Zum Inhalt springen

International Scharfe Kritik an Lagerhaft für Flüchtlinge in Tschechien

Der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte übt scharf Kritik an der Tschechischen Republik. Said al-Hussein wirft den Behörden in Prag vor, sie verletzten systematisch die Menschenrechte von Flüchtlingen. Staatspräsident Milos Zeman weist die Vorwürfe als Kampagne zurück.

Gefängnis von Drahonice
Legende: Auch das frühere Gefängnis von Drahonice soll zu einem Lager für Migranten umfunktioniert worden sein. Keystone/Archiv

Es ist nicht das erste Mal, dass der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise interveniert. Aber so hart ist Said al-Hussein bisher noch mit keiner Regierung ins Gericht gegangen.

Tschechien verfolge gezielt eine Politik der Abschreckung, damit möglichst wenige Flüchtlinge ins Land kämen. Zu diesem Zweck würden Flüchtlinge – auch ganze Familien mit Kindern – in geschlossene Lager gesperrt. Dort würden sie 40 Tage und zum Teil sogar 90 Tage festgehalten. Die Behörden verletzten damit systematisch die Menschenrechte der Flüchtlinge.

Tschechische Medien machten vor kurzem auf die Missstände aufmerksam. Flüchtlinge, die ohne gültige Papiere das Land durchqueren, werden offenbar von der Polizei aus Zügen oder von der Strasse geholt und in Lager wie jenes von Bela-Jezova gebracht.

Mobiltelefone und Geld eingezogen

Gemäss den Berichten müssen die Flüchtlinge ihre Mobiltelefone abgeben, damit sie nicht Kontakt zu ihren Verwandten oder einem Anwalt aufnehmen können. Auch werde den Flüchtlingen das Geld abgenommen – mit der Begründung, dass sie für die Unterbringung im Lager bezahlen müssten.

Im Lager wurden offenbar auch regelmässig schikanöse Zimmerdurchsuchungen durchgeführt. Auch kleine Kinder mussten vor Wächtern mitten in der Nacht stramm stehen.

Zeman weist Kritik zurück

Menschenrechtskommissar al-Hussein kritisierte auch Tschechiens Staatspräsident Milos Zeman. Dieser äussere sich islam- und fremdenfeindlich, wenn er von Flüchtlingen spreche. Zeman weist die Vorwürfe zurück. Das Ganze sei eine Kampagne gegen sein Land. Nach Angaben der tschechischen Polizei wurden von Januar bis September gut 7000 Flüchtlinge aufgegriffen.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Das sind erst einmal Anklagepunkte - wer weiss denn schon, ob diese tatsächlich der Wahrheit entsprechen. Immerhin weist Tschecjiens Staatspräsident die Anschuldigungen zurück, das Ganze sei eine Kampagne gegen sein Land. Ich finde, der UNO- Hochkommissar für Menschenrechte macht sich der Propaganda und Hetze verdächtig.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    In diesem Zusammenhang muss erinnert werden, dass nach dem Einmarsch Sowjetrusslands und Staaten des Warschauer Paketes 1968 in die CSSR Tschechen-Flüchtlinge zig Tausendweise beispielsweise nach Deutschland kamen, bestens aufgenommen wurden und dort bis heute blieben. Und das jetztige Verhalten Tschechien Flüchtlingen gegenüber? Schäbiger kann es nicht sein.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Sieht so EU Europa aus ? - Oder vielleicht besser gesagt, so sieht eben dieses EU-Europa wirklich aus und ganz und gar nicht so, wie man es sich in Brüssel vorstellt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    Was die Tschechen in der EU zu suchen haben, frage ich mich immer wieder. Menschenrechte haben die bis heute noch nicht akzeptiert, wilde Vertreibungen nach 1945, ohne völkerrechtliche Legitimation, Tausendfache Morde an Deutschen(Österreichern muss man wohl sagen), die Benesch-Dekrete gelten noch heute, man hat sich davon noch nicht distanziert. Abgesehen davon, dass dieses Land von Flüchtlingen ohnehin gemieden wird, werden die paar die kommen, schikaniert und in Gefängnissen gehalten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen