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International Portugal: Wer kann, wandert aus

Viele Portugiesen verlassen ihr hoch verschuldetes Heimatland aus Angst vor Arbeitslosigkeit und Hunger. Oft kommen sie nach Deutschland oder in die Schweiz. Aber immer häufiger zieht es sie auch in die ehemaligen Kolonien.

Portugal erlebte in den letzten Jahren eine der grössten Auswanderungswellen. Wegen der schlechten Wirtschaftslage finden viele kein Auskommen mehr in ihrem Heimatland. Experten vergleichen die Auswanderungswelle mit der Massenmigration der 1970er-Jahre.

In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Auswanderer massiv gestiegen. 2008 haben 20‘357 Personen das ärmste Land Westeuropas verlassen. 2012 waren es bereits 51‘958.

Krise trifft Norden Portugals besonders hart

Beliebtes Zielland ist auch die Schweiz. An der Spitze der Einwanderer stehen die Portugiesen. Viele kommen aus dem Norden des Landes. Denn dort ist die Arbeitslosigkeit in einigen Gemeinden weit über dem Landesdurchschnitt.

Legende: Video Portugiesen flüchten vor Rezession abspielen. Laufzeit 2:52 Minuten.
Aus Tagesschau vom 22.07.2013.

Der Norden Portugals war bis vor Ausbruch der Wirtschaftskrise das Zentrum der portugiesischen Textilindustrie. Wegen der Konkurrenz aus asiatischen Billiglohnländern gingen Fabriken ein, Zehntausende wurden entlassen. Darum kommen viele Zuwanderer aus Ortschaften nahe der Barockstadt Porto.

SRF-Korrespondent Christian Vogt traf vor Ort Pedro Valente. Der Bauarbeiter und Familienvater führte zehn Jahre lang ein eigenes Baugeschäft. Seit zwei Jahren fehlen die Aufträge, Valente musste Ende 2011 seine fünf Mitarbeiter entlassen. Auch er überlegt sich, Arbeit in der Schweiz zu suchen: «Es gibt hier nur noch kleine Aufträge, während einer Woche vielleicht. Zum Beispiel Ziegel auswechseln, ein paar Malerarbeiten. Danach läuft meistens lange nichts, keine Arbeit, die uns weiterbringt.»

Zurück in die ehemaligen Kolonien

Aber anders als in den 1960er- und 1970er-Jahren, als die Menschen vor allem in Frankreich und auch in Deutschland oder der Schweiz bessere Arbeits- und Lebensbedingungen gesucht haben, sind die Ziele heute auch die früheren Kolonien Brasilien, Angola und Mosambik.

Die Auswanderung führt allerdings nicht immer ins erhoffte «Paradies». Das Staatssekretariat für Auswanderung in Lissabon schreibt dazu: Viele Menschen, die im Ausland Jobversprechen erhielten, würden am Ende nicht selten Opfer von Ausbeutung und Zwangsarbeit.

Portugal hängt wie Griechenland, Irland und Zypern am internationalen Finanztropf. Das Land steuert auf das dritte Rezessionsjahr in Folge zu. Die Arbeitslosenquote stieg auf das Rekordniveau von mehr als 18 Prozent. Sie läge noch weit höher, wenn die stetige Auswanderung nicht als Ventil diente.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von B. Rosenberg, Saland
    Die südeuropäischen Länder hatten nur ein Ziel mit dem Beitritt in die EU, sich am Geldhahn der EU anzudocken. Milliarden für Infrastruktur sind all die Jahre z.B. nach Südspanien geflossen. Und was hat's gebracht? Durch den Betritt in die Eurozone haben diese Länder Ihre Konkurrenzfähigkeit aufgegeben. Die Deutschen profitieren davon. Würde z.B. Portugal aus der Eurozone austreten, wären sie mit eigener Währung wieder wesentlich konkurrenzfähiger. Dies wäre sehr schlecht für Deutschland!!!!
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    1. Antwort von Gerhard Himmelhan, 3904 Naters
      @Rosenberg, wenn Portug. Spanien, Griechenl. u.a. aus der EU austreten müssen die Geberländer weniger bezahlen! So einfach ist das. Für die südeuropäische "Wirtschaft" wär das, das Aus. Wie könnte ein Land bei so einer Entscheidung konkurrenzfähiger werden. Wie unwissend! Mit Agrarprodukten alleine ist kein Blumentopf zu gewinnen. Die EU hat es z.B. versäumt die Bekleidungsfirmen daran zu hindern sich nach Asien abzusetzen, um nur einen Kapitalfehler zu nennen. Ist im Bericht richtig erwähnt.
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    2. Antwort von Hansi Dragoner, Drachenstein
      Portugal, Spanien, Italien ernsthafte Wettbewerber für Deutschland ?Ich heb mir den Bauch vor lauter Lachen Die haben doch, außer Tourismus, wo sie wiederum hauptsächlich von den Deutschen abhängig sind, wenig anzubieten. Das ist nur seit der EU so, sondern spätestens seit Ende 19. Jahrhundert immer so. Im übrigen bei eigener Währung: Die Schulden die selbige verbrochen haben, die bleiben! Man kann eben letztlich nur das verbrauchen, was man erarbeitet und was andere Länder abnehmen.
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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Gross war die Hoffnung damals, als arme Länder wie Griechenland und Portugal der EU betraten. Hoffnung, dass alles Besser werden würde. Irrtum, alles ging stattdessen bachab. War ja auch klar. Egal wieviel Milliarden noch reingepumpt werden. Entweder fliesst das Geld den Reichen und Politikern zu oder es versickert in einer Wirtschaft, die nie und nimmer den hohen EU Standards die Deutschland vorlegt entsprechen kann und wird. Dumm nur, dass die grössenwahnsinnige EU nichts draus lernt.
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    1. Antwort von E.Wagner, Zug
      Die EU hat Angst es zuzugeben, weil sie damit ihr wahres Gesicht verlieren würde. Nämlich die Gier nach Macht. Nur gut dass wir nicht dabei sind. Auch nicht mit dem Hintertürchen wie einige Gutmenschen es möchten.
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    2. Antwort von Hansi Dragoner, Drachenstein
      @Wagner: "Gier nach Macht" Ich glaub da tickts nicht recht. Sind wohl andere Gründe. Österreich beispielsweise hat sein BIP seit Eintritt in die EU und den EURO um mehr als verdoppelt! Sie sollten mal einen Faktencheck machen. Wenn andere untätig sind, ist nicht die EU schuld werter Eidgenosse
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