Rohani: «Ich werde dem Land dienen»

Irans künftiger Präsident dankt in seiner ersten Rede nach der Wahl dem Volk. Und er hat einen moderateren Ton in der Aussenpolitik in Aussicht gestellt. Er bietet dem Westen die Hand. Welche Konsequenzen sich für die internationalen Beziehungen daraus ergeben, ist aber noch völlig offen.

Sein Wahlsieg sei auch «ein Sieg der Mässigung über den Extremismus», sagte Hassan Rohani in der Nacht. Es gebe jetzt auch eine neue Chance in den internationalen Beziehungen für diejenigen, die Demokratie, Zusammenarbeit und freie Verhandlungen wirklich respektierten.

Der als moderat geltende Geistliche hatte sich bei der Präsidentenwahl am Samstag überraschend deutlich gegen die konservativen Favoriten durchgesetzt. Der 64jährige wird im August Nachfolger von Mahmud Ahmadinedschad, der nach zwei Amtszeiten bei der Wahl nicht mehr antreten durfte.

Bereits in seiner ersten Reaktion nach seiner Wahl hatte Rohani die Weltgemeinschaft aufgefordert, sein Land mit Respekt zu behandeln und seine Rechte zu achten. Er fühle sich geehrt, dass ihn das Volk gewählt habe. «Es vertraut mir. Nun kann ich zum nächsten Schritt übergehen und dem Land dienen.» Rohani wolle das Leben und Wohlergehen seiner Bürger verbessern. «Aber ich brauche dazu die Unterstützung und Kooperation meines Volkes.»

Iran wird vorgeworfen, nach Atomwaffen zu streben. Auch die Unterstützung für den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad wird international gegeisselt. Zudem gilt der Erzfeind Israels als enger Verbündeter der Islamisten-Gruppen Hisbollah und Hamas. Rohanis Ziel ist es, einen neuen, weniger aggressiven Weg einschlagen. Er betonte in seiner Rede, wie wichtig ihm Frieden und Stabilität für sein Land sind.

Hassan Rohani

Bildlegende: Rohani kam zugute, dass das konservative Lager zersplittert ist. EVN

Wer ist Rohani?

Ein klassischer Reformer ist Rohani nicht. Doch in dem Feld konservativer Kandidaten avancierte der 64jährige in den letzten Tagen vor der Präsidentschaftswahl zum Hoffnungsträger der Reformbewegung.

Ein überraschender Triumph, galt der stets mit einem Turban Bekleidete doch zu Beginn des Wahlkampfs noch als weitgehend chancenlos.

Rohani führt einen Doktortitel in Recht aus Glasgow und leitet das Zentrum für Strategische Studien in Teheran.

Als Atomunterhändler hatte er 2003 während der Präsidentschaft Chatamis bei Gesprächen mit Berlin, London und Paris in die Aussetzung der umstrittenen Urananreicherung und die Anwendung des Zusatzprotokolls des Atomwaffensperrvertrags eingewilligt. Dieses lässt unangekündigte Besuche von Atominspektoren zu.

Nach der Wahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Juni 2005 wurde er jedoch von seinem Posten abberufen und die Urananreicherung wenig später wieder aufgenommen.

Im Wahlkampf trat er für die Pressefreiheit ein und kritisierte die Überwachung der Universitäten und des Internets. Zudem forderte er mehr Aufmerksamkeit für die Lage der Frauen und kündigte an, ihre Diskriminierung nicht länger zu dulden.

Im Atomkonflikt sprach sich Rohani für eine Annäherung an den Westen aus. Auch mit einem neuen Präsidenten wird es aber keinen radikalen Wechsel in der iranischen Aussen-, Sicherheits- und Atompolitik geben. Bei allen Entscheidungen in diesen Bereichen hat der oberste Führer, Ajatollah Ali Chamenei, das letzte Wort.

Wahlergebnis

Rohani erzielte schon im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. Für ihn stimmten 50,68 Prozent der Wähler. Teherans Bürgermeister Mohammed Bagher Ghalibaf kam als Zweitplatzierter auf 16,6 Prozent, der Hardliner Said Dschalili als dritter auf 11,4 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 72 Prozent.