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Nach tödlichem Unfall Raser erstmals wegen Mordes schuldig gesprochen

Im Prozess um ein illegales tödliches Autorennen in Deutschland sind beide Angeklagten wegen Mordes verurteilt worden. Sie erhielten im Berliner Landgericht lebenslange Gefängnisstrafen.

Legende: Video Lebenslange Haftstrafen nach tödlichem Autorennen auf dem Kudamm abspielen. Laufzeit 01:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.02.2017.
  • In Deutschland sind zwei Raser erstmals wegen Mordes schuldig gesprochen worden.
  • Ein Gericht in Berlin verurteilte die 28 und 25 Jahre alten Männer zu lebenslangen Gefängnisstrafen.
  • Die beiden hatten sich in der Berliner Innenstadt ein Rennen geliefert. Bei einer Kollision starb ein Unbeteiligter.

Mit dem Urteil folgte das Gericht den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Es ist für diese Form der Raserei mit tödlichem Ausgang nach jetzigem Kenntnisstand bislang einmalig. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

Die Anklage hatte im Prozess argumentiert, die Männer hätten bei ihrem Rennen zwar niemanden vorsätzlich töten wollen, aber mögliche tödliche Folgen billigend in Kauf genommen. Juristen nennen das einen bedingten Vorsatz.

Die Verteidiger hatten dagegen Schuldsprüche wegen fahrlässiger Tötung für den einen Fahrer und wegen Gefährdung des Strassenverkehrs für den anderen gefordert.

Sie argumentierten, der Vorsatz, an einem Rennen teilzunehmen, sei nicht mit einem Tötungsvorsatz gleichzusetzen. Ihnen würde «bei so einer Fahrt das Risiko nicht in den Sinn kommen». Die Männer seien davon ausgegangen, alles unter Kontrolle zu haben.

160 Kilometer schnell gefahren

Die beiden Männer im Alter von 28 und 25 Jahren hatten in der Nacht zum 1. Februar 2016 einen schweren Unfall in der Nähe des Berliner Edel-Kaufhauses KaDeWe (Kaufhaus des Westens) verursacht. Der eine Raser rammte einen Jeep, dessen 69-jähriger Fahrer starb.

Bei der Fahrt hatten die beiden jungen Männer mehrere rote Ampeln überfahren. Beim Zusammenstoss fuhren sie etwa 160 Stundenkilometer schnell.

Eine Verkehrspsychologin beschrieb im Prozess einen der Männer als Autofahrer, der «massiv selbstüberschätzend» unterwegs gewesen sei. Bei dem Rennen sei es ihm darum gegangen, «zu gewinnen und dadurch sein Ego aufzuwerten». Der Mann habe kein Bewusstsein für seine eigene Schuld.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Heimberg (tomfly)
    Ich weiss, ich setzte mich ins Wespenest, aber für mich geht das Urteil zu weit. Mord setzt eine Absicht und einen persönlichen Vorteil aus dem Tod des Opfers voraus. Das ist hier nicht der Fall. Und wenn wir es weiterspinnen? Sie fahren „korrekt“ und überfahren jemanden. Warum nicht hier auch „Lebenslänglich“? Wegen Ihnen ist jemand tot und Sie haben eine tödliche Waffe dazu benutzt. „Ich bin korrekt gefahren“ macht für das Opfer keinen Unterschied und ist kein Trost und keine Hilfe.
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    1. Antwort von Christian Szabo (C. Szabo)
      Wenn Sie den Unterschied zwischen normaler Teilnahme am Straßenverkehr und Missbrauch einer öffentlichen Strasse für ein privates Rennen nicht erkennen, dann haben Sie ein Problem. Das Leben an und für sich birgt immer ein Risiko, gleich wo man ist. Im Straßenverkehr ist es oft noch riskanter. Doch ein Rennen ist vorsätzliche, skrupel- oder hirnlose Gefährdung fremdes Lebens.
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    2. Antwort von Thomas Heimberg (tomfly)
      @Szabo: Nein, ich sehe es schon und ich gebe Ihnen schon recht. Ich sage auch nicht 400Euro wären genug, sicher nicht. Aber Mord? Insbesondere "echte" Mörder und Terroristen oftmals mit weit geringeren Strafen davon kommen. Oder man muss nur noch besoffen oder unter Drogen gestanden haben und schon gib's mildernde Umstände.
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    3. Antwort von Karl Kirchhoff (Charly)
      Bei einem vorsätzlich illegalen Rennen wird immer die Gefährdung dritter billigend in Kauf genommen! Mildernde Umstände wegen Drogen oder Alkohol sind heute nur noch selten. Das liegt wohl im Ermessen des Richters.
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  • Kommentar von Horst W. Hablitz (Horst W. Hablitz)
    Missverständlich der letzte Satz des Artikels: will die Psychologin darauf hinweisen, dass der Täter zum Zeitpunkt des Rennens eingetrübten Bewusstseins gewesen ist? Oder dass er auch jetzt, nach der Tat schulduneinsichtig ist? Aber egal: ins Gefängnis mit all denjenigen, die ihr zum Wahnsinn aufgeblähtes Ego als Waffe einsetzen gegen normale Mitmenschen!
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Haupsache das Urteil wird auch in letzter Instanz bestätigt ,damit das dann ein für allemal klar ist.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Zu hoffen ist es! Schon für die Angehörigen des Opfer, oder allenfalls für Anghörige zukünftiger Opfer von solchen Rasern.
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