Schweizer lassen sich «ihr» Ägypten kaum vermiesen

1508 Schweizer haben sich im Land am Nil niedergelassen. Nochmal so viele sind als Ägypten-Touristen unterwegs. Die Zahlen sind von den Unruhen kaum betroffen, Panik ist nicht angezeigt. Auch wenn der arabische Frühling der Wirtschaft des Landes zurzeit eine Eiszeit beschert.

Eine Kamel-Karawane zieht vor den ägyptischen Pyramiden in Gizeh vorbei.

Bildlegende: Zurzeit dürfte es nicht schwer sein, bei den Pyramiden ein freies Kamel zu finden. Von Reisen nach Kairo wird abgeraten. Reuters

Die gut eineinhalb tausend Schweizer Bürger in Ägypten sowie ihre 213 ausländischen Familienangehörigen sehen den Unruhen bis jetzt gelassen gegenüber.

Laut dem Eidgenössischen Departement für auswertige Angelegenheiten (EDA) sind viele von ihnen zeitweilig ausser Landes gereist. Zum einen hätten sie sich in die Sommerferien verabschiedet, zum anderen seien sie wegen des islamischen Fastenmonats Ramadan ins Ausland gegangen. Von einem eigentlichen Exodus kann indes nicht gesprochen werden.

Touristen fahren dennoch hin

Was die Auslandschweizer nicht stört, beeindruckt Schweizer Touristen erst recht nicht. Beim Reiseveranstalter Hotelplan etwa sind es derzeit 310 Kunden, die ein ägyptisches Ferienangebot beanspruchen. Sämtliche dieser Personen befinden sich in den Badeorten am Roten Meer, wie eine Hotelplan-Sprecherin sagte. Ähnlich schaut es bei Kuoni aus.

Der Reiseanbieter zählt aktuell 190 Ägypten-Reisende. Einzig Reisen in die ägyptische Hauptstadt Kairo seien abgesagt worden, erklärt ein Firmensprecher bei Kuoni.

Wirtschaft bricht ein

Wer mit Ägypten Geschäfte unterhält, dürfte die Unruhen demgegenüber weniger erbauend finden.

Wirtschaftlich gesehen hat sich das 85-Millionen-Einwohner-Land in den letzten Jahren ausgesprochen dynamisch entwickelt. Auch ist es Ägypten gelungen, seine Volkswirtschaft zu diversifizieren und aus der Abhängigkeit von einzelnen Sektoren wie etwa dem Tourismus zu lösen.

Die Revolution vom 25. Januar 2011 mit dem Sturz des Diktators Hosni Mubarak setzte dieser Entwicklung jedoch ein jähes Ende. Die politischen Veränderungen vor nunmehr knapp zweieinhalb Jahren haben zu einer merkbaren Verlangsamung der wirtschaftlichen Aktivitäten geführt, wie die Schweizer Botschaft in Kairo schreibt.

Entsprechend hält sich der Handel zwischen der Schweiz und Ägypten derzeit auf einem relativ tiefen Niveau. Und das obwohl das Land am Nil nach Südafrika der zweitgrösste afrikanische Abnehmer von Schweizer Exporten ist.

Im vergangenen Jahr erreichten die Ausfuhren 657 Millionen Franken, 10,7 Prozent mehr als 2011. Gleichzeitig importierte die Schweiz Güter im Wert von 53 Millionen Franken aus Ägypten. Dies waren 5,7 Prozent weniger als im Jahr davor.

Der ägyptische Übergangspräsident Adli Mansur hat Parlamentswahlen in etwa sechs Monaten in Aussicht gestellt. Lesen Sie hier den Artikel.