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International Pro-russische Kräfte stürmen Polizeizentrale in Odessa

Die Ukraine-Krise hat sich dramatisch verschärft: Pro-russische Demonstranten attackieren die Polizeizentrale in Odessa. Sicherheitskräfte gehen derweil im Osten des Landes weiter hart gegen Separatisten vor. Moskau kritisiert die passive Haltung des Westens und fordert ein Eingreifen.

Legende: Video Stürmung der Polizeizentrale (unkomm.) abspielen. Laufzeit 0:21 Minuten.
Vom 04.05.2014.

In der südukrainischen Stadt Odessa eskaliert die Gewalt: Eine mit Knüppeln bewaffnete Menge stürmte die Zentrale der Polizei, um moskautreue Gesinnungsgenossen zu befreien. Spezialeinheiten drängten die Angreifer laut örtlichen Medienberichten zuerst zurück.

Ukraine-Karte: Die Städte Odessa, Kiew und Slawiansk sind markiert.
Legende: In Odessa überschlagen sich die Ereignisse. SRF

Unter dem Druck der Demonstranten habe die Polizei später aber zahlreiche Gefangene freigelassen, die nach den jüngsten Unruhen festgenommen worden waren. Augenzeugen sprachen von 30 Menschen.

Bereits am Freitag war es in Odessa zu schweren Strassenschlachten zwischen Anhänger und Gegner der Übergangsregierung in Kiew gekommen.

Kiew setzt Offensive gegen Separatisten fort

Die ukrainischen Sicherheitskräfte gehen derweil weiter verstärkt gegen Separatisten im Osten des Landes vor. Das teilte Innenminister Arsen Awakow in Kiew mit.

Ukrainische Soldaten halten die Stellung
Legende: Nervenkrieg: Die ukrainischen Sicherheitskräfte gehen verstärkt gegen Separatisten vor. Reuters

In der Grossstadt Lugansk im Osten des Landes starb bei Schusswechseln mindestens ein Aktivist, zwei weitere wurden verletzt.

In Mariupol begannen die Regierungseinheiten mit dem Sturm auf ein besetztes Verwaltungsgebäude. «Sie haben uns fünf Minuten gegeben, um das Haus zu verlassen, und danach das Feuer eröffnet», sagte Separatistensprecher Michail Krutko.

Nahe der Stadt Kostjantyniwka räumten die Milizen offenbar nach einem Angriff einen Kontrollposten, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten. Im Zentrum der Stadt, in der die bewaffneten Aktivisten seit Ende April das Rathaus besetzt halten, wurden Barrikaden errichtet.

Russland drängt Westen zum Handeln in der Ukraine

Lawror
Legende: Russlands Aussenministerium kritisiert die «Strafaktion gegen das eigene Volk» und fordert Taten. Keystone

Russland fordert von der OSZE und dem Europarat eine scharfe Reaktion auf die «Anti-Terror-Operation» in der Ostukraine. Die Regierung in Kiew führe eine «Strafaktion gegen das eigene Volk» durch, aber der Westen schweige dazu, kritisierte das Aussenministerium in Moskau.

Russland könne nicht glauben, dass die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) nicht informiert sei über das «Blutvergiessen, das schiessende Truppen an unbewaffneten Menschen» anrichteten, hiess es in einer Mitteilung. Moskau rufe den Westen deshalb mit Nachdruck auf, auf die «tragischen Ereignisse in der Ukraine schnell zu reagieren».

Die Entwicklungen vom Wochenende im Überblick:

Angriffe in der
Ostukraine


An der Grenze zu Russland herrschen zunehmend bürgerkriegsähnliche Zustände.
Die Armee rückt in vielen Grossstädten vor. Bei den Gefechten gibt es Tote und
Verletzte. In Donezk nehmen die Separatisten wieder ein Geheimdienstgebäude
ein.

Russlands Reaktion

Noch vor kurzem hatte der Kreml einen Einmarsch für den Fall angedroht,
dass die russischstämmige Bevölkerung in der Ostukraine zu Schaden kommt.
Moskau belässt es nun bei scharfer Kritik: Kiew führe eine «Strafaktion gegen
das eigene Volk» durch.

Freilassung der
Geiseln


Nach mehr als einer Woche Geiselhaft kommen die OSZE-Beobachter, unter
ihnen vier Deutsche, frei. Wie dramatisch ihre Lage war, schildert ein
tschechischer Offizier. Die Männer hätten mehrfach das Gefühl gehabt, in
Lebensgefahr zu sein.

Lage in anderen
Regionen


Die Gewalt greift auf die Stadt Odessa über, die einst als Metropole des
Humors und der Toleranz galt. Mehr als 40 Menschen kommen ums Leben. Die
meisten sterben im grossen Gewerkschaftshaus, das von Randalierern in Brand
gesetzt wurde.

54 Kommentare

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  • Kommentar von N.Belg, Luzern
    B.Christen He-he, Putin hat keine Interesse an eine instabilen Ukraine, bevor sie etwas schreiben, überlegen Sie warum. Die Kiew Regierung selber verhindert die Wahlen, da sie eigenes Volk misshandeln, anstatt Dialoge zu führen. Eine illegitime Regierung wird legitim, aber die Puppen sind die gleichen.
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  • Kommentar von Artur Kohlmeier, Opfikon
    Ja ich! In Sewastopol und lebe seit Jahren in der Schweiz. Was Sie da schreiben Herr Josi ist total realitätsfremd. Es gibt Tote auf beiden und es gibt Faschismus in der Ukraine. '' slava ukraine'' ubersetzt'' heil ukraine''.
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Der Fall ist ziemlich klar: Putin will die Wahlen vom 25. Mai in der Ukraine verhindern und lässt deshalb Unruhe und Konflikt provozieren; dazu setzt er geschickt Agitatoren und Schlägertrupps ein, die die Sache am Brodeln halten. Falls das Ganze eskaliert, hat er gleich auch noch einen Grund einzumarschieren, um die russische Minderheit vor den ukrainischen "Faschisten" zu "beschützen."
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    1. Antwort von N.Belg, Luzern
      Eher umgekehrt, die illegitime Regierung will die Truppen auch nach Odessa schicken, sonnst waren sehr friedliche "Separatisten", deshalb wurde dieses Chaos provoziert.
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    2. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Belg - hahaha, "sehr friedliche "Separatisten""? Ja, genau so sieht's aus. Ich hoffe, Sie werden für Ihre Agitprop gut bezahlt. Die Frage ist immer dieselbe: Cui bono? Wer hat an einer instablen Ukraine ein Interesse? - Und die Antwort darauf ist sehr, sehr einfach: Herr Putin! Wenn er durch diese Unruhen die Wahlen vom 25.5 verhindern kann, kann keine neue Regierung gewählt werden und das Land nicht zur Ruhe kommen. Und genauso das will man in Moskau!
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    3. Antwort von W. Helfer, Zürich
      B. Christen. Erklären Sie doch mal, warum Putin ein Interesse an einer instabilen Ukraine haben soll und warum er angeblich die Wahlen verhindert. Er steht ja hinter den Wahlen. Mir kommt es eher so vor, dass die USA/NATO/EU angst davor haben, dass ihre gewünschten Kandidaten nicht gewählt werden und die Regierung in Kiew immer mehr anheizen.
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