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Rund 500 Millionen Euro Lufthansa gibt Angebot für Teile von Alitalia ab

Flugzeuge.
Legende: Gehören Teile der Alitalia bald zu Lufthansa? Keystone
  • Nach Air Berlin will die Lufthansa nun auch Teile der insolventen Alitalia erwerben.
  • Lufthansa habe ein Angebot für Teile des weltweiten Netzverkehrs und für Direktverbindungen in Europa abgegeben, teilte Deutschlands grösste Fluggesellschaft mit.
  • Das Konzept sehe eine neu aufgestellte «NewAlitalia» mit nachhaltigen wirtschaftliche Perspektiven vor. Über die Details sei mit den Sonderverwaltern von Alitalia Stillschweigen vereinbart worden.
  • Am Montag um 18.00 Uhr lief die Bieterfrist ab. Auch die britische Fluggesellschaft Easyjet bietet mit.

Es sei ein Konzept für eine neu strukturierte Alitalia mit einem fokussierten Geschäftsmodell eingereicht worden, teilte das Unternehmen mit. «Damit hat sich die Lufthansa Group gegen die Abgabe eines Angebots für die gesamte Airline entschieden», hiess es weiter.

Den Bericht der Tageszeitung «Corriere della Sera», nach dem der deutsche Branchenprimus 500 Millionen Euro für Flugzeuge samt Crews und Verkehrsrechte der Alitalia ausgeben will, kommentierte die Lufthansa nicht.

Die Kranich-Airline erklärte, sie interessiere sich für Teile des weltweiten Netzverkehrs und Direktflüge innerhalb Europas. Wie «Corriere della Sera» weiter berichtete, wäre mit dem Plan der Lufthansa eine Halbierung der Belegschaft auf rund 6000 Stellen verbunden. Die derzeit mit dem Management der Airline betrauten Staatskommissare lehnten den Plan der Lufthansa ab.

Lufthansa ist aber nicht der einzige Interessent: Beim zuständigen Notar seien sieben Einsendungen eingegangen, teilte Alitalia am Montagabend mit. Die Sonderverwalter würden diese nun prüfen. Darunter ist auch die britische Fluggesellschaft Easyjet.

Mehr Zeit für Abschluss

Die Regierung hatte erst vergangene Woche betont, Alitalia als Ganzes verkaufen und nicht den Flugbetrieb von den Bodendiensten trennen zu wollen. Allerdings scheint fraglich, ob es überhaupt jemanden gibt, der Alitalia als Ganzes übernehmen würde – die Fluggesellschaft gilt als unsanierbar. Der Billigflieger Ryanair hatte Ende September sein Interesse zurückgezogen.

Bis es zu einer endgültigen Entscheidung über die Zukunft der seit Jahren in der Krise steckenden Airline kommt, dürfte es ohnehin noch dauern. Am Freitag hatte die Regierung in Rom die Frist für den endgültigen Abschluss des Verkaufsprozesses verschoben: Ende April 2018 soll alles unter Dach und Fach sein.

Mit einer Verlängerung der Laufzeit des Brückenkredits von November dieses Jahres auf September 2018 und 300 Millionen Euro zusätzlich soll die Linie in der Luft gehalten werden. Spekuliert wird, dass eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Airline so lange hinausgezögert wird – und der Staat die Linie so lange am Leben hält –, bis Italien ein neues Parlament wählt. Derzeit wird der 4. März als möglicher Wahltermin gehandelt.

Insolvenz im Frühjahr

Die immer wieder strauchelnde Alitalia, die so wie Air Berlin die arabische Fluggesellschaft Etihad als Grossaktionär hat, wird seit dem Frühjahr mit einem öffentlichen Überbrückungskredit gestützt. Das Geld, das nach Medienberichten noch nicht angetastet werden musste, soll erst Ende September 2018 zurückgezahlt werden.

Die italienische Fluggesellschaft musste im Frühjahr in Insolvenz gehen, nachdem die Mitarbeiter sich gegen einen von Gewerkschaften und Management ausgehandelten Rettungsplan gestellt hatten. Der Sanierungsplan sah den Abbau von 1700 Jobs beim Bodenpersonal und die Kürzung der Gehälter beim Flugpersonal von acht Prozent vor.

Die Lufthansa wurde schon vor Monaten als Käufer ins Spiel gebracht. Doch der deutsche Konzern lehnte es ab, die einstige Staats-Fluglinie mit ihren milliardenhohen Schulden zu übernehmen. Nun habe die Lufthansa ein Konzept für eine neu strukturierte «NewAlitalia» vorgelegt.

Mehrere Übernahmen

In der vergangenen Woche hatte sich die Lufthansa mit Air Berlin auf eine Übernahme von rund 80 der insgesamt gut 130 Flugzeuge der zweitgrössten deutschen Fluglinie geeinigt. Damit soll vor allem die Flotte der Billigtochter Eurowings von 160 auf 210 Flugzeuge ausgebaut werden.

In den vergangenen Jahren hatte der Kranich schon die Schweizer Swiss, die belgische Brussels Airlines und die österreichische Austrian Airlines unter seine Fittiche genommen. Italien ist für die Lufthansa der zweitwichtigste Auslandsmarkt nach den USA. Ihr Marktanteil ist hier noch gering.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Fürer (Hans F.)
    Eigentlich sollte man die Lufthansa bewundern und ihr alles Glück wünschen, wo sie sich zutraut, den bisher so unwirtschaftlich geführten Betrieb der Alitalia auf eine wirtschaftliche Basis zu stellen, obwohl der Hurrican, der gegenwärtig Irland überfällt, ein Lüftchen gegen den Hurrican sein dürfte, den die italienischen Gewerkschaften mit Sicherheit gegen alle Reformen veranstalten werden.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Der momentan gute Geschäftsgang bei der Deutschen Luftfahrtgesellschaft scheint die Manager "übermütig" zu stimmen! Wie damals, als die Swissair weltweit einen der besten Rufe hatte (Sicherheit, Kundenbetreuung, Fahrplan, usw.) kaufte die oberste Geschäfts-Etage laufend marode, kleinere und mit Problemen belastete Gesellschaften auf! Fazit: Die "Swissair" ging daran "zu Grunde"! Der Lufthansa könnte irgend einmal das gleiche Schicksal passieren!
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    1. Antwort von Martin Kreidel (Martin Kreidel)
      Nein, eben nicht wie bei der Swissair. Die LH hat keine Flausen im Kopf wie damals die Swissair, die ihre Hunterstrategie aus der Panik heraus anfing, als sie merkte, daß sie allein nicht überleben kann und sich zu lange auf ihren Lorbeeren ausgeruht hatte. Ruf allein generiert noch keine gesunde Bilanz. Sie ging daran zugrunde, daß ihr das Kapital fehlte und sich die wirklich guten Gesellschaften da schon längst in anderen Allianzen befanden. Die einzige Parallele: Es gibt ja kaum andere Bieter
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  • Kommentar von M. P. (migpe)
    Wieso kritisieren manche jetzt die Lufthansa? Die wirtschaften gut und haben Erfolg damit. Manchmal finde ich es beschämend, wie kleinkarriert manche Schweizer sind. Oder hat so mancher vielleicht das Swissair-Trauma noch nicht verarbeitet?
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