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International Spielabbruch in Belgrad: Wenn Fussball zur Staatsaffäre wird

Beim Länderspiel zwischen Serbien und Albanien wurde 42 Minuten lang Fussball gespielt. Dann flog eine Flagge ins Stadion – und riss alte Wunden auf. Spekulationen über eine politisch brisante Urheberschaft der «Drohnen-Attacke» kursieren. SRF-Korrespondent Walter Müller beleuchtet die Vorgänge.

Legende: Video Gewaltausbrüche bei Fussballspiel abspielen. Laufzeit 01:11 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 15.10.2014.

«Das ist eine Provokation der Albaner», sagt der Kommentator am serbischen Staatsfernsehen. Über dem Spielfeld taucht überraschend ein kleines, ferngesteuertes Fluggerät auf, angehängt ist eine schwarze Flagge. Darauf in rot die Umrisse eines «Grossalbaniens», das auch von Albanern bewohnte Gebiete wie den Kosovo umfasst. Auf der Fahne stehen dazu die Zahl 1912 und das Wort «Autochthon».

Ein sprichwörtlich rotes Tuch

Für die Albaner ist dies ein stehender Begriff: Gemeint ist, wir sind Eingesessene, wir waren vor allen anderen hier. 1912 wurde das albanische Volk aufgeteilt, als die Grossmächte die Grenzen des heutigen Albaniens festgelegt haben.

Ein albanischer Grossstaat ist ein Traum der Albaner und eine Provokation für Serbien. Spätestens seit dem Kosovo-Krieg und der Unabhängigkeits-Erklärung der Kosovo-Albaner 2008. Das rote Grossalbanien ist für Serben sprichwörtlich ein rotes Tuch.

Eskalation trotz Ausschluss der Gästefans

Im Belgrader Partizan-Stadion greift ein serbischer Spieler nach der vorbeischwebenden Flagge. Zwei albanische Spieler wollen sich auf ihn stürzen. Darauf bricht Tumult aus. Brennende Petarden fliegen, serbische Fans stürmen auf das Spielfeld, die Spieler flüchten in die Kabinen. 45 Minuten später wird das Spiel endgültig abgesagt. Die Zuschauer verlassen das Stadion. Die UEFA hat nun zu entscheiden, wer wie bestraft wird.

In diesem ersten Treffen seit Jahrzehnten waren albanische Fans nicht zugelassen, nationale Symbole waren verboten. Dasselbe gilt für die serbischen Fans beim Rückspiel nächstes Jahr in der albanischen Hauptstadt Tirana.

Wird der Spielabbruch zur Staatsaffäre?

In Belgrad überschlagen sich die Medien mit Spekulationen. Der Bruder des albanischen Ministerpräsidenten Edi Rama habe die Drohne von der VIP-Tribüne aus gesteuert, wird gemeldet. Er habe sich mit einem amerikanischen Pass ausgewiesen.

Wenn wirklich der Bruder des albanischen Ministerpräsidenten hinter dieser Provokation steckt, wäre das besonders brisant, da Albaniens Regierungschef in sieben Tagen zum Staatsbesuch in der serbischen Hauptstadt Belgrad erwartet wird. Dieser ist angekündigt als Zeichen der Entspannung zwischen Albanien und Serbien.

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42 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Dass es auch anders geht, hat die UEFA selber vor etwa zehn Jahren bewiesen, als Armenien und Aserbeidschan in die gleiche Gruppe gelost wurden. Obwohl der Krieg um die armenische Exklave Karabach auf aserbeidschanischem Gebiet nicht mehr wütete, wurde aus Sicherheitsgründen beschlossen, auf die beiden direkten Spiele gegeinander zu verzichten. Das ging auch deshalb gut, weil beide Länder im Gegensatz zu Serbien und Albanien realistisch gesehen sowieso keine Quali-Chancen hatten.
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  • Kommentar von Fabio Del Bianco, Spiez
    Zum streiten braucht es immer wenigstens zwei! So leid es mir tut, die UEFA/FIFA sollte künftig bei den Auslosungen WM/EM-Quali Paarungen wie SRB-ALB, SRB-KRO oder SRB-BIH verunmöglichen. Die jeweiligen Lager sind historisch und politisch in einem solch starken Konflikt, dass solche (und andere) Szenarien immer wieder vorkommen werden. Das ist die Realität. "Bestrafen" würde ich KEINE der beiden Parteien, ich würde die beiden Spiele auf neutralem (Japan! Süd Korea!) Boden austragen lassen.
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  • Kommentar von p.keller, kirchberg
    Wann steigt in einer Stadt blitzartig der Intelligenz-Quotient? Wenn ausserhalb ein Fussball-Spiel stattfindet. (Weisheiten aus dem Jahr 1972)
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