Anhörung vor Gericht Ronaldo muss wegen Steuerbetrug vor Gericht erscheinen

Die Staatsanwaltschaft wirft Fussball-Superstar Cristiano Ronaldo Steuerhinterziehung vor. Es geht um 14,7 Millionen Franken.

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Ronaldo vor Gericht

0:51 min, aus Tagesschau am Mittag vom 31.7.2017

  • Cristiano Ronaldo musste in seinem Wohnort Pozuelo de Alarcon, nahe der spanischen Hauptstadt, vor Gericht erscheinen.
  • Die Staatsanwaltschaft wirft Ronaldo in ihrer Anklage Steuerhinterziehung in Höhe von 14,7 Millionen Franken vor.
  • Im Fall einer Prozesseröffnung und einem Schuldspruch droht dem viermaligen Weltfussballer eine mehrjährige Haftstrafe – von dreieinhalb Jahren ist die Rede. Hinzu könnte eine Geldstrafe von 28 Millionen Euro kommen.

Die Anhörung vor der Richterin begann um 11.30 Uhr und soll eineinhalb bis zwei Stunden dauern. Die vielen Schaulustigen und rund 200 Journalisten warteten allerdings vergebens. Kurz vor elf Uhr durfte der portugiesische Profifussballer mit seinem Wagen durch eine Hintereinfahrt direkt in die Garage fahren.

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Muss Ronaldo tatsächlich ins Gefängnis?

3:26 min, aus Tagesschau am Mittag vom 31.7.2017

Nach der Anhörung hat Ermittlungsrichterin Mónica Gómez Ferrer nun bis zu eineinhalb Jahre Zeit, um zu entscheiden, ob gegen den 32-Jährigen ein Prozess eröffnet wird.

Laut der für Wirtschaftsdelikte zuständigen Staatsanwaltschaft soll der Real-Madrid-Spieler zwischen 2011 und 2014 Millioneneinnahmen aus Bildrechten bewusst am Fiskus vorbeigeschleust haben.

Seine Anwälte haben diesen Vorwurf öffentlich zurückgewiesen. Der Stürmer, der vor einem Monat Vater von Zwillingen geworden ist, hatte vor einigen Wochen erklärt, er habe ein «ruhiges Gewissen».

Konto in der Schweiz

Vor fünf Wochen bereits ausgesagt hat Jorge Mendes, Ronaldos Agent. Ihm verdankt der Fussballer ein Jahresgehalt von 40 Millionen Franken. Der Agent hat zudem für ihn die besten Werbeverträge ausgehandelt, die je ein Fussballprofi besass. Der gleiche Agent soll aber auch für seinen Schützling in das Firmengeflecht in Irland und der Karibik involviert gewesen sein, mit dem Ronaldo Geld am spanischen Fiskus vorbeigeschleust haben soll.

Fakt ist: Wer mit Ronaldo werben will oder wer sein Gesicht für eine PR-Kampagne verwenden will, musste die entsprechenden Verträge bis 2014 mit einer Firma in Irland abschliessen. Mehrheitsaktionär dieser Firma: Jorge Mendes. Geschäftsführer: Mendes' Neffe.

Die Firma in Irland behielt nach Abschluss jedes Vertrages aber nur eine Provision für sich ein und leitete das Geld an eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln weiter. Letztere besass ein Konto in der Schweiz und bis 2014 auch seine Bild- und Werberechte.

Imageproblem für den gesamten Fussball

Hinter dem Modell Ronaldo steckt System. Dies zeigten die «Football Leaks»-Enthüllungen. Denn die meisten von Mendes' prominenten Kunden unterhielten eine Briefkastenfirma in der Karibik und mussten deshalb bereits Millionen-Zahlungen an den spanischen Staat leisten: Pepe, Radamel Falcao oder Angel di Maria etwa, dazu auch der Startrainer José Mourinho. Gegen den Neuzugang James Rodriguez von Bayern München wird in Spanien noch ermittelt.

Ronaldo und Mendes haben in den vergangenen Wochen viel versucht, um in ihrer Steueraffäre aus der Defensive zu kommen. Mal gaben sie sich demonstrativ gelassen, mal drohten sie mit Ronaldos Weggang von Real Madrid.

Am Montag steht nicht nur ein prominenter Fussballer vor einer Richterin, sondern das gesamte System Ronaldo/Mendes auf dem Spiel. Im Fall eines Prozesses droht «CR7» eine Haftstrafe und dem gesamten Fussball ein riesiges Imageproblem: Denn schon 2016 wurde mit Lionel Messi ein Superstar wegen Steuerhinterziehung verurteilt.