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Protest gegen Benzinpreise Lastwagenfahrer legen Brasilien lahm

Legende: Audio Lastwagenfahrerstreik legt Brasilien lahm abspielen. Laufzeit 2:27 Minuten.
2:27 min, aus Echo der Zeit vom 26.05.2018.
  • Streikende Lastwagenfahrer haben weite Teile von Brasilien stillgelegt.
  • Aus Protest gegen hohe Treibstoffpreise haben die Chauffeure zahlreiche Landstrassen blockiert und ihre Arbeit niedergelegt.
  • Noch ist kein Ende des Streiks in Sicht.
Lastwagenfahrer demonstrieren gegen hohe Preise
Legende: Die Lastwagenfahrer Brasiliens wehren sich gegen steigende Benzin- und Dieselpreise. Reuters

Unter dem Streik leidet die Versorgung im grössten Land Südamerikas: Die Regale in zahlreichen Supermärkten und Apotheken bleiben leer, Tankstellen werden nicht beliefert. Wegen der Blockade mussten an elf Flughäfen Flugzeuge am Boden bleiben, unter anderem auch in der Hauptstadt Brasilia.

Stadt und Land sind betroffen

Die Grossstädte sind besonders stark vom Streik betroffen. Laut SRF-Südamerika-Korrespondent Ulrich Achermann herrscht in São Paulo und Rio de Janeiro der Notstand: «Der öffentliche Verkehr ist stark beeinträchtigt. Nur 40 Prozent der Busse verkehren dort.»

Gleichzeitig würden auf dem Land täglich 16 Millionen Liter Milch weggeschüttet, weil diese nicht zu den Molkereien transportiert werden könne.

Keine Einigung wegen Rechenfehlers

Die Treibstoffpreise in Brasilien orientieren sich am internationalen Rohstoffhandel. Dort waren die Ölpreise in den letzten Wochen gestiegen. Allein im Mai stieg der Benzinpreis um etwa 12 und der Dieselpreis um 9,3 Prozent. Gleichzeitig verlor die brasilianische Währung Real stark an Wert gegenüber dem US-Dollar.

Die brasilianische Abgeordnetenkammer wollte diese Woche den Lastwagenfahrern entgegenkommen und genehmigte eine Steuersenkung auf Treibstoffe. Aufgrund eines Rechenfehlers fiel die Verbilligung allerdings zu grosszügig aus - bis Ende Jahr hätten rund fünf Milliarden Franken in der Staatskasse gefehlt. Weil die Regierung ihr Veto einlegte, bleibt unklar, wie die Situation sich entwickeln wird.

Armeeeinsatz geplant

Nun soll das Militär die vom Streik betroffenen Überlandstrassen räumen. Doch damit sei die Blockade nicht zwingend beendet, erklärt Achermann: «Es wird lange dauern, bis sich die Lage wieder normalisiert. Das heisst aber noch nicht, dass die Transporteure ihre Arbeit dann wieder aufnehmen.»

Damit sei erst zu rechnen, wenn beide Parlamentskammern die Steuererleichterungen auf Treibstoff bewilligt haben.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Bär (ursinho007)
    Brasilien muss mit gar niemandem verhandeln. Brasilien ist heute zu 100% Selbstversorger, weshalb die Orientierung am Weltmarktpreis ein Witz ist. Es ist der einfachste Weg um den Normalbürger auszurauben! Die 1% Reichen beherrschen das Land. Z.B. muss wie in der Schweiz pro Auto eine Verkehrssteuer bezahlt werden. Für teure Luxusjachten, Flugzeuge oder Helikopter muss KEINE Verkehrssteuer bezahlt werden.
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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Mich wundert sehr, warum Brasilien da so betroffen ist beim Ölpreis. China hat viel tieferes Durchschnittseinkommen als Brasilien, und doch gibt es hier nicht den Hauch von Unzufriedenheit bei den Lastwagenfahrern, welche fix bezahlte Angestellte grosser Unternehmen sind. Immer mehr Öl wird direkt in RMB gehandelt, womit man unabhängig vom Wechselkurs ist. Brasilien könnte doch auch direkt mit Venezuela handeln, ohne US Dollar.
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  • Kommentar von Bruno Bär (ursinho007)
    Dieser Streik ist nötig, um die raubenden Politiker spüren zu lassen, dass gegen das moderne Raubrietertum Widerstand wächst. Jetzt nützen all die Wahnsinnsspesen nichts, um von Brasilia nach Rio oder São Paola ins Wochenend zu fliegen!
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