Russland bombardiert Aleppo weiter – trotz Tausender Flüchtlinge

Zehntausende Syrer bitten an der türkischen Grenze um Einlass, doch die Türkei öffnet die Grenzen nicht. Derweil bombardieren Russland und Syrien die umkämpfte Stadt Aleppo weiter.

Menschen stehen vor zerbombten Häuser

Bildlegende: Ein Bild der Zerstörung: Bewohner Aleppos begutachten nach Angriffen des Assad-Regimes die kaputten Häuser. Reuters

Die Menschen flüchten in Scharen aus der syrischen Stadt Aleppo. Doch Russland und Syrien setzen die Bombardierung der Millionenstadt fort – ungeachtet internationaler Proteste. Die Luftangriffe hätten sich auf mehrere Dörfer entlang der Strasse zur türkischen Grenze konzentriert, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte aus London.


Syrien sucht militärische Lösung

4:27 min, aus Echo der Zeit vom 07.02.2016

Der Belagerungsring um die Rebellengebiete wird damit immer enger. Durch eine vollständige Einkesselung würden die Rebellen ihre letzte Versorgungsroute in Richtung Norden verlieren.

Zehntausende Flüchtlinge aus Aleppo – einst die grösste Stadt Syriens – sind inzwischen an der Grenze zur Türkei gestrandet. Doch Ankara lässt die Flüchtlinge nicht ins Land. Türkische Helfer haben deshalb auf der syrischen Seite neue Lager errichtet und versorgen die Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten.

«Wir verstärken unsere Anstrengungen in Syrien, um die Menschen unterzubringen, ihnen mit Lebensmitteln zu helfen und sie medizinisch zu versorgen», sagte ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation IHH. «Wir errichten gerade ein weiteres Lager.»

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SRF-Korrespondentin Ruth Bossart: «Die Grenze ist dicht»

2:02 min, aus Tagesschau vom 6.2.2016

EU: Türkei soll Flüchtlinge einlassen

Die EU drängt die Türkei dagegen, die Grenzen zu öffnen und die Flüchtlinge ins Land zu lassen. Der türkische Präsident Tayyip Recep Erdogan reagierte darauf abwartend. «Wenn sie an unsere Tür kommen und keine andere Wahl haben und es nötig werden sollte, werden wir diese Brüder einlassen – wir müssen das tun», zitierte ihn die Zeitung «Hürriyet». Die Türkei hat in den vergangenen Jahren 2,5 Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge aufgenommen, mehr als jedes andere Land.

Gleichzeitig wertet Erdogan das russische Bombardement nahe der türkischen Grenze als Bedrohung. «In einigen Teilen Aleppos hat das Regime von Assad den Nord-Süd-Korridor abgeschnitten», sagte der Präsident. «Die Türkei wird bedroht.» Die türkische Armee habe die volle Befugnis, jeglicher Bedrohung der nationalen Sicherheit zu begegnen.

Keine Bodentruppen

Die Regierung in Ankara fordert seit langem die Absetzung von Assad. In türkischen Regierungskreisen hiess in der Vergangenheit allerdings, die Türkei habe nicht die Absicht, in Syrien einzumarschieren.

Die neue Flüchtlingswanderung wurde durch die russische Luftoffensive gegen die Millionenstadt Aleppo ausgelöst, die den syrischen Bodentruppen den Vormarsch ermöglichte und zugleich die Friedensverhandlungen zwischen der syrischen Regierung und der Opposition in Genf torpedierte.

Die UNO unterbrach die Gespräche deshalb bis Ende Februar. Kritiker werfen Russland vor, der syrischen Regierung mit der Offensive zu einer besseren Verhandlungsposition verhelfen zu wollen.