Polizei schlägt Proteste in Ägypten mit Gewalt nieder

Auch am vierten Jahrestag der Revolution beweist das ägyptische Regime seine Macht mit aller Härte. 18 Menschen wurden seit Samstag getötet. Der tragische Tod einer Demonstrantin beschäftigt nun Aktivisten. Die 34-Jährige wurde von Kugeln getroffen, als sie Blumen für die Opfer niederlegen wollte.

Demonstrantin in Kairo bevor die Schüsse fallen. (Twitter/Osama Hamamm)

Bildlegende: Shaimaa El-Sabag (links im Bild) demonstriert in Kairo – dann fallen Schüsse. Twitter/Osama Hamamm

Zum vierten Jahrestag der Revolution von 2011 gingen in Ägypten abermals Demonstranten auf die Strasse. Die einen, um an den Beginn der Revolte zu erinnern; die anderen, den mehreren Hundert Opfer der Proteste zu gedenken; und wieder andere gingen als Anhänger des gestürzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi auf die Strasse. Die Folgen waren vielerorts die gleichen: Das Militär löste die Proteste binnen Minuten auf. Mehrere Menschen kamen ums Leben.

Die 34-jährige Shaimaa El-Sabag wird von Schrottkugeln getroffen und stirbt wenig später. (reuters)

Bildlegende: Die 34-jährige Shaimaa El-Sabag wird von Schrottkugeln getroffen und stirbt wenig später. Reuters

Mehrere Todesopfer in Kairo und Alexandria

Zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei kam es im Kairoer Viertel Matarija. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden starben dort mindestens zehn Menschen. Protestierende hätten zuvor mit Schrotkugeln auf die Sicherheitskräfte geschossen, hiess es. Bei den Toten soll es sich um Islamisten und Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi gehandelt haben.

Auch in Alexandria wurde ein demonstrierender Islamist von Polizisten erschossen. Der Mann soll ebenfalls auf Beamte geschossen haben, wie die Polizei mitteilte. Diese hätten daraufhin das Feuer erwidert und den Mann erschossen. Auch im Norden Ägyptens starben nach Polizeiangaben Menschen.

Tragischer Tod einer jungen Mutter

Bereits am Samstagabend hatte es im Zentrum von Kairo einen Protestmarsch linker Demonstranten gegeben, bei dem es zu Zusammenstössen mit der Polizei kam. Dabei starb eine 34-jährige Demonstrantin durch Schrotkugeln.

Die Geschichte geht seither via Internet um die Welt. Eine Handvoll Aktivisten wollte für den Jahrestag des Aufstandes gegen Mubarak Blumen und Kränze für die damals getöteten 840 Demonstranten auf dem Tahrir-Platz niederlegen. Die Polizei löste die Ansammlung mit Gewalt auf. In den Tumulten stirbt die junge Mutter. Das Ereignis wird gefilmt und fotografiert. Diese Bilder führen in den sozialen Netzwerken zu einem Aufschrei.

Nach Angaben von Protestteilnehmern wurden die Kugeln von der Polizei abgefeuert, um die Menge auseinanderzutreiben. «Da waren keine 20 Menschen unterwegs und sie trugen nur Blumen», sagte Khaled Daud von der Verfassungspartei. Zudem seien zum Zeitpunkt der Schüsse nur die Demonstranten und die Polizei auf der Strasse gewesen: «Niemand sonst kann geschossen haben ausser der Polizei.» Das Innenministerium hingegen machte nicht näher definierte «Bewaffnete» verantwortlich.

Versammlungen verboten

Der Tahrir-Platz war 2011 das Zentrum der Proteste, die zum Sturz Mubaraks nach 30 Jahren an der Macht führten. Der staatlichen Nachrichtenagentur Mena zufolge wurde der Platz am Sonntag von 22 gepanzerten Armeefahrzeugen gesichert. Die Zugangstrassen waren gesperrt.

In Ägypten fällt der Jahrestag der Revolution von 2011, die zum Sturze des Langzeitherrschers Hosni Mubarak führte, stets auf den landesweit gefeierten «Tag der Polizei». Der 25. Januar ist daher Feiertag, Versammlungen zu Ehren der 2011 getöteten Demonstranten werden jedoch aus Sicherheitsgründen verboten.

Bereits in der abgelaufenen Woche hatte es Kundgebungen in Kairo und Alexandria gegeben. Vor einem Jahr waren bei Protestversammlungen zum Jahrestag Dutzende von Demonstranten getötet worden.

Al-Sisi versucht zu beruhigen

Präsident Abdel Fattah Al-Sisi würdigte am Samstag die Anstrengungen der Ägypter, die vor vier Jahren für Veränderungen eintraten. Um alle Ziele der Revolution zu erreichen, brauche es aber Geduld, mahnte er. Sisi hat zwar Schritte zur Belebung der Wirtschaft angestossen. Aber Menschenrechtler sehen eine Rückkehr zur autoritären Herrschaft.