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International Russen entern drei ukrainische Kriegsschiffe

Im Hafen Sewasopol haben russische Soldaten mindestens drei Kriegsschiffe der Ukraine in ihre Gewalt gebracht. Dies meldet zumindest die Ukraine. Zuvor hatte Moskau angekündigt, ihre Verteidigung der Halbinsel Krim ausbauen zu wollen.

Etwa 20 Bewaffnete sollen unter dem Einsatz von Blendgranaten im Hafen von Sewastopol mindestens drei ukrainische Kriegsschiffe besetzt haben. Dabei fielen laut dem ukrainischen Marinesprecher auch Schüsse. Eine Bestätigung von Moskau zu dem Vorfall gab es zunächst nicht.

Russland hatte im Verlauf des Tages betont, die militärische Verteidigung der Krim ausbauen zu wollen. «Natürlich ist es notwendig, die militärische Infrastruktur auszubauen, damit die Krim ein würdiger Vertreter der Russischen Föderation wird und vor allen möglichen Attacken geschützt ist», so der russische Vizeverteidigungsminister Juri Borissow. Allerdings trage nicht nur sein Ministerium dafür die Verantwortung.

Ukrainische Truppen, die auf der Krim stationiert waren, nahmen inzwischen ihren Dienst in dem Gebiet auf, das nicht Russland zugeschlagen wurde. Laut deren Vize-Kommandeur verliessen bislang etwa 1000 Zivilisten die Halbinsel.

Bitte der Ukraine somit wertlos

Die Regierung der Ukraine hat derweil von den Vereinten Nationen verlangt, die Krim zur entmilitarisierten Zone zu erklären. Das würde bedeuten, dass sowohl die russischen als auch die ukrainischen Soldaten die Halbinsel verlassen müssten.

So liesse sich die Lage am besten entspannen, sagte der Sicherheitschef Andrej Parubi. Weiter kündigte er an, dass für Russen künftig eine Visumspflicht für die Ukraine gelte.

Viele Menschen wandern aus

Als Eingeständnis einer Niederlage sieht dies SRF-Korrespondent Christof Franzen die Bitte der Ukraine aber nicht. Die Krim werde noch über Jahre oder Jahrzehnte fester Bestandteil des ukrainischen Territoriums sein. Russland habe aber neue Fakten geschaffen; die ukrainischen Soldaten stünden einer militärischen Übermacht gegenüber. «Es besteht die Gefahr eines sinnlosen Blutvergiessens.» Das wolle die Ukraine nicht provozieren.

Dennoch haben viele Menschen auf der Krim die Nase voll. Immer mehr verlassen die Halbinsel – womöglich für immer. Aktivisten klagen über massiven Druck.

Wer offen die ukrainischen Farben trägt, gilt vielen auf der Krim gleich als Ultranationalist oder «Faschist» aus der Westukraine. Mitten am Tag bedrängen prorussische Kräfte in der Innenstadt der Krim-Hauptstadt Simferopol eine junge Frau, die sich die ukrainische Fahne umgehängt hat, wie ein Video zeigt. Eine Bürgerwehr mit roten Armbinden ist an zentralen Orten postiert, auch aggressiv auftretende Kosaken sind im Einsatz. Als eine der ersten Massnahmen wurden ukrainischsprachige Schilder abmontiert.

Duma ratifiziert Beitrittsvertrag

Die Ukraine hat ihren Anspruch auf die Halbinsel Krim dennoch bekräftigt. «Die Ukraine wird niemals den Kampf um die Befreiung der Krim aufgeben, so lang und schmerzhaft er auch sein mag», hiess es in einer vom Parlament in Kiew verabschiedeten Resolution.

Da tut es auch wenig zur Sache, dass das russische Parlament mit überwältigender Mehrheit für die Aufnahme der Krim in die Russische Föderation freigemacht hat. Die Staatsduma ratifizierte den Beitrittsvertrag, wie die Agentur Interfax meldete. Kremlchef Wladimir Putin und die moskautreue Führung der von Kiew abtrünnigen Halbinsel hatten das Dokument am Dienstag unterzeichnet.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Die Aufmerksamkeit auf der Krim richtet sich zunehmend auf die Tataren. Die islamische Minderheit, der rund 280.000 Personen angehören, weist einen salafistischen Flügel auf, dessen Mitglieder teilweise über Kriegserfahrungen aus Syrien verfügen. Ein Anführer der Tataren sagte, man müsse nun damit rechnen, dass einige der kriegserfahrenen Salafisten russische Truppen auf der Krim angreiffen werden. Die in Syrien kämpfenden Salafisten haben einen guten Draht nach Saudi-Arabien.
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Dumm gelaufen. Das hat man davon, dass man einfach das Territorium eines anderen Staates annektiert, weil man weiss, dass man militärisch überlegen ist. Dass die Tataren mit den Russen - siehe WWII und Deportationen - noch offene Rechnungen haben, hätte man eigentlich wissen müssen. Gegen die Ukrainer hatten und haben die Tataren immerhin nichts. Natürlich hoffe auch ich, dass es nicht so weit kommt, aber ich befürchte, das letzte Gefecht ist dort noch nicht ausgetragen worden.
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    2. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Es ist Unglaubwürdig, wenn der Westen nun sagt, muslimische Völker schützen zu wollen, nachdem er ihnen jahrzehntelang Bomben auf den Kopf geworfen hat, ganze Länder ins Chaos warf und sagte: "Entweder nach unserer Pfeiffe oder dann drohen wir!" Der Westen interessiert sich einen Dreck für die Krimtataren.
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    3. Antwort von Juha Stump, Zürich
      @E. Dreier: Sie verwechseln da etwas. Nicht der Westen wird versuchen, die Krim-Tataren zu "beschützen" und zu "befreien", sondern die radikalen "Gotteskrieger". Dass diese den Nordkaukasus immer noch nicht ganz abgeschrieben haben, dürfte bekannt sein, aber wenn sie jetzt auch die Krim neu avisieren, könnte es wirklich gefährlich werden. Das wissen aber sicher auch die Russen und deshalb werden sie alles versuchen, um die Krim genügend stark abzuschirmen.
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  • Kommentar von H. Wolfensberger, Rüschlikon
    Andrij Wolodymyrowytsch Parubij war Mitbegründer der rechtsextremen Sozial-Nationalen Partei der Ukraine, des Vorläufers der heutigen Swoboda-Partei. Während der Euromaidan-Proteste galt Parubij als „Kommandeur des Maidan“, wobei er eng mit dem Führer des Prawyj Sektor (Rechter Sektor), Dmytro Jarosch kooperierte. Bei der Bildung der Übergangsregierung Jazenjuk im Februar 2014 erhielt er das Amt des Vorsitzenden des nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine.
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    1. Antwort von Stefan Keel, Ittigen
      Für mich ist es verständlich, dass es in der Ukraine nationalistische Kräfte brauchte, die die russische Unterdrückung beenden konnten. Ich stelle mir die Situation der heutigen Ukraine ähnlich vor wie die damals für die ersten Eidgenossen, die durch die Übermacht Habsburg unterdrückt wurden.
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    2. Antwort von T.Hofer, Rosshäusern
      @Stefan Keel: Das würde erklären warum man Putin selten mit Hut sieht. Der hängt wohl in Kiew auf einer Stange und muss von jedem Ukrainer gegrüsst werden.
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