Razzia bei Schweizer Theaterstück in Moskau

Der Schweizer Regisseur Milo Rau lässt in einem Theaterstück in Moskau Staat und Kirche gegen die Kunst antreten. Die Behörden reagierten mit dem üblichen Reflex.

Rau im Theater in Moskau.

Bildlegende: Rau hat die Sicherheitskräfte in Moskau in Gang gesetzt. Keystone

Mit einer Razzia haben russische Behörden die Gerichtsshow «Die Moskauer Prozesse» des Schweizer Regisseurs Milo Rau über Kunstfreiheit unterbrochen. Mehrere Uniformierte des Migrationsdienstes kamen in das Sacharow-Zentrum in Moskau. Sie begannen, Rau und andere Ausländer zu überprüfen. Das Stück wurde drei Stunden unterbrochen.

Pussy-Riot-Mitglied dabei

Regisseur Rau sprach von «absurden Vorwänden». «Das zeigt, wie es ist», sagte er. In seiner Show befasst er sich unter anderem mit der inhaftierten Punkband Pussy Riot.

Kern des Streits sei wohl, ob Rau sich in Moskau angemeldet habe oder ob er für das Theaterspektakel eine Arbeitserlaubnis benötige, hiess es. Der Regisseur sprach von einem fast typischen Vorfall bei unliebsamen Kunstprojekten. «Da werden immer legale Sachen herbeigezogen», sagte Rau.

Vor der Razzia war das auf Bewährung aus der Haft entlassene Pussy-Riot-Mitglied Jekaterina Samuzewitsch zu Wort gekommen. Sie trat für das Recht auf freie Meinungsäusserung ein. Ihre Aktion mit den Strumpfmasken in der Erlöserkathedrale 2012 sei eine «politische Kunstaktion» gewesen.

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Der Pussy-Riot-Auftritt des Anstosses

0:31 min, vom 3.3.2013

Performance über Kulturkampf

In dem Spektakel, das auch als Doku-Drama verfilmt wird, geht es um Russlands Kulturkampf, um Zensur und darum, ob Kunst- und Meinungsfreiheit über den Interessen der Kirche stehen. Die Performance ist Teil eines Grossprojekts. Es endet im Juni in Bern.