein Spielfilm sagt gar nichts über das Aktuelle aus, schliesslich spielt der im Krieg von vor 60 Jahren. Logisch ist Hass im Krieg gross. Wer aber jemals in Südkorea war, weiss, dass sich dort niemand Krieg wünscht oder Hass auf das nordkor. Volk hat. Im Gegenteil, sie sehen das normale Volk als verlorene Brüder und Schwestern. Viele Südkor. Fam. haben Verwandte im Norden und wurden durch den Krieg getrennt. Warum hat wohl der Süden nie militärisch geantwortet nach Anschlägen des Norden...
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    4. Antwort von Pascal Christ, Schönenwerd
      @Juha Stump Ihnen empfehle ich eine Reise nach Sükorea und intensiven Kontakt mit Einheimischen, bevor Sie über Hass unter den beiden Völkern sprechen und solche Aussagen liefern. Übrigens sind die Briten, wenn man nach den Bond-Filmen das ganze Volk beurteilt, auch ganz furchtbare Menschen. Die gehen nämlich in allen anderen Ländern respektlos Kulturgüter zusammenschiessen und über den Haufen fahren. Mit freundlichen Grüssen
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