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Die Zahl der einreisenden Russen ist angestiegen
Aus SRF 4 News aktuell vom 22.09.2022.
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Russische Teil-Mobilmachung Moskau hat bei den Finnen allen Goodwill verspielt

Auch Finnland könnte die Möglichkeiten zur Einreise von Russinnen und Russen bald praktisch verunmöglichen – als Reaktion auf die Kriegseskalation durch Russland.

Darum geht es: Nach der Teil-Mobilmachung in Russland für den Krieg gegen die Ukraine haben die Einreisen von Russen ins Nachbarland Finnland stark zugenommen. Laut dem finnischen Grenzschutz kamen am Mittwoch insgesamt 4824 Russinnen und Russen über die Grenze – im Vergleich zu 3133 am Mittwoch vor einer Woche.

Angesichts der Zunahme will die Regierung eine «eigene Lösung» für die Frage russischer Touristenvisa finden. Aussenminister Pekka Haavisto sagte aber, die Grenze zu Russland solle nicht komplett geschlossen werden, da es weiterhin legitime Gründe für die Einreise nach Finnland gebe.

Lange Grenze zu Finnland

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Legende: Support-Demonstration für die Ukraine in Helsinki Anfang September. Reuters/Lehtikuva

Finnland teilt eine 1340 Kilometer lange Grenze mit Russland. Damit hat das nordische Land unter den EU-Staaten die mit Abstand längste Grenze zu Russland. Russischen Touristen ist es bislang trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine weiter möglich, per Bus oder Auto mit einem Touristenvisum über die finnische Grenze in den Schengenraum einzureisen. Trotz der Zunahme der Grenzübertritte von Russen in den letzten Monaten und Tagen schätzen die finnischen Behörden die Lage an der Grenze aber nicht als beunruhigend ein, wie SRF-Nordeuropakorrespondent Kaufmann bestätigt.

So reagieren die Finnen: Die finnische Regierung sprach angesichts der Teil-Mobilmachung in Russland von einer «Eskalation» im Ukraine-Konflikt. Der Schritt Putins zeige, wie wichtig es für Finnland sei, möglichst rasch der Nato beizutreten. Aus Kreisen der Opposition wurde die Forderung laut, die Grenze zu Russland ganz zu schliessen.

«Russland hat jetzt gar keine Freunde mehr in Finnland», sagt SRF-Nordeuropakorrespondent Bruno Kaufmann. In Finnland würden viele Russen leben, das Verhältnis der beiden Länder sei in den vergangenen 50 Jahren bis zum 24. Februar dieses Jahres relativ gut gewesen. «Doch jetzt ist allen klar, dass das so nicht weitergehen kann.»

Finnland als Ferienland für Russen: Den ganzen Sommer über seien viele Russinnen und Russen, vor allem aus der Region St. Petersburg – die russische Millionenstadt liegt nur zweieinhalb Autostunden von der finnischen Grenze entfernt – als Touristen nach Finnland gefahren, so Kaufmann.

Die Russen seien zum Einkaufen gekommen, oder um ein Wochenende zu verbringen. «Das hat vielen Finnen gar nicht gefallen.» So sei es zunehmend zu Situationen gekommen, in denen den russischen Touristen von Finninnen oder Finnen klargemacht wurde, dass sie hier nicht willkommen sind – etwa, indem manche Ladenbesitzer ein Schild hinstellten, auf dem stand: «Russen nicht willkommen.»

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Archiv: Finnland fordert Einschränkung der Touristenvisa
Aus Tagesschau vom 14.08.2022.
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So könnte es weitergehen: Bereits Mitte August hatte die finnische Regierung angekündigt, ab September die Zahl der Touristenvisa für Russen drastisch um 90 Prozent einzuschränken. «Mit jedem Kriegstag in der Ukraine wird die Wahrscheinlichkeit grösser, dass Finnland die Touristenvisa für Russinnen und Russen ganz aussetzt», sagt Kaufmann. Schon in den nächsten Tagen könnte das Thema auf die politische Agenda kommen.

Balten und Polen setzen Visa aus

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Bereits gehandelt haben die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie Polen: In diese Nachbarländer Russlands können Russinnen und Russen mit einem Schengen-Visum für touristische Aufenthalte, Geschäftsreisen sowie Sport- und Kulturveranstaltungen seit dem 19. September nicht mehr einreisen. Russland habe Krieg nach Europa gebracht und setze alle Mittel ein, um die westeuropäischen Gesellschaften zu untergraben, heisst es in der Begründung. «Als Grenzstaaten der EU müssen wir Europa sicher halten.» In die vier Länder einreisen darf aus Russland nur noch, wer familiäre oder humanitäre Gründe vorbringen kann. Auch russische Dissidenten sind vom Einreiseverbot ausgenommen.

Kommt hinzu: Mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine habe Russland den bisher herrschenden Goodwill in Finnland vollends verspielt. Die Zeiten, in denen man pragmatisch miteinander umgegangen ist, seien vorbei. «Das Verhältnis von Russland und Finnland ist so schlecht, wie nie seit dem Krieg 1939/1940», stellt der Korrespondent fest.

SRF 4 News, 22.09.2022, 11:50 Uhr;

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