Raketen auf Spitäler: Assad-Regime mitschuldig

Die Luftangriffe auf Spitäler in Syrien haben einen Sturm der Kritik an Russland ausgelöst. Nun hat ein Experte von Human Rights Watch eine der eingesetzten Raketen identifiziert. Diese wurden bislang nur vom Assad-Regime eingesetzt. Gleichzeitig fordert Ärzte ohne Grenze ein Ende solcher Angriffe.

Helfer bergen nach einem Angriff auf ein Spital medizinisches Material aus den Trümmern. (reuters)

Bildlegende: Im Krieg in Syrien werden immer mehr auch Gesundheitseinrichtungen bombardiert. Reuters

Am Montag wurden einerseits in der Stadt Asas in Syrien, nahe der türkischen Grenze, zwei Spitäler und eine Schule bombardiert. Mindestens 20 Menschen wurden dabei getötet. Zudem wurde eine Gesundheitseinrichtung in der Provinz Idlib angegriffen.

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Eskalation in Syrien

4:27 min, aus Tagesschau vom 16.2.2016

Im Laufe des Tages folgten dann Verurteilungen – und Beschuldigungen. Für die USA war rasch klar: das syrische Regime sowie Russland sind für die Angriffe verantwortlich. Für den syrischen Botschafter in Moskau stand fest: US-Kampfflugzeuge haben die Raketen abgeschossen.

Nun hat ein Waffenexperte der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) einen Blindgänger als ballistische Rakete identifiziert. Laut HRW ist diese Art von Flugkörpern im Krieg in Syrien bisher nur von Regierungstruppen eingesetzt worden. Zudem sei aus früheren Berichten bekannt, dass die Kurzstreckenrakete des Typs Totschka (SS-21, Nato-Bezeichnung «Scarab») in einer anderen Variante Teil des Arsenals des Regimes sei.

HRW fordert das Assad-Regime sowie seinen Verbündeten Russland auf, die Attacken auf Schulen und Krankenhäuser einzustellen.

«  Attacken auf Zivilisten und Spitäler müssen aufhören. Die Normalisierung solcher Angriffe ist unerträglich. »

Joanne Liu
Präsidentin Ärzte ohne Grenzen

Insgesamt waren bei den Angriffen am Montag in Nordsyrien laut Angaben der UNO fast 50 Menschen getötet worden. Eine weitere Klinik wurde bombardiert, die von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) unterstützt wird. Laut der Hilfsorganisation wurden dabei mindestens 25 Menschen getötet – unter ihnen neun medizinische Fachkräfte und 16 Patienten.

MSF-Chefin Joanne Liu gestikuliert an einer Pressenkoferenz. (keystone)

Bildlegende: MSF-Chefin Liu zu den Angriffen auf Spitäler: «Wir sagen es deutlich: Der Arzt deines Feindes ist nicht dein Feind.» Keystone

«MSF-Einrichtungen sind gefährdet»

Der Angriff auf das Spital in der Provinz Idlib am Montag war der 101. Angriff auf
eine von MSF unterstütze Gesundheitseinrichtung in Syrien seit Anfang 2015.

Laut der Hilfsorganisation wurden letztes Jahr Spitäler und provisorische Behandlungszentren insgesamt 94
Mal bombardiert oder beschossen. Dabei wurden 23 Mitarbeiter getötet.

MSF sagte in Genf dazu: Die MSF-Einrichtungen seien besonders gefährdet, seit die syrische Regierung 2012 alle Behandlungszentren für illegal erklärt habe, die Gewaltopfer in den von der Opposition kontrollierten Regionen versorgt würden.

«Vorsätzliche Angriffe auf zivile Einrichtungen sind zur Routine geworden», sagte MSF-Chefin Joanne Liu. Diese Angriffe würden im Militärjargon «double tap» (Doppelschlag) genannt. Das sei unfassbar, so Liu.

«  Wir sind Zeugen eines kollektiven, globalen Versagens. »

Joanne Liu
Präsidentin Ärzte ohne Grenzen

Laut MSF befinden sich derzeit bis zu 1,9 Millionen Syrer in belagerten Gebieten. Diese Menschen könnten nicht vor den Luftangriffen fliehen. Liu: «Sie benötigen dringend Medikamente, Nahrung und andere Hilfsgüter.»

Die Organisation fordert, «dass mehr Hilfe zugelassen und diese nicht behindert wird». Verletzte und Kranke müssten sofort evakuiert werden. «Menschen haben ein fundamentales Recht, vor einem Krieg zu fliehen.»