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International Software soll Amokläufe verhindern

Adam Lanza – ein Mann traumatisiert ein ganzes Land. Nur langsam entsteht ein Bild vom Newtown-Attentäter. Kann man Amokläufer frühzeitig erkennen? Forscher haben dafür nun spezielle Computer-Programme entwickelt.

Legende: Video Die Psychologie der Amoktäter abspielen. Laufzeit 3:12 Minuten.
Aus 10vor10 vom 17.12.2012.

Frank J. Robertz gilt als einer der führenden Experten für Analysen von Schul-Amokläufern. Den Attentäter von Newtown beschreibt der Kriminologe als typisch. Der Forscher studiert seit Mitte der 90er-Jahren solche Fälle und stellt immer viele Gemeinsamkeiten fest.

«Diese Menschen sind zutiefst unglücklich, sie glauben keine Bezugspersonen mehr zu finden, niemand der sie liebt, den sie lieben», sagt Robertz in der Sendung «10vor10». Sie hätten keine Perspektiven in der Gesellschaft. Die Täter entwickelten sehr schwere Gewaltphantasien, weil sie glaubten, die Probleme könnten sie mit Gewalt lösen. Solche Gewaltphantasien helfen den Tätern eine ganze Weile. Wenn dann doch die letzten Perspektiven wegbrechen, sind sie imstande solche Bluttaten zu begehen.

Mit 30 Fragen zum Ziel

Wie sich solche Amoktäter in den Jahren und Monaten vor der Tat verhalten, hat der Psychologe Jens Hoffmann untersucht. Aus den Daten hat er ein Computer-Programm entwickelt. Dieses soll Lehrern, Psychologen aber auch der Polizei helfen, auffällige Schüler einzuschätzen.

Anhand von 30 Fragen entstehe ein Risikoprofil, sagt Hoffmann. Das Programm wird international eingesetzt – auch in der Schweiz. «Wir haben Akten von Gerichten und Polizei untersucht und haben sehr detailliert rekonstruiert, was vor solchen Taten passiert. So konnten wir ein Muster herausfinden, welches uns ermöglicht, die Risikoeinschätzung vorzunehmen», erklärt Hoffmann.

Innovative Schweiz

Mit Hoffmanns Software arbeiten heute in der Schweiz viele Schulen und Polizeieinheiten, wenn es darum geht, die Gewaltbereitschaft auffällige Schüler besser einschätzen zu können. «Die Schweiz ist sehr weit bei der Prävention und sehr innovativ: auf kantonaler Ebene bilden sich Netzwerke zwischen Psychiatern und der Polizei.»

Bis jetzt ist die Schweiz vor einem Schul-Amoklauf  verschont geblieben. An der Kaufmännischen Schule in Sankt Gallen hat es vor vier Jahren einen Vorfall gegeben, der auf einen möglichen Amoklauf hindeutete.

Rektor Urs Bucheli ist die Situation von damals noch sehr präsent. Seine Schule hat die Präventionsbemühungen ausgebaut. Er sagt: »Schüler mit Problemen versuchen wir in einem frühen Stadium zu erreichen. «Institutionen wie der Sozialdienst haben ein grosses Netz, mit dem sie Schüler unterstützen können.»

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Mit einem Softwareprogramm solches Verhindern ?????? Klingt in meinen Ohren sehr realitätsfremd. Will sich da jemand noch an Hand dieser Tragödie eine "goldene Nase" verdienen? Das wäre dann "ober-peinlich" und besonders verwerflich. Eine analytische Reflektion der sozialen- und gesellschaftlichen Zusammenhänge der US-Bevölkerung wäre weit aufschlussreicher und vielleicht sogar sinnvoller. Sichtbar ist doch, dass die USA seit langer Zeit tiefgreifende Probleme hat. Slums, Gethos usw.
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  • Kommentar von Michael Schwarz, Zürich
    Im Grunde handelt es sich immer um dieselbe militärische Operation: Vermummte Mitglieder eines Sonderkommandos erschießen eiskalt ein, zwei oder mehrere Dutzend Menschen und lassen anschließend einen toten »Täter« zurück. Varianten wie Norwegen (Utøya, 2011) oder Aurora bestätigen die Regel. In Aurora wurde ein unter Drogen gesetzter Beschuldigter eingesetzt, der wohl heute noch nicht weiß, wie er überhaupt zu der zweifelhaften Ehre gekommen ist.
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    1. Antwort von Jerry Cotton, New York
      Wie bitte? Waren Sie etwa dabei?
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    2. Antwort von Jean-Luc Picard, Prenterise
      Über eine solch realitätsfremde Einschätzung kann ich nur noch staunen. Die Verschwörungstheorien werden immer abstruser. Dass sich solcherlei Behauptungen in keinster Weise mit den Aussagen der Augenzeugen decken, scheint die Verbreiter solcher Ideen nicht weiter zu stören.
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  • Kommentar von Hans Knecht, Kontinentaleuropa
    "keine Perspektiven in der Gesellschaft", dann müsste man alle suizid-gefährdeten als pot. Amokläufer betrachten. "glaubten, die Probleme könnten sie mit Gewalt lösen" nur galten die Täter und Täterinnen oftmals nicht als gewalttätig, sondern eher als "friedlich" introvertiert so dass die gewaltsame Problemlösung leider eher ein Affekt zu sein scheint wie in Winnenden. Und in manchen Fällen scheint es leider eher ein kranker Suizid zu sein bei dem versucht wird seine "Peiniger" mit zu ...
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    1. Antwort von Jean-Luc Picard, Prenterise
      Die Software untersucht ja nicht die Gewalttätigkeit der Testpersonen, sondern deren Gewaltphantasien. Und der Fall 'Winnenden' war - wie die meisten sogenannten Amokläufe - keineswegs eine Affekthandlung sondern minuziös geplant. Grade weil die bei solchen Taten ablaufenden Vorgeschichten Ähnlichkeiten aufweisen, kann die Software durchaus nützlich sein beim Erkennen von Gefahrenpotenzialen.
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