Scheidender König beschwört Einheit Belgiens

Albert II. gibt am Sonntag den Thron an seinen Sohn Philippe ab. In seiner letzten Rede äusserte er vier Wünsche für die Zukunft. Der dringendste: Das vom Regionenstreit zerrissene Land soll zusammenhalten.

König Albert von Menschen umringt.

Bildlegende: Die Einheit Belgiens liegt ihm am Herzen: Albert II. verabschiedet sich in Liège von der Bevölkerung. reuters / 19.7.2013

«Ich bin davon überzeugt, dass es lebenswichtig ist, den Zusammenhalt unseres föderalen Staates zu bewahren», sagte König Albert II in der traditionellen Fernseh-Ansprache zum Nationalfeiertag. Es war die letzte Rede vor seiner Abdankung am Sonntag.

Der Zusammenhalt sei wichtig. «Nicht nur für die Lebensqualität, sondern auch das Wohlbefinden aller Bürger», betonte Albert. Der König ist Symbol für die Einheit des zerstrittenen Landes. Gerade in der Krise nach den letzten Parlamentswahlen hatte er unermüdlich zwischen den zerstrittenen politischen Lagern vermittelt.

Die Einheit des Landes nannte er als ersten von vier Wünschen für die Zukunft. An zweiter Stelle sprach sich der 79-Jährige für Europa aus. Die europäische Einigung sei «nötiger als je zuvor». «Das europäische Projekt ist mehr als ein Haushaltsprojekt», sagte der König.

Schlichte Krönungszeremonie Philippes

Trotz der Wirtschaftskrise müsse Belgien zudem seine Beziehungen zu den Ländern in Zentralafrika pflegen. Belgien unterhält besondere Beziehungen zur demokratischen Republik Kongo, die ehemals Kolonie war.

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König Alberts Abschiedswünsche

0:29 min, vom 20.7.2013

Am Ende der Rede rief der Monarch alle Belgier auf, seinen Sohn und Thronfolger Philippe zu unterstützen. «Ich möchte mit einem Wunsch enden, der mir als König und als Vater sehr am Herzen liegt: Arbeiten Sie aktiv mit dem künftigen König Philippe und der künftigen Königin Mathilde zusammen», sagte Albert auch auf Deutsch, das ebenfalls belgische Amtssprache ist.

König Albert II. wird am Sonntag offiziell abdanken. Sein ältester Sohn Philippe wird mit 53 Jahren der siebte König Belgiens werden. Philippe leistet am Sonntagmittag vor dem Parlament den Amtseid.

Geplant sind unter anderem eine Militärparade und ein Feuerwerk. Pompöse Festlichkeiten mit zahlreichen gekrönten Häuptern – wie zuletzt beim Thronwechsel in den Niederlanden – werden nicht erwartet.

Flamen gegen Wallonen

Belgien driftet im Sprachenstreit zwischen französischsprachigen Wallonen und Niederländisch sprechenden Flamen auseinander. Die derzeit stärkste politische Kraft des Landes, die flämischen Nationalisten der N-VA, verlangt Unabhängigkeit für den Norden und stellt die föderale Staatsform des Königreichs infrage.