«Russlands Bin Laden» wird für Olympia 2014 zur realen Gefahr

Der «russische Bin Laden» Doku Umarow droht mit einem Attentat auf die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Experten werten die Kampfansage an den Kreml auch als Versuch des Terroristen, verlorenen Einfluss im Konfliktgebiet Nordkaukasus zurückzugewinnen. Trotzdem sei die Gefahr real.

Umarow

Bildlegende: Nach anderthalbjähriger Ruhe hat Russlands Staatsfeind Nummer Eins wieder zu Anschlägen auf Zivilisten aufgerufen. Keystone

Der tschetschenische Top-Terrorist Doku Umarow hat in einem neuen Drohvideo die Muslime in Russland zu Anschlägen auf die Olympischen Winterspiele in Sotschi aufgerufen.

Das Sportereignis im Februar 2014 am Schwarzen Meer müsse «mit allen Mitteln, die Allah erlaubt», verhindert werden, sagte der als «Russlands Bin Laden» bezeichnete Islamistenführer in einem im Internet veröffentlichten Film. In Sotschi am Schwarzen Meer seien «die Gebeine unserer Vorfahren begraben».

IOC reagiert gelassen

Dass er im Februar 2012 ein Ende der Anschläge angeordnet habe, sei ein Fehler gewesen, betonte der 49-Jährige. Dies sei vom Kreml «als Schwäche und nicht als Zeichen guten Willens» wahrgenommen worden.

Umarow wirft dem Kreml eine «barbarische Besatzungspolitik» im Nordkaukasus vor. Er strebt nach einem von Moskau unabhängigen islamischen Gottesstaat («Emirat») in dem Konfliktgebiet.

Er hat wiederholt damit gedroht, den Krieg in zentrale Teile Russlands zu tragen. Der international zur Fahndung ausgeschriebene Terrorchef hatte sich unter anderem zum Attentat auf die Moskauer U-Bahn 2010 und im Flughafen Domodedowo 2011 mit insgesamt fast 80 Toten bekannt.

«Die Gefahr eines Anschlags ist sehr real»

Experten in Moskau sehen das Video auch als Versuch von Umarow, verlorenen Einfluss zurückzugewinnen. «Ich denke auch, dass Doku Umarow heute nicht mehr ein unumstrittener und allmächtiger Leader ist innerhalb des Widerstands», sagt SRF-Korrespondent Christof Franzen in Moskau. Seine Bedeutung gelte nach Spaltungen innerhalb der Gruppen im Nordkaukasus als geschwächt.

Zudem sei auch die Struktur des Widerstandes geschwächt. «Die Kommunikation untereinander ist durch die massive russische Truppenpräsenz schwierig», betont Franzen. Die Mittel der Aufständischen seien beschränkt. «Das alles spricht dafür, dass Doku Umarow heute wohl weit isolierter ist als früher», so Franzen.

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Sotschi fürchtet Terroranschläge

3:58 min, aus 10vor10 vom 7.2.2013

Nichtsdestotrotz: In Sotschi hatte es vor Beginn der Bauarbeiten für Olympia wiederholt Anschläge gegeben. «Die Gefahr eines Terroranschlages im Vorfeld oder während der Olympischen Spiele ist sehr real und den russischen Verantwortlichen seit längerem bewusst», so Franzen. Russland könne und wolle diese Drohungen nicht auf die leichte Schulter nehmen.

«Dass sich Russland enorm Sorge macht um die Sicherheit, ist nicht zu übersehen», sagt Franzen, der dieses Jahr bereits öfters in Sotschi und im Skigebiet von Krassnaja Poljana gedreht hat. Bei den Zugängen zu den Gondelbahnen gab es Kontrollen wie in den Flughäfen, betont er. Zudem sei man auf den Skipisten oft bewaffneten uniformierten Truppen begegnet.

Russlands Inlandsgeheimdienst FSB hatte im Mai 2012 mitgeteilt, Anschlagspläne für die Winterspiele aufgedeckt zu haben. Unweit von Sotschi seien in der von Georgien abtrünnigen Nordkaukasus-Region Abchasien Waffenlager mit Luftabwehr-Raketen und Panzerfäusten entdeckt worden. Als Drahtzieher nannte der FSB damals Umarow.

Unruheregion

Die Winterspiele im kommenden Februar sind ein von Präsident Wladimir Putin betriebenes Prestigeobjekt Russlands.

Der Austragungsort Sotschi am Schwarzen Meer liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Unruheregion des Nordkaukasus, wo muslimische Extremisten für einen islamischen Staat kämpfen.