Rechtsextreme drohen Griechenland – und zeigen Linke an

Die rechtsradikale Partei Goldene Morgenröte droht mit dem Rücktritt ihrer 18 Parlamentsabgeordneten. Damit will sie in der Finanzkrise Nachwahlen in Griechenland provozieren. Zudem wurde die Sozialistische Partei (Pasok) angezeigt.

Die Kraftprobe der rechtsradikalen Partei Goldene Morgenröte in Griechenland mit der Regierung verschärft sich. Die Partei erstattete vor dem höchsten Gericht Anzeige gegen die Sozialistische Partei (Pasok).

Holocaust geleugnet

Die Rechtsradikalen werfen den mit den Konservativen regierenden Sozialisten vor, verschwenderisch mit Geldern zur Parteifinanzierung umgegangen zu sein. «Wir haben Akten vorgelegt, mit denen Abgeordneten der Pasok ins Gefängnis geschickt werden.» Es gehe um mehrere Millionen Euro.

Die Abgeordneten der Goldene Morgenröte haben mit ihrem Auszug aus dem Parlament gedroht. Dieser Schritt würde Nachwahlen erforderlich machen, sagte Parteichef Nikolaos Mihaloliakos.

Die Polizei hatte Büros der Partei durchsucht und Mitglieder wegen unerlaubten Waffenbesitzes festgenommen. Die Justiz prüft, ob die Partei, die den Holocaust leugnet, als kriminelle Vereinigung einzustufen ist. Vorausgegangen war ein tödlicher Anschlag auf einen linksalternativen Sänger durch einen rechtsradikalen Anhänger der Partei.

Mitglieder der Goldene Morgenröte bei einer Veranstaltung.

Bildlegende: Die Partei marschiert martialisch auf. Reuters

«Rechte in Panik»

Mihaloliakos forderte die Behörden auf, ihr Vorgehen gegen die Partei einzustellen. Umfragen deuten darauf hin, dass einige Mandate bei Nachwahlen an die Opposition fallen könnten. Damit könnte die zwei Parteien-Regierung nicht mehr haltbar sein.

Die Regierung äusserte sich offiziell nicht zu den Drohungen. Kreise, die Regierungschef Antonis Samaras nahestehen, sagten, die Rechtsradikalen seien «in Panik geraten». Sie stellten fest, dass die Demokratie und die Justiz stärker seien als sie (die Rechtsradikalen) glaubten.

Anschlag auf Zeitung

Vermummte haben den Eingang der griechischen Boulevardzeitung «To Proto Thema» verwüstet. Beim Angriff auf die Zeitung skandierten die Angreifer antifaschistische Parolen und warfen der Presse vor, mit den Rechtsradikalen in Griechenland zu kooperieren. Verletzt wurde niemand, der Schaden ist jedoch erheblich.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Griechen inszenierten in Athen Proteste gegen den tödlichen Angriff auf einen Anti-Rassismus-Rapper.

    «Goldene Morgenröte»: Ex-Mitglieder packen aus

    Aus Echo der Zeit vom 27.9.2013

    In Griechenland laufen zur Zeit Ermittlungen gegen die rechtsextreme Partei «Goldene Morgenröte». Der Auslöser: Der Mord an einem linken Rapper durch ein Mitglied der rechtsextremen Partei.

    Rodothea Seralidou

  • Neonazis auf dem Vormarsch

    Aus 10vor10 vom 26.9.2013

    Die Schuldenkrise hat Griechenland fest im Griff. Viele Menschen haben Angst um ihre Existenz. Diese Angst wird von Rechtsextremen schamlos ausgenutzt. Sie treten als Wohltäter auf, verteilen Lebensmittel. Gleichzeitig jedoch sind während eines Jahres 4 Menschen bei rassistisch motivierten Überfällen getötet und 400 teils schwer verletzt worden.