Sorge über angebliche Hinrichtungen in Mali

Was ist dran an Berichten über schwere Menschenrechtsverstösse malischer Truppen? Noch ist nichts offiziell bestätigt. Doch Frankreich ist beunruhigt. Es hilft Mali, gegen die Islamisten zu kämpfen. Die Ehre stehe auf dem Spiel, sagte Verteidigungsminister Le Drian.

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Einschätzungen von Florian Inhauser aus Bamako

2:13 min, aus Tagesschau am Mittag vom 24.1.2013

Berichte über Menschenrechtsverletzungen der malischen Truppen alarmieren die französische Regierung. Zwar bestätigte sie die Meldungen nicht direkt. Verteidigungsminister Le Drian appellierte jedoch direkt an die malischen Offiziere: «Die Ehre steht auf dem Spiel.»

Fast 30 willkürliche Tötungen?

Menschenrechtsgruppen hatten zuvor berichtet, seit Beginn des französischen Militäreinsatzes am 10. Januar habe es mehrere aussergerichtliche Hinrichtungen durch die malische Armee gegeben. Allein in der Stadt Sevaré in Zentralmali sollen mindestens elf Menschen in einem Lager des malischen Militärs exekutiert worden sein.

Unter Berufung auf Beobachter vor Ort hiess es weiter, in derselben Region seien zudem etwa 20 Menschen exekutiert und in Brunnen geworfen oder verscharrt worden. In Nioro im Westen des Landes sollen malische Soldaten zwei Tuareg hingerichtet haben.

Besorgt äusserte sich auch die zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgieva. Sie hatte sich zuvor mit dem französischen Entwicklungsminister und dem burkinischen Präsidenten getroffen.

Menschenrechtler fordern unabhängige Untersuchung

Menschenrechtler forderten eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe. Die malische Regierung oder – «wenn nötig» – der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag müssten ihnen nachgehen, forderte die Internationale Vereinigung der Ligen für Menschenrechte (FIDH). Human Rights Watch forderte die Entsendung von UNO-Beobachtern.

«Bis zu einer solchen unabhängigen Untersuchung wird es noch eine Weile dauern» sagt Patrik Wülser. Er ist Afrika-Korrespondent von Radio SRF und hält sich momentan in Bamako auf. Die UNO könne im Moment noch nicht in den Norden Malis und auch die Reisevorschriften für Journalisten seien verschärft worden.  Die Aufklärung werde aber nicht nur lange dauern, sie sei auch sehr schwierig. Wer von den verschiedenen Parteien tatsächlich für die Gewalt verantwortlich ist, sei nicht leicht zu rekonstruieren. Es heisse jeweils: «Das Verbrechen ist von Männern in Uniform verübt worden.»

In Bamako seien Menschenrechtsbeobachter von den Vorwürfen aber nicht überrascht. Seit Tagen erzählten Flüchtlinge von Gräueltaten, von Vergewaltigen durch Islamisten, berichtet Wülser weiter.

Nach einem Militärputsch im März vergangenen Jahres hatten die von Tuareg dominierte Befreiungsbewegung MNLA und islamistische Gruppen den Norden Malis erobert. Wenige Monate später unterlagen die Tuareg-Kämpfer einer Koalition islamistischer Gruppen. Derzeit geht die französische Armee mit den Soldaten der malischen Militärregierung gegen die Rebellen vor.