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International Putins umstrittene Biker: Wer sind die «Nachtwölfe»?

Am 25. April startet der von Russlands Präsident Putin geliebte Bikeclub «Nachtwölfe» eine Pilgerfahrt auf den Spuren der Roten Armee. Ziel ist es am 9. Mai – dem Jahrestag des Kriegsendes – in Berlin einzutreffen. Mehrere westliche Länder sind alarmiert. Ein Experte gibt einen Einblick in den Club.

Putin und Saldostanow an der Front eines Motorradumzuges.
Legende: Putin macht keinen Hehl aus seiner Sympathie zur Rockertruppe und fährt mit Saldostanow an der Spitze des Korsos. Keystone

SRF News: Eine russische Rockergruppe plant eine mehrtägige Frühlingstour, und schon sehen westliche Regierungen rot. Ist das nicht übertrieben?

Ulrich Schmid: Ich denke nicht, dass dieser Bike-Club eine reale Gefahr darstellt für den Westen. Aber es ist natürlich eine Symbolwirkung, die von diesen Bikern ausgeht. Man kann diese «Nachtwölfe» als eine Art post-moderne Kavallerie des neuen Imperiums des russischen Geistes bezeichnen. Sie nennen sich ja auch selber «allrussischer Bikeclub» und wollen damit deutlich machen, dass ihr Einfluss nicht einfach auf das Territorium der russischen Föderation beschränkt ist, sondern dass sie eigentlich auf das ganze Gebiet der ehemaligen Sowjetunion auswirken wollen.

SRF News: Auf manchen Fotos zeigen sich die «Nachtwölfe» in einem bunten Mix von zaristischen und stalinistischen Emblemen. Es gibt aber auch orthodoxe Motive, teilweise sogar Anleihen bei Fantasy- und Fabelwesen. Lässt sich daraus eine Art Weltanschauung herauslesen?

Ja, ich denke schon. Vor allem der Anführer Alexander Saldostanow ist so eine Art Comicfigur. Eine Mischung aus Mad Max und Fürst Wladimir. Fürst Wladimir war derjenige Fürst in der Kiewer Rus, der Russland im Jahr 988 christianisiert hat. Ich denke, diese Synthese von zaristischen und sowjetischen Traditionen passt genau auf die heutige Staatsideologie Russlands, in der man auch versucht, die imperiale Tradition – der gemeinsame Nenner des Zarenreichs sowie der Sowjetunion – fortzuführen.

SRF News: Die «Nachtwölfe» betonen stets, sie seien unpolitisch, gleichzeitig sagen sie, «wo wir sind, ist Russland». Wie passt das zusammen?

Die «Nachtwölfe» haben eine erstaunliche Evolution durchgemacht. Sie haben 1989 als ein Untergrundphänomen begonnen und sich gegen den offiziellen Staat, gegen die Politik gerichtet. In den 2000er Jahren hat sich das radikal geändert. Bis heute sehen sich die «Nachtwölfe» als Oppositionsbewegung. Allerdings ist der gemeinsame Gegner nicht mehr der russische Staat sondern der Westen. Man ist davon überzeugt, dass es der Westen auf Russland abgesehen hat. Dass es eine geheime Weltregierung von jüdischen Freimaurern gibt, die versuchen, über den Dollar das heilige Russland zu attackieren.

SRF News: Der Anführer Saldostanow selbst prahlt damit, seine Männer hätten bei der Annexion der Krim geholfen und in der Ostukraine gekämpft. Ist das glaubwürdig, dass sie auch selbst sehr aktiv sind?

Das ist schon glaubwürdig. Es gibt auch Filialen dieses Clubs in Luhansk und Donezk. Hier geht es aber wahrscheinlich mehr um die ideologische Unterstützung der pro-russischen Separatisten in der Ukraine. Saldostanow selbst sagt ja auch, die Ukraine und Russland gehören zusammen und es sei nicht zulässig, dass man die beiden Länder jetzt künstlich voneinander trenne. Das sei ein grosses Imperium.

SRF News: Noch ist unklar, ob die «Nachtwölfe» ihre Tour unternehmen können. Die polnische Regierung möchte sie am liebsten verbieten, auch Berlin ist skeptisch. Haben sie den Eindruck, es kommt wirklich dazu oder war es einfach eine Provokation?

Wahrscheinlich beides. Es ist sicher eine Provokation, aber es wird wohl schwierig sein, eine Rechtsgrundlage zu finden, aufgrund derer man eine Fahrt von 20 Motorradfahrern nach Berlin verbieten kann.

Das Interview führte Ursula Hürzeler

Ulrich Schmid

Der 1965 geborene Slawist und Literaturkritiker ist seit 2007 Professor für Kultur und Gesellschaft Russlands an der Uni St. Gallen. Seine Hauptforschungsgebiete umfassen Nationalismus in Osteuropa und Politik und Medien in Russland.

94 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet, Neustadt
    Zu einer anderen, alljährlichen Veranstaltung wurde aufgerufen, Motto: "Für ein friedliches Miteinander und gegen Gewalt und Intoleranz! GEWALT FÄHRT NICHT MIT" Motorraddemo, Rundkorso am 09. Mai 2015 in Berlin. Das wird bestimmt lustig, sollte sich Putins Rudel Nachtwölfe tatsächlich am 09. Mai nach Berlin rein wagen.
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  • Kommentar von Hasenauer Irina, 5722 Gränichen
    Die Hauptidee von diesem Fahrt wurde von Autor nicht genannt und zwar es ist die Erinnerung für Westen für die Kosten des Sieges von 2. Weltkrieges und die Gabe von Ehre für sowjetische Armee. Warum soll es verboten werden? Mehrere haben vergessen welche unglaubliche Kosten hat Russland diesen Sieg gekosten und wie viele Russen haben seine Leben geopfert, damit den Faschismus bekämpft sein konnte. Es wird leider von Westen vergessen und unterschätzt.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      Diese Typen, die auf ukrainischem Gebiet "kämpfen", bei der Annexion der Krim mitgewirkt haben, rechtsnationalistisch gegen alles demokratische gepolt sind, dürfen nicht in Berlin 'stolz' herumfahren. Man soll Putins Rudel nicht die Demokratie lächerlich machen sehen. Die Russen waren lange genug Besatzungsmacht, es ist mir neu, dass man mit einer solchen Provokation, ausgerechnet von den letzten Heulern Putins, Kriegstote ehrt. Sollen in Russland ihre Runden drehen.
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Putin und seinen prolligen Fascho-Biker - passt wie die Faust aufs Auge. Warum erteilt man diesem Pack nicht einfach ein Schengenraum-Verbot anstatt denen eine Triumphfahrt zu ermöglichen, die von der Russen-Propaganda nach allen Regeln der Kunst ausgeschlachtet werden kann? Ist die EU auch noch zu etwas fähig, ausser der Schweiz zu drohen?
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