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International Scheue Sehnsucht nach Freiheit im Iran

Morgen läuft die Frist für eine Einigung im Atomstreit mit dem Iran ab. Vieles spricht erneut für eine Verlängerung. In die Ungewissheit und Unsicherheit der Menschen in Teheran mischt sich dennoch leise Hoffnung.

Eine Frau und vier Kinder spielen mit einem Drachen im Wind.
Legende: Frei sein wie ein Drachen im Wind: Spielende Kinder in einem Park in Teheran. Keystone/Archiv

Bilder der Entspannung: Lachende Kinder, die über die Wiese rennen, um sich am Brunnen abzukühlen. Erwachsene, ein bisschen langsamer, die schweren Picknick-Körbe tragend, auf der Suche nach einem schönen Plätzchen.

Der Park in Teheran ist riesig. Die Sonne ist untergegangen, ein Hochsommerabend im Ramadan. «Iftar», Essenszeit – und der Moment, in dem der Druck des Alltags abfällt. Einfach nur sein. So wie diese fünf Freunde, die den Abend in vollen Zügen geniessen und von der Politik gerade nichts wissen wollen oder versuchen, die Hoffnung klein zu halten.

«Es wird übertrieben. Ein Abkommen und die Aufhebung der Sanktionen werden keinen direkten Einfluss haben auf unser Leben, es wird vor allem das Verhältnis zwischen den Staaten verbessern», sagt Saeedeh, eine junge Juristin. Und ihr Freund Amir, der ein Geschäft im Basar hat, fährt fort: «Wir müssen Geduld haben, Geduld.»

Freiheit, Reformen und Normalität

Sich vor der möglichen Enttäuschung schützen. Die Träume für sich behalten. Aber sobald das Mikrofon aus ist, sprudelt es nur so aus ihnen heraus. Sie sprechen über ihre Sehnsucht nach Freiheit. «Azadi», immer wieder Freiheit. Und Reformen. Und Normalität.

Wir müssen uns an die Realität anpassen. Wir sind Teil dieser Gesellschaft, aber eigentlich leben wir nebeneinander her: Wir, die junge Generation und die, die uns regieren.
Autor: AtafehJunge Iranerin

Eine schmale junge Frau, Atafeh, ganz allein auf einer Bank. Auch sie sehnt den Wandel herbei. «Persönlich komme ich als Beamtin gut über die Runden. Aber es ist wichtig, dass die Sanktionen aufgehoben werden. Es gibt so grosse Klassenunterschiede hier, so viele reiche aber noch viel mehr arme Leute», sagt sie.

Dass nun auch die oberste Führung des Landes, das geistliche Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei, das Atomabkommen mit dem Westen offensichtlich will, findet Atafeh gut. Vieldeutig aber fügt sie an: «Wir müssen uns an die Realität anpassen. Wir sind Teil dieser Gesellschaft, aber eigentlich leben wir nebeneinander her: Wir, die junge Generation und die, die uns regieren.»

Traum von einer Reise nach Amerika

Das ist anstrengend. Atafeh möchte ausbrechen. Reisen, vielleicht sogar nach Amerika emigrieren. «Ich hab so viel von diesem Land gehört, ich möchte es sehen», sagt sie.

Amerika kommt näher – indirekt zumindest. Nach jahrzehntelanger Feindschaft, Eiszeit und gegenseitiger Dämonisierung wird oder würde ein Abkommen das Verhältnis zwischen dem Iran und den USA ein Stück weit normalisieren. Die Chancen stehen nicht schlecht, beide Seiten haben sehr viel investiert. Auch in Teheran glauben die meisten, der Deal gelinge. Vielleicht nicht diese Woche, aber dann ein paar Tage später.

Menschen geniessen den Sommerabend in einem Park in Teheran.
Legende: Den Druck des Alltags hinter sich lassen: Menschen geniessen den Abend in Teheran. SRF, Iren Meier

«Es muss geschehen», sagt eine 17-jährige Schülerin, die mit ihrer Familie im Park ist. Das rosa Tuch hat sie elegant um den Kopf geschlungen, Politik interessiert sie brennend: «Die Sanktionen drücken auf alles hier, jeder Teil unseres Lebens ist betroffen. Es ist wirklich schwer.» Trotzdem sieht die Schülerin ihre Zukunft hier. Sie liebe dieses Land.

Rohani braucht zweite Amtszeit

Man sagt, der Iran habe ein riesiges Potential. Nicht nur Öl, sondern auch sehr viele sehr gut ausgebildete junge Leute. Die Arbeitslosigkeit ist eines der ganz grossen Probleme. Es anzugehen ist möglich, wenn sich die Wirtschaft erholt. Aber das Land braucht auch politische Reformen.

«Unbedingt», sagt der Architekturstudent Fuad, der unter einem Baum sitzt und liest. Und wieder kommt es, das Wort «Azadi», Freiheit. Die Freiheit zum Beispiel mit Mädchen und Jungen zusammen zu sein hier. Ganz natürlich, ohne dass einer kommen und fragen kann, um was für eine Art Beziehung es sich hier handle. Normalität halt.

Präsident Hassan Rohani hat der iranischen Bevölkerung viel versprochen, auch politische Reformen. Um dies einzulösen, braucht er eine zweite Amtszeit. Ein Atomabkommen würde ihm diese vermutlich garantieren.

4 Kommentare

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  • Kommentar von F.Riedo, Bern
    Der Deal sollte doch gelingen, der Völker willen. Der Iran hat andere Möglichkeiten Energie zu gewinnen als durch Atom. Erdgas, Photovoltaik, Erdöl. Ein Atomverzicht würde der Bevölkerung und der Wirtschaft sofort helfen. Ich kann das festhalten der Perser an ihre Atomanlagen nicht verstehen und daher vermute auch ich so wie Israel, dass die iranische Führung an Atomwaffen forscht und baut. Dies kann man unter keinen Umständen dulden, da dies eine Gefahr für den Weltfrieden bedeuten würde.
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    1. Antwort von E. Jenni, Ottikon
      @Riedo: Bin gleicher Ansicht wie Sie und kann nicht verstehen, warum man ein Volk leiden lässt, nur weil die geistigen Führer des Landes Weltmachtsgelüste haben. Leider ist der Islam mit der Politik so stark verbunden, dass es eine Illusion ist, daran zu glauben es würde ein Einlenken Irans in der Atomfrage geben. Das Land geht einer ungewissen Zukunft entgegen, die wenig Hoffnung verspricht. Der Westen ist gut beraten in der Atomfrage nicht nachzugeben.
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Die Sanktionen drücken vor allem ärmere Leute - und die Schwachen. So sind beispielsweise viele Medikamente schwer zu erhalten durch die Sanktionen. Ich würde es dem Iranischen Volk gönnen, wenn endlich die schweren Sanktionen aufgehoben würden und ein Stück Normalitär zurückkehren könnte. Für die Durchsetzung politischer Rechte - gegen die geistliche Obrigkeit - muss das Volk nachher selber kämpfen. Ich finde, der "Westen" sollte dazu Hand bieten.
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Der Iran ist im Vergleich in Nahost ein Staat mit Potential und modernen Ansichten, auch wenn dies durch die religiösen Führer verdeckt ist. Auf jeden Fall sind sie nicht so naiv, sich auf westlichen Versprechungen zu verlassen. Dumm ist nur, wer ähnliche Fehler wiederholt. Leider ist der Einfluss des Westens auf die globale Wirtschaft immens gross. Iran muss also nach wie vor eine langen Atem haben und hoffen, dass Gegner des Westens Iran für wichtig genug halten, um es zu unterstützen.
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